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Mit selbstständigen Mitarbeitern dem Mitbewerb voraus

Interview mit Mark Poppenborg

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch: Auf der einen Seite stehen Arbeitnehmer, die immer selbstbestimmter und mit größeren Freiheiten arbeiten wollen. Auf der anderen Seite sehen sich Unternehmen schnelleren Innovationszyklen und Herausforderungen am Markt ausgesetzt. Warum das eine gute Sache ist und wie diese beiden zueinander finden, erzählt Mark Poppenborg, Mitgründer der Plattform intrinsify.me, im Interview mit JOBnews.at.

JOBnews.at: Herr Poppenborg, was kann man sich unter dem Begriff „intrinsify.me“ und Ihrer Plattform eigentlich vorstellen?

Mark Poppenborg: intrinsify.me ist eine Abkürzung der Aussage „Intrinsic Motivation Satisfies Me“. Das heißt, ich kann nur dann zufrieden und gut arbeiten, wenn ich intrinsisch motiviert bin. Wir verstehen uns als Netzwerk für die neue Arbeitswelt und moderne Unternehmensführung.

Was ist neu an dieser Arbeitswelt?

Das fängt bei der Tatsache an, dass für Individuen durch den technischen Fortschritt andere Lebens- und Arbeitsmodelle möglich geworden sind als zuvor, Stichwort Home-Office oder Entrepreneurship des Einzelnen. Auf der anderen Seite sehen sich Unternehmen zunehmen dynamischen Märkten gegenüber, die einen hohen Sättigungsgrad aufweisen und ständige Innovation notwendig machen. Das Ganze schafft eine wahnsinnige Dynamik, in der sich Unternehmen neu erfinden können.

Warum sollte ich mich als Unternehmen überhaupt neu erfinden? Läuft doch alles super, oder?

Um in einem extrem kompetitiven Markt überleben zu können, müssen Unternehmen die individuellen Stärken und Charaktereigenschaften des einzelnen Mitarbeiters nutzen. Das hat nichts mit Almosen oder moralischen Überzeugungen zu tun, sondern mit handfesten wirtschaftlichen Überlegungen: Ein Teil der aktuellen Probleme, die Unternehmen derzeit haben, liegt darin begründet, dass man mit rückschrittlichen Führungssystemen und formalen Hierarchien arbeitet.

Was ist so falsch an den aktuellen Führungssystemen?

Die gesamte Unternehmensarchitektur, also Hierarchien, Abteilungsstrukturen, Regeln und Prozesse sind noch vom Industriezeitalter geprägt. Damals ging es um eine sehr mechanistische Produktion von Gütern, die auf repetitiven Prozessen beruht hat. Die kreative Seite des Mitarbeiters war nicht gefragt, wichtig waren seine manuellen Fertigkeiten. In einem ungesättigtem, wettbewerbsarmen Markt konnte man auf diese Art und Weise sehr viel Geld machen. Jetzt haben wir genau das Gegenteil: Extrem gesättigte Märkte, die sich noch dazu in rasend schnellem Tempo verändern.

Es liegt also an den Umständen. Wie kann man als Unternehmen denn den neuen Gegebenheiten sinnvoll begegnen?

Sie könnten zum Beispiel formale Hierarchien reduzieren. Damit werden Teams gezwungen, selber Entscheidungen zu treffen, die näher am Problem sind. Man könnte auch starre Abteilungsstrukturen hinterfragen. Diese wurden seinerzeit geschaffen, um ähnliche Tätigkeiten zusammenzufassen und sehr effizient zu erledigen. Das Primat der Effizienz entscheidet aber heute nicht mehr über Leistung oder Nichtleistung.

Woher sollen die Leute ohne formale Strukturen wissen, was sie tun sollen?

Regeln sind nichts anders als gespeichertes Wissen. Sie existieren, um ein Problem zu lösen, dass es schon einmal gab. Heute gibt es aber ständig eine Vielzahl von Problemen, die noch nie da waren. Denen kommt man mit althergebrachten Regelwerken nicht bei. Wenn sie heute Probleme lösen wollen, brauchen sie die Individualität der Mitarbeiter. Das ist kein Gnadenakt der Führungsetage, dass man sagt, wir laden alle Mitarbeiter ein, möglichst viele Ideen zu haben. Da geht es um eine reine wirtschaftliche Notwendigkeit, dass Mitarbeiter wieder ihr Hirn einschalten, weil Sie Ideen brauchen, um Probleme in der Wertschöpfungskette zu lösen.

Wie könnte ich diese neue Art, an Probleme heranzugehen, ganz konkret im Unternehmen umsetzen?

Starten Sie mit einem ganz konkreten Problem und setzen Sie ein abteilungsübergreifendes Team mit vielen Freiheiten ein. Sorgen Sie dafür, dass dieses Experiment nicht sofort von althergebrachten Regelwerken abgewürgt wird, und schauen Sie, was rauskommt. Im besten Fall lösen Sie das Problem schneller, innovativer und einfacher als mit traditionellen Methoden. Und wenn das passiert, wird es im Unternehmen Nachahmer geben, die sagen: Hey, das funktioniert ja, und es macht sogar Spaß, so zu arbeiten! Das neue Arbeiten muss sich wie ein Virus im Unternehmen verbreiten. Das können Sie nicht von oben verordnen.

Eine Frage zum Schluss: Braucht es für diese neue Arbeitswelt auch eine neue Sorte Mitarbeiter?

Ich höre oft von unseren Kunden: „Das klingt alles super, was Sie sagen. Aber das kann ich mit meinen Leuten nicht umsetzen.“ Ich sage: Sie können das mit fast jedem Menschen umsetzen, weil wir alle mit dem Wunsch auf die Welt kommen, zu wirken und etwas Sinnvolles zu tun. Ich plädiere dafür, das Unternehmen um diese Überzeugung herum zu gestalten. Wenn man das tut, sind die Mitarbeiter, die man schon in der Organisation drinnen hat, genau die richtigen.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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