#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Konflikte im Team

Was tun bei falscher Personalentscheidung?

Konflikte im Team sind keine Seltenheit. Die erste Empfehlung bei Teamkonflikten ist es, das offene Gespräch zu suchen. Mitarbeiter, die auf ihre Vorgesetzte mit einem derartigen Problem zukommen, sollten auf jeden Fall ernst genommen werden. Denn der Schritt zum Chef kann für viele Mitarbeiter eine große Hürde sein. Außerdem ist es empfehlenswert, Konflikte frühzeitig anzusprechen und zu lösen. Dabei gibt es allerdings leider keine Pauschallösung. Vieleher ist es wichtig in jeder Situation die ganz spezifischen Teamdynamiken, sowie die individuellen Erwartungshaltungen der einzelen Teammitglieder zu hinterfragen. Falls es nicht möglich ist, die Konflikte mit eigener Kraft zu lösen, dann kann es auch sehr hilfreich sein einen externen Coach oder Berater hinzuzufügen. Konflikte lösen sich im seltesten Falles von alleine, dies bestätigt auch Daniela Sattler, systemischer Coach von macosaconsulting, Systemisches Coaching im Gespräch mit JOBnews.

JOBnews: Frau Sattler, was kann ein Chef bzw. HR-Verantwortlicher tun, wenn er merkt, dass im Team die Dynamik nicht stimmt?

Daniela Sattler: Prinzipiell ist es immer gut, wenn Probleme frühzeitig angesprochen werden, um eine Konflikteskalation zu meiden. In den seltensten Fällen verschwinden Probleme von alleine, im Gegenteil die Gefahr der Steigerung ist sehr hoch. Der Frage was genau im Team nicht stimmt, sollte auf den Grund gegangen werden. Fehlende oder unklare Zieldefinitionen, Unklarheiten über die Rollen und Funktionen im Team (z.B: wer ist wofür verantwortlich), mangelnde Kommunikation oder fehlendes Wir-Gefühl sind nur einige Punkte, warum Teams nicht oder nicht mehr funktionieren können.

JOBnews: Macht es aus Mitarbeitersicht Sinn mit dem Vorgesetzten über ein derartiges Problem zu sprechen oder macht es die Sache vielleicht sogar noch schlimmer?

Bei einem Gespräch mit dem Vorgesetzten kommt es – wie bei vielen Gesprächssituationen – auf das „wie“ an. Erklärt ein Mitarbeiter seine Wahrnehmungen und mögliche Bedenken sachlich, ohne fremde Schuldzuweisungen und zeigt sich an einer konstruktiven Lösung interessiert, sollte jeder Vorgesetzte über die Offenheit des Mitarbeiters dankbar sein und die Chance erkennen, das Team wieder arbeits- und einsatzfähig zu machen. Wird der Mitarbeiter nicht ernst genommen oder ist die Hürde, sich überhaupt an einen Vorsetzten oder an HR zu wenden zu groß, besteht in weiterer Folge die Gefahr der inneren Kündigung, die dann auch zur tatsächlichen Kündigung führen kann.

Der Schritt zum Vorgesetzten kann natürlich eine große Hürde sein. In solch einem Fall kann man sich in größeren Organisationen an den Betriebsrat wenden oder sich externe Hilfe,

zum Beispiel in Form eines Coaches holen, um gut vorbereitet und überlegt in das Gespräch zu gehen. Oft merkt man auch nur, dass etwas nicht in Ordnung ist, kann es aber selbst nicht dingfest machen. Auch hier kann ein Coach helfen, eine klare Sicht auf die Situation zu bekommen. Vorgesetzte sollten in jedem Fall ein offenes Ohr für die Belangen ihrer MitarbeiterInnen haben.

JOBnews: Was gibt es für Empfehlungen, wenn man nicht ins Team passt?

Unter „nicht insTeam passen“ versteht jeder etwas anderes. Hier gilt im ersten Schritt heraus zu finden, was dazu geführt hat, dass der Mitarbeiter zu der Ansicht gekommen ist nicht ins Team zu passen. Kommt ein neuer Mitarbeiter in ein bestehendes Team gilt es einiges zu beachten, z.B.: hat das bestehende Team bereits eine Vorgeschichte, wissen alle warum das neue Teammitglied kommt und was seine Roll ist. Sollten Unklarheiten oder Än

gste – zum Beispiel in Bezug auf die eigene Funktion im Team von Beginn an bestehen, sind Konflikte meist vorprogrammiert, die unabhängig vom neuen Mitarbeiter sind.

Die erste Empfehlung ist immer das offene Gespräch zu suchen. In einem weiteren Schritt könnten Teamentwicklungsmaßnahmen hilfreich sein, um Unklarheiten, Funktionen und Ziele zu klären und Gemeinsamkeiten und Zusammenhalt heraus zu arbeiten.

JOBnews: Wie verhält sich HR in so einem Fall?

HR sollte die Angelegenheit in jedem Fall ernst nehmen und der Sache auf den Grund gehen. Hier empfiehlt sich ebenfalls die Zusammenarbeit mit einem externen Berater, z.B. einem Coach. Da dieser nicht aus dem Unternehmen kommt, fällt es MitarbeiterInnen oft leichter sich offen über Angelegenheiten auszutauschen, die sonst nicht angesprochen werden (können oder dürfen). Der Coach verhält sich neutral und objektiv und ist frei von Vorurteilen.

HR sollte im Zweifel immer auf einen externen Berater zurückgreifen, da Konflikte in Teams in letzter Konsequenz zu Mobbing führen können. Wenn dieser Verdacht besteht, sollte unbedingt ein Experte zum Thema Mobbing herbeigeholt werden. Bei Mobbing sind ArbeitgeberInnen rechtlich dazu verpflichtet, einzuschreiten und Betroffenen Hilfe zu leisten.

JOBnews: Was würden Sie als Coach empfehlen? Weiter machen, solange es geht? Etwas neues suchen? Den Chef der Teamleiterin kontaktieren? Mit den Kollegen reden?

Als Coach spreche ich keine allgemeinen Empfehlungen aus. Im Coaching erarbeitet der Kunde seine eigene Lösung, die genau auf die eigene Situation abgestimmt ist. Jeder Mensch hat eine andere Wahrnehmung und geht anders mit verschiedenen Situationen um. Genau diese Individualität macht Coaching so erfolgreich. Der Kunde arbeitet an seiner Lösung und erarbeitet im Coaching Maßnahmen, die er tatsächlich umsetzen kann.

JOBnews: Was soll ein HR-Verantwortlicher einem Mitarbeiter, der mit diesem Problem zu ihm kommt, raten?

Ernst nehmen und Unterstützung anbieten!

Herzlichen Danke für das Gespräch!

 

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.