laut im office
#Work & Life | Andrea Heider

Laut im Großraumbüro?

Lärm macht krank

Zu laut im Großraumbüro? – Das Großraumbüro macht auf Dauer krank. Was einst der coolste Trend aus dem englischsprachigen Raum war, ist heute unbeliebter, aber leider auch verbreiteter, denn je. Gut für den Arbeitgeber, weil kostengünstiger, schlecht für die Belegschaft weil erhöhte Stressfaktoren durch ständige Lärmbelästigung: Willkommen im Großraumbüro. Laute Telefonate, private Gespräche von Kollegen, das Klappern der Tastatur, Drucken auf Hochtouren – Lärm und Geräuschkulisse wirken sich nicht gut auf unsere Gesundheit aus. Arbeitsmediziner und Untersuchungen belegen dies. Denn Lärm kann aggressiv machen und somit zu einer Stressreaktion führen.

Was ist Lärm eigentlich? Lärm ist unerwünschter Schall, der langfristig Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und somit auch Gesundheit beeinträchtigt, erklärt der Psychologe und Lärmwirkungsforscher Jürgen Hellbrück in einem Interview. Es gibt jedoch eine große Variationsbreite davon, was wir als Lärm empfinden und somit deutliche Unterschiede in der Lärmempfindlichkeit. Soll heißen: Wir reagieren ganz unterschiedlich auf Lärm. Lärm ist jedoch nicht gleich Lärm – Bei der Verarbeitung von sprachlichen Informationen wird etwa unser Kurzzeitgedächtnis aktiv. Sprache und Gesang stören folglich das Kurzzeitgedächtnis und somit unsere Leistungsfähigkeit eher, als zum Beispiel Instrumentalmusik, so Hellbrück.

Verminderte Produktivität durch Lärm

Eine von Plantronics in Auftrag gegebene Studie, die in Deutschland, Frankreich und Großbritannien durchgeführt wurde, belegt, dass sich ein lärmintensives Arbeitsumfeld negativ auf Mitarbeiter und ihre Arbeitsleistung auswirkt. Die Büroangestellten geben in erster Linie Konzentrationsprobleme und verminderte Produktivität als Folge von Lärm am Arbeitsplatz an. In weiterer Folge können diese Belastungen auch zu körperlichen Beschwerden, wie etwa Migräne und Kopfscherzen führen. Auch Muskelverspannungen und Schlafstörungen können Konsequenzen von ständiger Lärmbelastung sein. Laute Kollegen, Telefongespräche und von der Bürotechnik ausgehende Geräusche wurden als die am meisten störenden Geräuschquellen angegeben. Schön und gut, aber wie lässt es sich nun feststellen, wie hoch der Lärmpegel im Büro wirklich ist? Dafür bedarf es einer repräsentativen Messung mit nachvollzieh- und dokumentierbaren Ergebnissen, diese darf in Österreich übrigens nur von fachkundigen Personen oder Diensten durchgeführt werden.

MusikMehr als drei Viertel der Befragten gab leider an, dass der Arbeitgeber keine Maßnahmen zur Lärmreduzierung ergreift. Doch was kann jeder Einzelne tun, um sich vor Lärm zu schützen? Mehr Abstand zwischen den Arbeitsplätzen verringert den Schall, Teppiche und Pflanzen wirken geräuschdämmend, auch Holz- und Kunststoffmöbeln absorbieren den Lärm, mobile Klappwände fangen ebenfalls ungewollte Geräusche auf. Bestimmt empfiehlt es sich auch, die Sitzordnung zu überdenken: Kollegen mit viel Telefonier- und Routinetätigkeiten oder solche, die gemeinsam an Projekten arbeiten und sich somit oft austauschen, sollten eher zusammensitzen, als jene die einer eher ruhigen Tätigkeit nachgehen, wie etwa Schreiben, Kalkulieren oder Forschen. Notlösung: Kopfhörer aufsetzen und Musik hören – diese blendet unliebsame Geräusche aus. Auch Ohropax können helfen.

Wann ist es am Arbeitsplatz zu laut?

Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass die Gesundheit der Arbeitnehmer nicht geschädigt wird. Die genaue gesetzliche Grundlage ist im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) sowie in der Verordnung über den Schutz der ArbeitnehmerInnen vor der Gefährdung durch Lärm und Vibration (VOLV) nachzulesen. Im Letzteren wird jeden Falles zwischen störendem und gehörgefährdendem Lärm unterschieden. Ab wann ist es am Arbeitsplatz eindeutig zu laut?

Störender Lärm:

  • 50 Dezibel bei geistiger Tätigkeit, sowie in Aufenthalts-, und Bereitschaftsräumen.
  • 60 Dezibel bei normaler Büroarbeit (Dieser Wert kann etwa bei Straßenverkehr schon überschritten werden).

Gehörgefährdender Lärm:

  •  80 Dezibel: hier muss vom Arbeitgeber ein Gehörschutz zur Verfügung gestellt werden.
  • 85 Dezibel: in gekennzeichneten Bereichen muss ein Gehörschutz getragen werden.


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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.