Leadership by Benedikt von Nursia
#Leadership | Daniela Schlick

Leadership by Benedikt von Nursia

Leadership nach 1500 Jahre alten Regeln?

Im Jahr 529 gründete Benedikt von Nursia das Kloster Montecassino und verfasste seine berühmte Ordensregel, die zur Grundlage aller Benediktinerklöster und darüber hinaus für das ganze abendländische Mönchstum wurden. In den 73 Kapiteln des Schriftstücks stehen das Beten und das Arbeiten sowie das menschliche Miteinander im Vordergrund. Mönche waren seit jeher wirtschaftliche und politische Berater ihrer Zeit und das Werk hat dem europäisch-abendländischen Kulturbereich wesentliche Impulse vermittelt. Heute ziehen sich immer mehr Manager ins Kloster zur Besinnung auf ihre eigentlichen Führungsaufgaben zurück. Aber sind 1500 Jahre alte Ordensregeln eine lohnende Lektüre für modernes Leadership?

Leadership by Benedikt von Nursia – auch heute noch passend?

In den vielen Kapiteln finden sich tatsächlich Parallelen zwischen dem alten Regelwerk und aktuellen Führungstheorien. Wenn auch einige Anweisungen eher zeitgebunden sind, so gelten sie in der Essenz auch noch für die heutige Zeit. Ein paar Regeln – hier in interpretierter Form – liefern durchaus Ideen. Auf jeden Fall dienen sie zur Anregung das eigene Führungsverhalten zu reflektieren.

Klarheit und Transparenz

Ob Führungskraft oder Mitarbeiter, die Menschen arbeiten aus eigenem Antrieb für Betriebe und unterwerfen sich aus freien Stücken dem jeweiligen Reglement. Kennt die Belegschaft das gemeinsame Ziel und haben alle klare Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen, so leisten sie mit vollem Einsatz ihren Beitrag zur Zielerreichung.

Reflexion und Vorbildwirkung

Das Miteinander funktioniert gut, wenn jeder im Unternehmen sein Verhalten reflektiert und jeder so handelt, wie er es von anderen erwartet. Unabhängig von der hierarchischen Ebene kann sich jeder im Betrieb fragen, ob sein Verhalten gegenüber den Anderen wirklich in Ordnung ist.

Rituale geben Sinn und Halt

Ebenso wichtig wie die Tatsache, dass es eine Vision, eine Richtung und ein Ziel braucht nach denen das Business erfolgen soll, braucht es im Unternehmen Rituale. Diese fördern die Zusammengehörigkeit und offenbaren die gemeinsame Vision. Sinnstiftende Rituale sind immer auch soziale Akte.

Struktur statt Chaos

Die Organisation ist der Grundstein für effizientes Arbeiten und einen glatten Ablauf der Geschäftsprozesse. Dazu gehört, dass die notwendigen Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt werden und für die Erledigung der Aufgaben eine klare Zuteilung von Ressourcen erfolgt.

Lebenszufriedenheit und Gesundheit

Mit dem bloßen zur Verfügung stellen von Arbeitsmitteln ist es jedoch nicht getan. Klug ist es, zusätzlich für das Wohl der Mitarbeiter zu sorgen. Dazu gehört alles was die Grundbedürfnisse der Mitarbeiter deckt und weitere Motivatoren – wie z.B. Fitness- und Kulturangebote, Kinderbetreuung, Feiern oder ähnliches – einzusetzen. Diese Maßnahmen unterstützen das Wohlergehen, verbessern das Betriebsklima und leisten in der Folge ihren Beitrag zur Unternehmenskultur. Und selbstverständlich tragen die Belohnung der Basisarbeit und etwaige Prämien zur Lebenszufriedenheit der Mitarbeiter bei.

Passende Aufgaben, reibungslose Prozesse

Die Aufgaben innerhalb des Kerngeschäfts müssen sowohl an den Fähigkeiten des einzelnen Mitarbeiters als auch an der Vision und den Zielen des Unternehmens ausgerichtet sein. Jedem einzelnen Mitarbeiter sollte eine Überforderung aufgrund fehlender Kompetenz oder sonstiger Ursachen zugestanden werden. Zum einen damit kurzfristig Abhilfe geschaffen werden kann und zum anderen damit die Arbeitskraft qualifiziert werden kann. Konstruktive Verbesserungsvorschläge von Mitarbeitern sollten gefördert werden, damit das Unternehmen Innovation erfährt.

Beziehungen zu den Anspruchsgruppen

Einflüsse und Interaktionen von Kunden werden manchmal als störend empfunden, auch in dem Wissen, dass sie für das Überleben eines Unternehmens essenziell sind. Außerdem führt absolute Kundenorientierung und das Hintanstellen anderer Agenden auch nicht zum Erfolg. Viel mehr kommt es auf die Balance zwischen Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern und Investoren an. Weitblick und Offenheit sind gefragt, sowie eine Orientierung am Markt und an den Bedürfnissen aller Beteiligten.

Professionelle Personalauswahl

Personen zu selektieren, die Mönch werden wollen, ist eine wichtige Aufgabe zu Beginn der „lebenslänglichen Zusammenarbeit“ im Kloster. In den Betrieben werden zwar keine Jobs auf Lebenszeit vergeben, an der Wichtigkeit der Personalauswahl für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ändert das jedoch nichts. Die dafür zuständige Person im Unternehmen sollte Experte in diesem Bereich sein und Menschen gewinnen und betreuen können. Um die richtigen Mitarbeiter zu finden, braucht es Anforderungskriterien und Aufgaben für die zu besetzende Stelle. Die jeweiligen Rahmenbedingungen, Regeln und die Kultur müssen Berücksichtigung finden. Die Probezeit sollten neue Mitarbeiter und Unternehmensvertreter nutzen um zu sehen, ob die Entscheidung beiderseits die richtige war.

Mittelmaß für eine vernünftige Dienstordnung

Zu detaillierte Unternehmensspielregeln sorgen für einen engen Bewegungsrahmen. Eine sehr allgemein gehaltene Dienstordnung, die viel Spielraum zur Interpretation zulässt, wiederum bringt Unsicherheiten bei den Mitarbeitern hervor. Es ist also empfehlenswert, dass Unternehmen ein gesundes Mittelmaß für ihre Dienstordnung finden. Diese gibt allen im Unternehmen arbeitenden Personen einen Rahmen, in dem sie sich bewegen können. Vorschriften, Regeln und auch Konsequenzen für das Miteinander im Betrieb sollten enthalten sein.

Wertschätzung als Basis für ein gutes Klima

Die Arbeitsatmosphäre wird durch jeden einzelnen Mitarbeiter geprägt. Kollegen müssen sich nicht lieben, aber sie sollen einander Respekt zollen. Auch wird es nicht immer klappen, dass alle in Einklang zusammenzuarbeiten. Jedenfalls ist aber das gemeinsame und konstruktive anpacken von Konflikten der Nährboden für ein gutes Miteinander. Unbedingt zu vermeiden sind alle Formen der üblen Nachrede oder Mobbing, damit weder Energien noch Zeit vergeudet werden. Spürbar ist gegenseitige Achtung in Kleinigkeiten, in der Kommunikation, in Besprechungen, in der gegenseitigen Anerkennung, dem Zuhören und letztlich auch im Unternehmenserfolg.

Quelle des elektronischen Textes ist das Kloster Ettal. Hier finden Sie die komplette Benediktregel mit den 73 Kapiteln.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Daniela Schlick

Daniela Schlick ist seit zwanzig Jahren mit Begeisterung in beratender Funktion tätig. Sie arbeitete als Personalberaterin in renommierten Personalberatungsunternehmen und als Recruiterin & Karriereredakteurin ehe sie 2008 ihr eigenes Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt werteorientierter Personaldiagnostik gründete. Seit 2011 ist sie zudem Vortragende zu verschiedenen HR-Themen: www.danielaschlick.at