Jobsuche
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

„Jobsuche ist ein Vollzeitjob“

Wiener Arbeitslose berichten

Jobsuche als Vollzeitjob – Arbeitslosigkeit nimmt Betroffene meist voll und ganz in Anspruch. Arbeitssuchende sind jeden Tag mehrere Stunden damit beschäftigt nach passenden Jobangeboten zu suchen, Bewerbungsunterlagen aktuell zu halten, Bewerbungen zu verschicken, an sich selbst zu arbeiten und im Idealfall zu Vorstellungsgesprächen zu gehen. Vor allem die Suche nach Jobausschreibungen im Internet, auf Online-Stellenbörsen oder auch in Zeitungen kann mehrere Stunden täglich in Anspruch nehmen. Arbeitslosigkeit ist kein Zuckerschlecken, ganz im Gegenteil es ist wie ein Vollzeitjob. Viele Jobsuchende werden außerdem von Existenzängsten und Selbstzweifel begleitet.

„Offen Gesagt“ ist ein Kooperationsprojekt von AK Wien, AMS Wien und waff, dessen Ziel die Erforschung von Lebenslagen und Unterstützungsbedarfen von Wiener Arbeitslosen ist, um deren Arbeitsmarktintegration zu vereinfachen. Bereits zum 3. Mal wurden Betroffene unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichem Bildungsniveau interviewt und zu ihrer Lage befragt. Die Interviewten sind der Meinung, dass bei der Jobsuche vor allem folgendes wichtig ist: „Die wichtigsten Voraussetzungen für die Jobsuche sind ein perfekter Lebenslauf, ein gepflegtes Auftreten, Selbstbewusstsein sowie Neugier und Spaß am Beruf„, wie ein Studienteilnehmer bestätigt.

„Zweite Chance“ ist wichtig

Bei manchen Arbeitslosen führt bereits die missglückte Wahl eines Lehrberufes als Jugendlicher zu einem Lehrabbruch, gefolgt von Jobhopping oder Branchenwechsel. Auch gesundheitliche Einschränkungen führten bei einigen Befragten dazu, dass sie die Lehrausbildung abbrechen mussten. Dies bestätigt ein Befragter folgendermaßen: „Als Jugendlicher weiß man nicht, wie wichtig die ersten Schritte in das Berufsleben sind. Das habe ich total verschlafen.“ Auch der Berufseinstieg wird von vielen Gesprächspartnern als schwierig beschrieben, verbunden mit häufigen Jobwechsel und Ausübung verschiedener Hilfstätigkeiten. Wer ohne Berufsausbildung dasteht hat es am Arbeitsmarkt selbstverständlich nicht leicht. Speziell für solche Härtefälle ist daher zusätzliche Unterstützung notwendig.

Eine „zweite Chance“ in Form der Möglichkeit einen geförderten Lehrabschluss oder eine andere Ausbildung zu machen, wird als durchaus positive Erfahrung wahrgenommen – unabhängig von Alter und Berufs. „Toll, dass man als erwachsene Frau mit zwei Kindern noch eine zweite Ausbildung machen kann“, meint dazu eine Interviewpartnerin. Bei MigrantInnen lässt sich häufig feststellen, dass sie die in ihrem Herkunftsland erworbenen formalen und informellen Kompetenzen in Österreich nicht nutzen können. Die Befragten haben häufig Jobverlust und Kündigung erlebt. Als Gründe für eine Kündigung wurde neben einem nicht angemessenem Gehalt auch unbezahlte Arbeitsstunden, zu viel Arbeit und zu wenig Freizeit, Unter- oder Überforderung, gesundheitliche Probleme, Schwangerschaft und Kinderbetreuung sowie vereinzelt sexuelle Belästigung oder Angst am Arbeitsplatz angegeben.

Wichtig bei Jobsuche: Private Netzwerke und Online-Stellenbörsen

Private Netzwerke, etwa Freunde, Familie und Bekannte, spielen bei der Arbeitssuche eine zentrale Rolle. Informationen über freie Stellen kursieren vor allem innerhalb von Branchengrenzen oder Communities/Netzwerken: „Mittlerweile mach ich das nur mehr über Freunde, durch Mundpropaganda, wenn irgendwer irgendetwas weiß.“ Grundsätzlich sind die Befragten allerdings der Meinung, dass die Jobsuche früher einfacher war als heutzutage: „Es ist stressiger geworden und es wird viel mehr verlangt für weniger Geld. Vor allem findet man Jobs viel schwieriger als in den 90er Jahren. In den 90er Jahren hat man viel leichter Jobs gefunden.“

Die klassische Arbeitssuche findet in erster Linie über das Internet also online, aber auch über Inserate in Zeitungen statt. Stellen, die nicht ausgeschrieben werden, außer auf der unternehmenseigenen Homepage werden von den Arbeitssuchenden oftmals gar nicht gefunden. Diese zu finden ist, den Arbeitssuchenden zur Folge mit einem hohen Rechercheaufwand verbunden. „Übers Internet ist das ja gar nicht so einfach. Weil ja auch nicht alle Firmen ihre Homepages so gepflegt haben, dass man alles sieht, was die so anbieten.“ Arbeitgeber sollten daher ihre Karriereseiten aktuell halten oder beim Schalten einer Jobausschreibung auf Online-Stellenbörsen, wie etwa StepStone zurückgreifen – dort werden Ausschreibungen leichter gefunden.

Quelle:
„Offen gesagt 2015/2016“
Qualitative Interviews zu förderlichen und hinderlichen Faktoren für die Arbeitsmarktintegration von Arbeitsuchenden in Wien.
Bildnachweis: www.istockphoto.com



Verwandte Artikel






Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.