Leadership Report
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Leadership Report

So sieht die Führung der Zukunft aus

Vertrauen als Treibstoff, Führungskräfte als Change Manager und das Ende des Manager des Jahres: Die Zukunft der Arbeit bringt auch für Führungskräfte enorme Herausforderungen. Was bedeutet Führung künftig im Unternehmen? Welche Schlüsselkompetenzen müssen Leader mitbringen? Welche Persönlichkeitsmerkmale weist die Führungskraft der Zukunft auf? Diese Fragen beantwortet Franz Kühmayer, Autor des „Leadership Report 2015“, exklusiv auf JOBnews.at.

JOBnews.at: Herr Kühmayer, wie sieht die Führungskraft der Zukunft aus?

Franz Kühmayer: In Zukunft wird es nicht mehr drum gehen, dass eine Person unfehlbar als Manager an der Spitze sieht, die heldenhaft voranschreitet. Vielmehr werden die Führungskräfte Gestalter und Veränderer aus der Mitte des Unternehmens heraus sein. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass Leadership als Haltungs- und Organisationsprinzip verstanden wird und Mitarbeiter auch auf unterschiedlichen Hierarchieebenen Leadership ausüben.

Das Ende vom „Manager des Jahres“?

Franz Kühmayer zum Leadership Report

Frank Kühmayer vom Zukunftsinsitut über die Führungskraft der Zukunft

Man kann ein Unternehmen nicht mehr auf einige wenige Steuermänner konzentrieren. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge sind mittlerweile so komplex, dass es vernetzte Strukturen braucht, um damit umgehen zu können. Man muss die Führungsintelligenz im gesamten Unternehmen ausbreiten. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich die Rollen von Menschen Unternehmen wandeln: In einem Projekt ist man vielleicht in einer Projektleitungsrolle mit Führungsfunktion, aber im nächsten Projekt „nur“ mehr Projektmitglied. Damit sind klassische lineare Karrieren nicht mehr kompatibel.

Werden Führungskräfte damit obsolet?

Es geht sehr stark um die Balance zwischen Vertrauen und Ergebnisorientierung, und dazu muss man auch ein Stück weit den Kontrollverlust akzeptieren. Die Dinge ändern sich so rasch, dass man mit klassischem Mikromanagement einfach nicht mehr weiterkommt. Man muss der Organisation Vertrauen entgegenbringen. Das heißt aber nicht, dass die Leute machen sollen, was sie wollen. Vielmehr geht es um  Leitplanken, mithilfe derer die gewonnen Freiheiten als Gestaltungsspielraum für Ergebnisorientierung sowie wertschätzendes, kritisches Feedback genutzt werden können.

Welche Gründe stecken hinter dieser Entwicklung?

Gerade nach den letzten Krisenjahren gibt es gewisses Maß an Mutlosigkeit, dass sich in dem Wunsch ausdrückt, möglichst keine Fehler zu machen. Das funktioniert auf Dauer aber nicht. Wenn wir Unternehmen weiterentwickeln wollen, müssen Führungskräfte auch aus den eingefahreren Pfaden ausbrechen. Leadership hat daher auch viel mit der Bereitschaft zu tun, die eigenen Meinungen, Strategien und Handlungen immer wieder aufs Neue zu hinterfragen. Führungskräfte müssen neugierig sein und Lust haben, wieder unternehmerisch tätig zu sein. Natürlich ist das risikobehaftet. Es verleiht aber gleichzeitig Menschen Kraft, wenn sie nicht nur das Bestehende verwalten und versuchen, sich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig gibt das auch der gesamten Organisation neuen Schwung, sich wieder nach vorne zu orientieren.

„Die Führungskraft der Zukunft ist nicht mehr der typischen Macher-Typ, sondern jemand, der Verantwortung dafür übernimmt, dass die Leute in seinem Team Macher werden. „

 

Wie gestalten Führungskräfte die Unternehmen der Zukunft?

Ich bin der Überzeugung, dass das Thema Unternehmenskultur wieder ganz bewusst und ernsthaft angegangen werden muss, jenseits von schönen Leitbildern und Floskeln. Man muss sich als Firma überlegen, was ist notwendig, dass Unternehmen so zu formen, dass die Leute bei uns Schlange stehen? Was muss ich tun, dass Menschen wirklich bei mir arbeiten wollen? Um diese Anziehungskraft zu erreichen, braucht es Innovation, gute Führung, man muss Sehnsucht wecken. Die Unternehmen müssen Magnetfelder für Talente sein, und das hat mit Unternehmenskultur zu tun.

Wie tragen Führungskräfte dazu bei?

Der Trend geht weg vom Verwalten und hin zum Inspirieren. Die Führungskraft der Zukunft ist nicht mehr der typischen Macher-Typ, sondern jemand, der Verantwortung dafür übernimmt, dass die Leute in seinem Team Macher werden. Man muss die Leute ermutigen, auch mal was auszuprobieren. Leader der Zukunft müssen sich fragen, wie baue ich eine Firma, in der die Menschen aus sich heraus was tun wollen und denen ich nicht vorschreiben muss, was sie tun und lassen sollen. Dieses alte Modell, wonach die Mitarbeiter tun, was ihnen gesagt wird, und die Führungskraft achtet darauf, dass alles ordnungsgemäß erledigt wird, stumpft eine Organisation ab. Vielmehr sollten sich Leader überlegen, wie sie engagierte Leute bestmöglich unterstützen und ihnen die Freiheiten gewähren können, die sie zum Arbeiten brauchen.

Welche Kompetenzen haben zukunftsorientierte Führungskräfte?

Das Leadership der Zukunft ist für mich an folgenden Punkten festmachbar: Zum einen braucht es eine empathische und reflektierte Persönlichkeit, die ein Gespür für die Befindlichkeit des Systems hat. Wie viel Veränderungskraft kann ich der Organisation zutrauen, wie viele Freiheitsgrade sind okay, welches Risiko können wir wagen? Zum zweiten muss eine Führungskraft neugierig und bereit sein, auch unternehmerisches Risiko einzugehen. Führungskräfte müssen bereit sein, sich neuen Abenteuern zu stellen.

Wie setzt man diese Abenteuerlust im gesamtunternehmerischen Kontext um?

Es wird Zeit, dass Führungskräfte sich als professioneller Change Manager verstehen, der die Widerstandsfähigkeit der Organisation stärkt und ihr Wandlungsfähigkeit mitgibt. Das sollte man nicht nur dem Change Manager überlassen, sondern auch in die Führungsarbeit einbauen. Gleichzeitig geht es um den schon besprochenen Kontrollverlust, den man akzeptieren muss – Vertrauen dient in diesem Fall als Treibstoff für neue Entwicklungen. Und schließlich geht es auch um ein kulturelles Leadership, also die Unternehmenskultur mitzuformen und zu prägen. Führungskräfte der Zukunft haben identitätsstiftende Wirkung, nach innen und nach außen.

Mehr zum Leadership Report finden Sie hier.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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