Lehrlingsrecruiting
#Recruiting | Daniela Schlick

Lehrlingsrecruiting

Lehrstelle oder Leerstelle?

Die Zahl der Lehrabbrüche ist in den letzten Jahren konstant gestiegen. Das ist im Hinblick auf das verlorene Investment in die Nachwuchskräfte sowie den zunehmenden Mangel an Facharbeitern für die betroffenen Betriebe doppelt bitter. Obendrein wird die Zahl der 15-Jährigen 2015 laut Prognosen um rund 15.000 Personen zurückgehen. Verantwortliche in den Lehrbetrieben für das Lehrlingsrecruiting müssen durch Kreativität bei der Ansprache von Jugendlichen und Treffsicherheit bei Personalauswahl punkten.

Wie sieht der Prozess des Lehrlingsrecruitings aus?

Auf die Frage nach dem Procedere und den Kriterien der Lehrlingsauswahl gibt es keine kurze Antwort. Die Selektionskriterien sind sehr uneinheitlich. Gemeinsam haben die meisten Selektionsverfahren jedoch, dass sie die Lehrstellensuchenden auf die Probe stellen, um geeignete Kandidaten für ihren Betrieb herauszufiltern. Das passiert einerseits mittels einer Schnupperlehre, andererseits mittels schulischer und beruflicher Eignungstests. Einer der Gründe warum berufspraktische Tage und Proben eine so breite Zustimmung in den Unternehmen finden ist, dass das klassische Einstellungsinterview bei Schülern wenig Entscheidungsbasis bietet. Biografische Daten sind bei so jungen Menschen schnell abgefragt und im Betrieb zählen auch andere Leistungen als in der Schule.

An den  berufspraktischen Tagen lernen Schüler Berufe kennen. Personaler schauen bei dieser Gelegenheit darauf, wie sich Lehrstelleninteressierte über die Aufgaben erkundigen und wie es um die Beherrschung der Höflichkeitsformen geht. Wer bei diesem Praxistest einen guten Eindruck hinterlassen kann, kommt im Auswahlverfahren eine Stufe weiter.

Lehrlingscastings

Zahlreiche Betriebe, die Ausbildungsplätze anbieten, laden die Kandidaten zu einem Casting ein. In Gruppen bis zu 25 Interessierten werden die Bewerber bei diversen Übungen von einer Jury  einen ganzen Tag lang beobachtet. Dabei wird auf persönliches Auftreten, Motivation, wirtschaftliches und unternehmerisches Denken, Teamfähigkeit oder auch Durchsetzungsvermögen geachtet. Doch beobachtbares Verhalten, lässt sich nur mit großen Unsicherheiten interpretieren, da nicht daraus hervorgeht, ob die Resultate bleibendes, grundsätzliches Verhalten widerspiegeln oder kurzfristige, flüchtige Handlungen und Reaktionen zeigen.

Situative Interviewfragen

Eine intensivere und aufwendige Auseinandersetzung mit dem Jugendlichen sind situative Fragestellungen,  die gute Ergebnisse zu Motiven, Einstellungen und Werten liefern.  Will man die Auswahl auf eine noch sichere Basis stellen,  kann die Einstellung und das persönliche Wertesystem des Jugendlichen mit einem speziellen Testsystem analysieren.Die Ergebnisse ermöglichen eine genaue Standortanalyse und damit Entwicklungsplanung des Lehrlings. So können Lehrlinge mit einem guten Gefühl eingestellt und nachhaltig als Fachkraft ausgebildet werden.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Daniela Schlick

Daniela Schlick ist seit zwanzig Jahren mit Begeisterung in beratender Funktion tätig. Sie arbeitete als Personalberaterin in renommierten Personalberatungsunternehmen und als Recruiterin & Karriereredakteurin ehe sie 2008 ihr eigenes Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt werteorientierter Personaldiagnostik gründete. Seit 2011 ist sie zudem Vortragende zu verschiedenen HR-Themen: www.danielaschlick.at