Outplacement
#Allgemein | Barbara Oberrauter

Kündigen, aber richtig

Mit Outplacement-Beratung ungeliebte Mitarbeiter loswerden

Es ist eine unangenehme Situation: Im Unternehmen gibt es einen Mitarbeiter, den man schon seit langem loswerden wollte – bloß wie, das weiß man nicht.Eine gezielte Outplacement-Beratung kann da helfen, weiß Berater Thomas Traxler: Sie zeigt gekündigten Mitarbeitern neue Perspektiven auf und hilft Unternehmen, sich als sozialer Arbeitgeber zu positionieren.

 

Herr Traxler, was versteht man eigentlich unter Outplacement?

Outplacement ist die individuelle und maßgeschneiderte Begleitung ausgewählter Mitarbeiter, von denen sich das Unternehmen trennen möchte. Im Rahmen individuell gestalteter Coachings werden gemeinsam mit dem Mitarbeiter neue Perspektiven aufgezeigt, die Trennung verarbeitet und der Weg zum neuen Job geebnet.

 

Wie kann Outplacement dabei helfen, Mitarbeiter loszuwerden?

Es gibt immer wieder Personen im Betrieb, wo man schon seit Jahren weiß, dass sie eigentlich nicht mehr zum Unternehmen passen. Oft möchte man sich schon länger trennen, aus unterschiedlichsten Gründen ist das aber noch nicht passiert. Daneben kann der Job aber auch aufgrund von Organisationsänderungen sich so verändern, dass er für den Mitarbeiter nicht mehr passt. Irgendwann ist die Trennung unausweichlich. Diesen Prozess zu begleiten und für beide Seiten verträglich zu gestalten, ist Kernaufgabe von Outplacement.

 

Wie kann man sich das genau vorstellen? Kommt der Outplacement-Berater ins Haus und feuert den ungeliebten Mitarbeiter?

Nein. Als Berater für Outplacement nehme ich nicht einmal am Trennungsgespräch teil. Das ist sehr wichtig, denn jedes Trennungsgespräch ist mit negativen Emotionen behaftet. Das ist ein denkbar schlechter Einstieg für einen Berater und würde den Outplacementprozess belasten.

 

Wann kommt der Outplacement-Berater dann ins Spiel?

Idealerweise möglichst rasch nach dem Trennungsgespräch. Man tritt in Kontakt mit dem Mitarbeiter, erklärt seine Rolle und legt fest, wie lange die Unterstützungsleistung dauern soll. Das kann von ein paar Monaten bis hin zu einem unbegrenzten Zeitraum dauern – je nachdem, wie lange der Arbeitgeber bereit ist, dafür zu zahlen.

 

Das heißt, die Kosten für die Outplacement-Beratung übernimmt das Unternehmen?

Ja, allerdings endet hier auch der inhaltliche Kontakt zwischen Berater und Arbeitgeber. Nach Beauftragung bin ich als Berater ausschließlich für den gekündigten Mitarbeiter da – was in diesen Gesprächen stattfindet, bleibt unter uns und ist keinesfalls für die Ohren des Arbeitgebers gedacht.

 

Für welche Mitarbeiter macht eine Outplacement-Beratung denn am meisten Sinn?

Meist geht es um Personen über 40, die schon lange im Unternehmen sind und wo der Arbeitgeber seine soziale Gestaltungspflicht bei der Auflösung des Dienstverhältnisses in besonderer Weise wahrnehmen möchte – auch, weil diese Menschen am Arbeitsmarkt vermutlich eher Probleme haben werden.

 

Wozu brauche ich als Arbeitgeber eigentlich eine Outplacement-Beratung?

Wenn Sie einen langjährigen Mitarbeiter kündigen, entziehen sie diesem damit auch die Wertschätzung. Das kann tiefe Wunden verursachen – und wirkt sich möglicherweise auch negativ auf Ihre Reputation als Arbeitgeber aus. Ein Outplacement-Berater glättet die Wogen: Oft kommt man im Laufe der Beratungsgespräche drauf, dass es eigentlich von beiden Seiten schon länger nicht mehr gepasst hat und die Trennung die bestmögliche Lösung war. Und wenn dann die Reise in einem neuen Job endet, wo der Mitarbeiter sich wieder sinnvoll einbringen kann, kann es sogar eine Win-Win-Lösung für alle Beteiligten werden.

 

Wie konkret profitieren Arbeitgeber von dieser Dienstleistung?

Zum einen gelangt man mit einer Outplacement-Beratung leichter zu einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses, weil man dem Mitarbeiter nicht nur Geld, sondern auch eine persönliche Begleitung anbietet und ihm damit signalisiert, dass es einem als Arbeitgeber nicht egal ist, was mit ihm passiert. Und den zweiten Nutzen spüren Sie bei der Belegschaft, die nicht betroffen ist: Wenn sie sehen, dass ihr Arbeitgeber seine soziale Gestaltungspflicht wahrnimmt und seine Leute auch persönlich unterstützt, wirkt sich das enorm positiv auf die Arbeitgebermarke aus.

 

Mit welchen Kosten für Outplacement muss ich als Unternehmen denn rechnen?

Das kommt auf die Dauer der Beratungsleistung an. Bei manchen Mitarbeitern geht es schneller, andere brauchen einige Zeit, bis sie wieder einen neuen Job finden. Und manche muss man auch nach dem Wiedereinstieg in die neue Stelle begleiten – etwa dann, wenn es Verhaltensweisen gibt, wegen denen sie aus dem alten Job gekündigt wurden und die den Einstieg in die neue Position ebenfalls erschweren könnten.

 

Klingt teuer. Warum kann ich meinem Mitarbeiter nicht einfach eine schöne Abfindung in die Hand drücken?

Weil Sie damit an der falschen Stelle sparen. Meiner Erfahrung nach profitieren gekündigte Mitarbeiter um ein Vielfaches mehr von gezieltem Outplacement-Coaching als von einer Abfindung in gleichem finanziellen Ausmaß. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter daher niemals zwischen Outplacement-Beratung und Abfindung entscheiden – denn vor die Wahl gestellt, entscheiden sich natürlich alle für die finanzielle Lösung, insbesondere deshalb, weil kaum jemand im Vorfeld weiß, wie er vom Outplacement profitieren wird.

 

Haben Sie für Arbeitgeber noch einen Tipp, wie man das Kündigungsgespräch möglichst sensibel, aber effektiv gestaltet?

Mein Tipp: Bleiben Sie ehrlich. Machen Sie dem Mitarbeiter die Situation sachlich klar, auch wenn es ihnen unangenehm ist. Meiner Erfahrung nach schätzen es die betroffenen Mitarbeiter nach dem ersten Schock sehr, wenn man ihnen reinen Wein einschenkt. Und wenn man als Arbeitgeber klarmacht, dass die Trennung zwar schmerzhaft ist, man sich aber ehrlich darum bemüht, die bestmögliche Variante zu finden, tut sich ein Mitarbeiter mit dem Verlust des Arbeitsplatzes leichter, vor allem, wenn er bei der darauf folgenden Jobsuche professionell unterstützt wird.

 

INFO: Thomas Traxler ist gelernter Jurist und war 17 Jahre in verschiedenen leitenden Positionen im HR-Bereich tätig. Seit elf Jahren ist er selbständiger Personalberater, Outplacement Experte und Gründer der Emolution KG.

 

 

 

 

Bildnachweis: www-istockphoto.com/PeopleImages



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.