Psychopathen im Job
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Mein Chef der Psychopath

Psychopathen im Job

„Du Psychopath“ – eine Beschimpfung, die uns im normalen Sprachgebrauch leicht über die Lippen kommt. Ganz ehrlich: Psychopathen haben keinen guten Ruf und das nicht ohne Grund. Das Persönlichkeitsprofil eines Psychopathen ist allerdings durchaus vielschichtig und komplex. Neueste Untersuchungen belegen sogar, dass eine psychopathische Persönlichkeitsstruktur im Arbeitskontext auch positive Auswirkungen haben kann, dazu später mehr. Doch was ist Psychopathie eigentlich?

Vereinfacht ausgedrückt könnte man den typischen Karriereweg eines Psychopathen wie folgt beschreiben: Entweder sie landen im Gefängnis oder im Chefsessel bzw. in der Vorstandsetage eines erfolgreichen Unternehmens. Untersuchungen bestätigen: In Gefängnissen sitzen rund 15% Personen mit psychopathischen Persönlichkeitszügen, so eine US Studie. Unter Geschäftsführern und Wirtschaftsbossen sind rund 3% Psychopathen aktiv. Gemessen an der Gesamtbevölkerung sind diese Werte überdurchschnittlich hoch. Denn Schätzungen zur Folge ist etwa nur 1% der Erdbevölkerung psychopathisch veranlagt.

Psychopathen erkennen

Psychopathie ist eine Form der dissozialen/antisozialen Persönlichkeitsstörung, jedoch kein festes Krankheitsbild. Je nach Ausprägung der Psychopathie sind Psychopathen gefühlskalt und manipulativ. Sie handeln ausschließlich im Eigeninteresse, genießen Macht und Dominanz, sind impulsiv und mit einem enormen Selbstbewusstsein ausgerüstet, oftmals äußerst charismatisch und vor allem frei von Angst. Sie suchen den Nervenkitzel und gehen gerne Risiken ein. Empathie ist für sie ein Fremdwort. Sie spielen Gefühle meist vor und haben beim Lügen kein schlechtes Gewissen. In der Tat: keine angenehmen Zeitgenossen.

Männer sind übrigens häufiger von Psychopathie betroffen, als Frauen. Einer Studie des englischen Psychologen Kevin Dutton zur Folge finden sich die meisten Psychopathen in folgenden 10 Arbeitsbereichen: Geschäftsführer, Anwälte, TV- und Radiojournalisten, Verkaufsprofis und Sales-Manager, Chirurgen, Journalisten, Polizisten, Priester und Pfarrer, Köche und Beamte. Nun ja, sie sind also überall.

Checkliste für Psychopathen

  • Psychopathen sind gefühlskalt und zeigen keine Reue
    Ein typisches Wesensmerkmal eines Psychopathens ist fehlendes Mitgefühl und Gefühlskälte. Psychopathen sind ihren Kollegen gegenüber meist völlig gleichgültig. Schuldgefühle oder Reue kennen Psychopathen nicht, eine Entschuldigung wird ihnen schwer über die Lippen kommen.
  • Psychopathen manipulieren
    Psychopathen sind oftmals sehr charismatisch und redegewandt. Sie können unterhaltsam sein und erzählen gerne Geschichten, bei denen sie selbst im besten Licht dastehen. Oberflächlich betrachtet wirken sie also durchaus sympathisch. Allerdings: Psychopathen sind hochmanipulativ, lügen und übernehmen keine Verantwortung.
  • Psychopathen lieben das Risiko
    Psychopathen gehen gerne Risiko ein. Sicherheitsdenken ist ihnen fremd. Das macht sie zu mutigen Unternehmern, jedoch auch zu unberechenbaren Spekulanten. Sie halten sich nicht an Regeln, Firmenleitlinien, Absprachen und Vorgaben. Diese Eigenschaft kann auch in krimineller Energie ausarten.

Der „erfolgreiche Psychopath“

Wie bereits erwähnt, ist jedoch auch die Ausprägung der Psychopathie entscheidend, erklärt die Psychologin Nora Schütte in Wirtschafspsychologie aktuell. So wird unterschieden zwischen primärer und sekundärer Psychopathie. Primäre Psychopathie zeichnet sich durch geringe Furchtlosigkeit aus, die sekundäre ist geprägt von Selbstkontrolldefiziten.

Der US-Psychologe David Lykken geht davon aus, dass Personen mit primärer Psychopathie erfolgreich sozialisierbar sind, nicht jedoch solche mit sekundärer Psychopathie. Eine erfolgreiche Sozialisation zeigt sich bei guten sozialen Fertigkeiten. Der so genannte erfolgreiche Psychopath fällt also nicht negativ durch antisoziales Verhalten auf. Studienergebnisse der Universität Bonn legen außerdem nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen psychopathischen Persönlichkeitsdispositionen und verschiedenen Aspekten des Arbeits- und Leistungsverhaltens gibt.

Wie hängen Psychopathie und Arbeitsleistung zusammen?

Die Studie ergibt: Sekundäre Psychopathie und antisoziales Verhalten hängen zusammen, dies wirkt sich negativ auf Umfeld und Arbeitsleistung aus. Gleichzeitig legen die Studienergebnisse nahe, dass Personen mit hohen Werten in primärer Psychopathie und guten sozialen Fähigkeiten sozial unauffällig und somit also tatsächlich „erfolgreiche Psychopathen“ sind.

Kann Psychopathie also auch nützlich sein? Die Studienautoren halten fest, dass Psychopathie keine wünschenswerte Eigenschaft von Mitarbeitern ist. In bestimmten Berufen und Positionen können manche Tendenzen, die mit primärer Psychopathie in Verbindung stehen jedoch von Vorteil sein: beispielsweise, wenn unter Druck agiert werden muss oder harte, schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen.



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.