Machtspiele
#Work & Life | Andrea Heider

Machtspiele im Büro

Wenn die Atmosphäre vergiftet wird

„When you play the game of thrones you win or you die. There is no middle ground,“ Cersei Lannister, Game of Thrones.

Machtspiele im Büro – Machtspiele und Intrigen sind so alt wie die Menschheit selbst – manch einer bedient sich ihrer, andere lassen die Finger davon und glauben an das Gute im Menschen. Auch in der Arbeitswelt begegnen wir immer wieder intrigierenden Kollegen. Das tückische an Machtspielen ist jedoch, dass die Initiatoren einer Intrige oftmals unerkannt bleiben. Die Statistik belegen allerdings: Männer intrigieren häufiger als Frauen. Warum das so ist? Weil Frauen, so wird angenommen, weniger strategisch denken bzw. spekulieren, als Männer.

Tatsächlich: Eine erfolgreiche Intrige benötigt zu aller erst eine gut überlegte Strategie. Intrigante Mitarbeiter verfügen außerdem meist über soziale Kompetenz und Empathie, da sie sehr genau wissen, was andere Kollegen gerade beschäftigt und wie sie diese für sich gewinnen können – um letzten Endes selbst davon zu profitieren, versteht sich. Sie können sich folglich sehr gut, in die Lage anderer Menschen hineinversetzen. Weniger anfällig für Intrigen sind im Übrigen Narzisten – diese interessieren sich schlichtweg nicht für die Probleme anderer. Dies ist zwar in erster Linie asozial, im Falle von Machtspielen bleiben narzistische Kollegen jedoch auf neutralem Boden.

3 Arten von Intrigen

Das Furchtbare an Intrigen: sie zerstören die Atmosphäre und können mit unter den Ruf einer Person oder auch eines gesamten Unternehmens ruinieren. Daher sollten Intrigen unbedingt unterbunden werden. Doch was ist eigentlich eine Intrige? Dem Intrigenexperten und Soziologen Gustav Adolf Pourroy in seinem Werk „Das Prinzip Intrige. Über gesellschaftliche Funktion eines Übels“ zur Folge gibt es drei Arten von Intrigen in unterschiedlichen Ausformungen und Intensität: den „Billardstoß“, den „Achillesschuss“ und das „Komplott“.

Beim Billardstoß wird das Opfer direkt angegriffen, etwa durch Verleumdungen oder Demütigungen. Dies führe dem Autor zur Folge schließlich zu einer Kettenreaktion – ähnlich wie beim Billardspiel, wenn der gezielte Stoß einer Kugel dazu führt, dass gleich mehrere Kugeln versenkt werden. Bei der zweiten Form der Intrige, dem Achillesschuss zielt der Intrigant bewusst auf Schwachstellen seines Opfers, auf dessen Achillesferse eben. Dies können etwa Alkohol-, Drogen- oder Eheprobleme sein aber auch die fehlende Kompetenz in einem Arbeitsbereich. Das Komplott wiederum ist ein Bündnis aus mehreren Kollegen, etwa wenn sich Mitarbeiter bewusst zusammenschließen, um einen anderen Kollegen loszuwerden – im Arbeitskontext auch Mobbing genannt.

Mikropolitik

Strategisch-taktisches Handeln gehört zum Arbeitsleben dazu, wie die Butter aufs Brot. Manch einer ist sogar der Meinung, dass es ohne das Verfolgen von Eigeninteressen gar nicht möglich sei, Karriere zu machen. Persönliche Macht im Unternehmen aufbauen wird in der Organisationsforschung auch „Mikropolitik“ genannt. Lobbyismus, Netzwerken und Selbstdarstellung, Informationskontrolle, sich anbiedern und die sogenannte Freunderlwirtschaft, gehören zu alt bewährten Methoden des mikropolitischen Handelns. Gibt es ohne Machtspiele keine Karriere? Arbeitnehmer müssen oftmals bestimmte Strategien anwenden, um ihre Ziele im Job zu erreichen. Doch kann dies dem Unternehmen auch schaden?

Ja, das kann es. Für Unternehmen ist mikropolitisches Handeln einzelner Mitarbeiter dann schlecht, wenn persönliche Ziele vor Unternehmenszielen stehen. Dadurch kann sogar wirtschaftlicher Schaden entstehen. Für Personaler ist es oftmals schwierig mikropolitisches Verhalten zu erkennen, geschweige denn etwas dagegen zu unternehmen. Schiffinger/Steyrer von der Wirtschaftsuniversität Wien identifizierten drei mikropolitische Taktiken:

  •  Einflussaktivitäten: Aktivitäten, mit denen direkter Einfluss genommen wird, etwa in Form von Apellen, einseitigen Argumentationen, der Einbeziehung von Anderen, Tauschhandel, dem bewussten Zurückhalten von Informationen und durch Ausüben von hierarchischem Druck.
  •   Impression Management: Aktivitäten, mit denen ein bestimmter Eindruck von einem selbst inszeniert wird, etwa Einschmeicheln, Einschüchtern, Eigenwerbung, Erweisen von Gefälligkeiten oder auch vorbildliches Verhalten.
  •  Networking: Kontakte werden zu Vorgesetzten und wichtigen Mitarbeitern gepflegt, Koalitionen können dadurch geschmiedet werden. Auch Kontakte zu wichtigen Personen außerhalb des Unternehmens werden aufgebaut und im Falle des Falles für eigene Zwecke eingesetzt.
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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.