Mentoring
#Employer Branding & Personalmarketing | Barbara Oberrauter

Mentoring

Von Kollegen lernen will gelernt sein

Mündliche Wissensweitergabe durch ältere – oder erfahrene – Mitmenschen spielt seit Menschengedenken eine wichtige Rolle im Zusammenleben und -arbeiten von Menschen. Da ist es nur natürlich, dass diese Form des Wissensmanagements auch vor modernen Bürotüren nicht Halt macht. Richtig eingesetzt, kann Mentoring Unternehmen den entscheidenden Vorsprung verschaffen, wenn es um die Reaktion auf aktuelle Entwicklungen am Markt geht. Worauf Firmen achten sollten, wenn sie Mentoringprogramme einsetzen, erklären Arno Siegl und Birgit Puchinger, Geschäftsführer bei der Aus- & Weiterbildungseinrichtung Schmid&Diamant, exklusiv im Interview mit JOBnews.at.

JOBnews.at: Herr Siegl, Frau Puchinger: In welchen Bereichen setzen Unternehmen Mentoringprogramme ein?

Arno Siegl/ Birgit Puchinger: Auch wenn die meisten Mentoring vom Onboarding-Prozess her kennen, ist die Methode im gesamten Personalentwicklungsbereich wertvoll. Überall, wo praktische Erfahrungen, spezifisches Wissen, bewährte Strategien und Herangehensweisen weitergegeben werden sollen, kann Mentoring als Tool im Wissensmanagement eingesetzt werden. Beispiele dafür sind der Aufbau von Führungskräften, vor Pensionierungen oder auch bei Versetzungen und Altersteilzeit.

Für welche Unternehmen eignet sich Mentoring?

Besonders interessant sind Mentoringprogramme in Bereichen mit großer Vielfalt, wo es auf Details ankommt oder verschiedene Faktoren für eine Entscheidung mit einbezogen werden müssen. Auch hat es sich speziell für Unternehmen mit mehreren Filialen bewährt: Sie gewährleisten gleichbleibende Qualität und einheitliche Standards.

Gibt es unterschiedliche Formen des Mentoring?

Generell unterscheidet man zwischen informellem und formellem Mentoring. Bei ersterem sind Mentoren einfach Kollegen oder Mitarbeiter, von denen man lernen kann. Im Gegensatz dazu stellt formelles Mentoring die offizielle Form innerhalb einer Organisation dar. Mentoren können dabei sowohl von innerhalb der Firma kommen als auch extern rekrutiert werden. Eine Spezialform ist das Peer-Mentoring: Dabei beraten Mentoren Menschen in gleichartigen Situationen oder mit gleichartigen Herausforderungen.

Welche Kriterien muss ein gutes Mentoringprogramm erfüllen?

Drei Punkte sind dabei wesentlich: Organisatorisch werden vorab klare Ziele definiert und die inhaltliche und zeitliche Struktur festgelegt. Zum Zweiten müssen Rollen und Aufgaben innerhalb des Mentoren-Mentee-Gespanns klar verteilt werden. Und nicht zuletzt braucht man auch die Führungsetage mit an Bord: Sie muss die Methode gutheißen. Nicht zuletzt deshalb, weil für so ein Programm auch Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssen: Es braucht Zeit, Material und persönlichen Einsatz aller Beteiligten.

Wer eignet sich überhaupt als Mentor oder als Mentee?

Gute Mentoren haben ein ernsthaftes Interesse an der Weitergabe ihres Wissens und der Entwicklung anderer. Wichtig: Der offizielle Mentor sollte nach Möglichkeit nicht gleichzeitig der Linienvorgesetzte sein. Manche Dinge kann man ohne die direkte Verknüpfung offener besprechen – und bekommt so auch noch eine zusätzliche Sichtweise. Ideale Mentees zeigen großes Interesse an ihrer Weiterentwicklung und sind interessiert daran, im Unternehmen dazuzulernen.

Inwiefern profitieren Unternehmen und Mitarbeiter von Mentoringprogrammen?

Gerade wenn es um kontextspezifisches Wissen geht, ist Mentoring ein überaus wertvolles Instrument. Wissen, welches an Personen und deren persönliche Erfahrungen gebunden ist, geht nicht mehr mit diesen verloren. Mitarbeiter können so wesentlich effizienter, mit mehr Sicherheit und höherem Erfolg arbeiten. Zudem werden Ressourcen geschont und die Kontinuität gegenüber Partnern und Kunden gewährleistet. Auch bei Innovationen ist es von Vorteil, wenn die Leute schon eine Ahnung davon haben, was alles versucht wurde und welche Wege nicht funktioniert haben. Nicht zuletzt ist Mentoring auch bei der Personalentwicklung erfolgreich: Es zeigt Mitarbeitern die Wertschätzung seitens der Unternehmensführung und dient damit der Motivation und der internen Kommunikation.

Bei allen Vorteilen: Welche Schwierigkeiten und Hürden können beim Mentoring auftreten?

Persönliche Stimmung und Kommunikation sind essentiell. Wenn das Engagement von beiden Seiten nicht vorhanden ist, führt das zu Problemen. Zudem müssen zeitliche Ressourcen geschaffen werden, um das volle Potential von Mentoringprozessen auszuschöpfen. Bevor man in einen solchen Prozess startet, sollte man sich genau mit den Zielen, Inhalten und dem Ablauf des Programmes auseinandersetzen und Mentoren sorgfältig schulen. Ohne diese Basis macht man den Erfolg vom reinen Glück abhängig.

INFO: Schmid&Diamant

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.