Kündigung per WhatsApp?
#HR & Recht | Franz Brandstetter

Kündigung per WhatsApp?

So bitte nicht

Kündigung per WhatsApp – Eine oberstgerichtliche Entscheidung über die Unzulässigkeit einer Kündigung per WhatsApp erregte Aufmerksamkeit.
Bevor es ans Rechtliche geht muss festgehalten werden, dass eine Kündigung ein gravierender Einschnitt in das Leben eines Mitarbeiters ist und schon deshalb ein Kündigungsgespräch sorgfältig vorbereitet und Ort und Zeitpunkt gut gewählt werden sollen. Die Kündigung soll sorgfältig dokumentiert werden, damit für beide Parteien eine klare und nachvollziehbare Dokumentation geschaffen wird. Schon aus diesen Gründen ist eine Kündigung per WhatsApp völlig indiskutabel.

Rechtlich betrachtet hat eine individuell vereinbarte oder im Kollektivvertrag vorgesehene Schriftform einer Kündigung eine wichtige Beweisfunktion. Der Empfänger, sei es nun der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer, soll durch die geforderte Schriftlichkeit ein Dokument über die Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch den anderen Vertragsteil zum weiteren Verbleib bei ihm erhalten, damit er es einer Überprüfung unterziehen kann.

Ein nun über „WhatsApp“ übermitteltes Foto der schriftlichen Kündigungserklärung erfüllt die vorstehenden Zwecke schon deshalb nicht, weil es für den Empfänger der Nachricht ohne weitere Ausstattungen und technisches Wissen nicht möglich ist, das auf dem Smartphone übermittelte Foto des Kündigungsschreibens auszudrucken. Erhält der Empfänger einer Kündigung aber keinen Ausdruck der Kündigung und kann er auch nicht leicht den Ausdruck vom Foto des Dokuments bewerkstelligen und sich damit ein physisches Schriftstück herstellen, ist auch nicht ausreichend gewährleistet, dass der Empfänger alleine aus dem auf dem Smartphone (je nach Qualität und Größe des Displays) ersichtlichen Foto des Schriftstücks den Inhalt der Erklärung, die abgegeben werden soll, und die Person, von der sie ausgeht, hinreichend zuverlässig entnehmen kann.

Zusammengefasst wird ein vom schriftlichen (unterfertigten) Kündigungsschreiben erstelltes und über „WhatsApp“ an den Arbeitsvertragspartner übermitteltes Foto desselben dem in § 15 Z 2 des Kollektivvertrags für die Zahnarztangestellten Österreichs normierten Schriftformgebot für Kündigungen nicht gerecht. Da sich der Empfänger der „WhatsApp“-Nachricht nicht ohne weiteres, also ohne zusätzliches einfaches technisches Vorgehen, einen Ausdruck in Form eines physischen Schriftstücks des ihm übermittelten Fotos des Kündigungsschreibens herstellen kann, entspricht ein über „WhatsApp“ übermitteltes Foto des Kündigungsschreibens den Formzwecken des Schriftformgebots des § 15 Z 2 KV, nämlich der ausreichenden Prüfungsmöglichkeit des Kündigungsschreibens und dem Beweiszweck, insbesondere auch für den Empfänger, nicht. (9ObA110/15i)

Und wie einleitend schon gesagt, völlig unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße ist eine Kündigung per WhatsApp absolut schlechter Stil!
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Franz Brandstetter

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