Karriere mit Lehre
#Arbeitsmarkt & Studien | Barbara Oberrauter

Karriere mit Lehre

Weiterbildung ist das Um und Auf

Karriere mit Lehre: Wer mit einem Lehrabschluss eine Führungsposition anstrebt, tut gut daran, sich schon früh um entsprechende Weiterbildungen zu kümmern. Besonders in großen Unternehmen würden für Führungspositionen nach wie vor Akademiker bevorzugt, sagt Conrad Pramböck im Gespräch mit JOBnews.at. „Ein abgeschlossenes Studium ist in vielen Fällen die formale Grundvoraussetzung, um die Chance auf eine absolute Topposition zu haben. Nicht-Akademiker müssen meist ein Vielfaches der Leistung bringen, um die geringere Ausbildung durch praktische Erfahrung wettzumachen.“

Während die ersten Jahre im Vergleich noch gut abschneiden, haben Menschen mit Lehre spätestens beim beruflichen Aufstieg Probleme, warnt Pramböck. „Spätestens ab einer Altersgruppe Mitte bis Ende 20 ist die Matura für das berufliche Vorankommen extrem wichtig. Personen mit Lehrausbildung haben nach fünf bis zehn Berufsjahren deutlich weniger Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung, wenn sie nicht die Matura nachholen. Insofern ist wichtig, dass mit dem Abschluss der Lehre nicht das Lernen aufhört.“

Lebenslanges Lernen hilft beim beruflichen Aufstieg

Den Appell zum lebenslangen Lernen bestätigt auch  Jugendforscher Bernd Heinzelmaier. Er sieht in der zögerlichen Entscheidung, überhaupt mit einer Lehre zu beginnen, vor allem ein Statusproblem. „Jemand mit Lehre steht am unteren Ende der sozialen Hierarchie und genießt meist nur geringes Ansehen. Jeder Schuldirektor, Tierarzt, Arzt oder Sparkassendirektor hat einen höheren Status als der Handwerker“ – auch, wenn dieser mit einem eigenen Betrieb nicht schlecht verdient. Noch schlimmer sei die Lage in den Städten, so Heinzelmaier: „Im urbanen Raum ist das Image wirklich katastrophal. Da ist eine Lehre das Ende einer attraktiven Erwerbsbiografie.“

Dennoch: Wer sich heute für eine Lehre entscheidet, hat vor allem am Beginn seiner Karriere den anderen einiges voraus. „Ein Lehrabschluss bildet in vielen Fällen die Chance zu einem attraktiven Karrierestart“, sagt Pramböck.  „In den ersten Berufsjahren liegen die Gehälter mancher Lehrberufe sogar höher als die von einigen Akademikern in derselben Altersgruppe. Das gilt insbesondere dann, wenn man Mitarbeiter mit einem technischen Lehrabschluss und Absolventen sozialwissenschaftlicher Studien miteinander vergleicht.“

Der „war for talents“ beginnt beim Lehrling

Heinzelmaier empfiehlt Unternehmen daher, im „war for talents“ auf die besten Nachwuchsköpfe zu setzen – auch im Lehrbereich. Gerade in ländlichen Gebieten herrsche oft eine hohe Nachfrage nach qualifizierten und motivierten Lehrlingen. Um ein Abwandern zu verhindern und die besten Köpfe an sich zu binden, setzen Firmen oft auf Vergünstigungen und Geschenke, etwa ein neues iPhone oder eine Zuzahlung zum Führerschein. „Man muss denen, die man mobilisieren möchte, was bieten“, bestätigt Heinzelmaier. „Am Arbeitsmarkt herrschen dieselben Konkurrenzbedingungen wie am Konsumgütermarkt: Wenn das Gut knapper wird, ist es teurer. Da muss man sich als attraktiven Betrieb darstellen und schauen, dass man den großen Firmen die guten Lehrlinge vor der Nase wegschnappt.“



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.