#Buchtipp | Andrea Heider

Kollegiale Führung

Das kollegial geführte Unternehmen

„Kollegiale Führung ist die auf viele Kollegen und Kolleginnen dynamisch und dezentral verteilte Führungsarbeit an Stelle von zentralisierter Führung durch einige exklusive Führungskräfte.“ Bernd Oestereich, Claudia Schröder

„Führung ist zu wichtig, um sie nur Führungskräften zu überlassen“, der Meinung sind Bernd Oestereich Gründer von oose Innovative Informatik, Trainer und Coach für kollegial geführte Organisationen und Claudia Schröder Mitgründerin des kollegial organisierten Beraternetzwerkes next U, systemische Unternehmer- und Organisationsberaterin. Daher haben sie gemeinsam „Das kollegial geführte Unternehmen. Ideen und Praktiken für die agile Organisation von morgen“ verfasst. Die Autoren möchten darin anzuwendende Prinzipien und Werkzeuge vorstellen, aber auch fachliche Vertiefungsmöglichkeiten anbieten.

Viel gesprochen wird über die nachhaltigen Veränderungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung mit all ihren Vor- und Nachteilen. Neue Arbeitswelten entstehen und neue Generationen von Arbeitskräften mit komplett anderen Erwartungen und Wünschen an Arbeitsplatz und Vorgesetzten strömen in den Arbeitsmarkt. Für Unternehmen bedeutet dies: Sie müssen flexibel sein, sich neuen Umständen anpassen und den Mitarbeitern Möglichkeiten zur Entfaltung bieten. Zentralistische, autoritär geführte Unternehmen werden durch Dezentralität und kollegiale Führung ersetzt – zumindest in der Theorie. Der archaische Managertyp, der mit strengen Zügeln das Gelingen des Unternehmens in Händen hält, ist von Gestern.

Was ist systemische Führung

Chefs, die ihren Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnen, Fähigkeiten individuell fördern, das Beste aus jedem herausholen, dabei nicht auf die Work-Life-Balance vergessen und idealerweise Freude und Sinn bei der Arbeit verspüren sind gefragt. Unternehmen sollten es in diesem Zusammenhang schaffen, evolutionär zu wachsen, um gewinnfähig zu bleiben. Keine leichte Aufgabe.

Eine zentrale Annahme der systemischen Organisationstheorie ist, dass Menschen nicht wie Maschinen funktionieren, sondern komplexe Wesen mit nicht zuverlässig berechenbarem Verhalten sind. Darüber hinaus geht die systemische Organisationstheorie auch davon aus, dass Anweisungen und Appelle nicht geeignet sind, um das Verhalten von Menschen vorhersehbarer zu machen. Genauso werden allerdings auch Organisationen an sich als soziale Systeme verstanden, deren Verhalten ebenfalls nicht vorhersehbar ist.

Kollegiale Führung einführen

Kollegiale Führung basiert auf Wissen und Können. Unternehmen, die auf kollegiale Führung umsatteln möchten, sollten also gut vorbereitet sein. Grundsätzlich ist zu klären, wieviel Fremdbestimmung der Selbstorganisation beim Start hilft. Welche Entscheidungen werden auf operativer und organisationaler Ebene von einer klassischen Führungskraft getroffen? Welche kollegial gelöst? Nicht nur Chefs, sondern auch Teams müssen sich umstellen und vieles neu lernen. Es sollten Sicherheit und Klarheit über Aufgaben und Verantwortung vorhanden sein. Selbstorganisierte Teams müssen auch erst Erfahrung sammeln, eigene Ideen entwickeln und ausprobieren, was funktioniert und was nicht. Bevor mit der Selbstorganisation begonnen wird, sind die geltenden neuen Strukturen, Prozesse und Prinzipien festzulegen. Die Autoren empfehlen, die Umstellung in folgenden vier Phasen anzulegen.

  1. Vorbereitungsphase (vorgesetzt): Ein Rahmen muss abgesteckt werden, der von allen Kollegen akzeptiert wird.
  2. Konzeptionsphase (partizipativ): Wie soll die Führung organisiert werden? Ein Übergangsteam interessierter Kollegen konzipiert das Organisationsmodell.
  3. Operative Selbstorganisation: Das alte Organisationsmodell wird abgelöst, das neue gemeinsam erprobt. Änderungen können jeder Zeit vorgenommen werden.
  4. Organisationale Selbstorganisation: Nachdem genügend Erfahrungen als selbstorganisiertes Team gesammelt wurden, kann das die organisationale Selbstorganisation übernommen und etabliert werden.

Buch:
Das kollegial geführte Unternehmen. Ideen und Praktiken für die agile Organisation von morgen.
Bernd Oestereich, Claudia Schröder
Vahlen Verlag



Verwandte Artikel






Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.