Jobsharing
#Work & Life | Andrea Heider

Jobsharing

Führen in Teilzeit

Jobsharing und Führen in Teilzeit – Der Trend am Arbeitsmarkt geht Richtung Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Arbeitsrechtlich gesehen gibt es diesbezüglich noch einige Baustellen, der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeitmodellen ist jedoch vor allem bei Generation X & Y besonders stark ausgeprägt. Dieser HR-Trend geht auch mit dem Ende des Präsenzdenkens einher. Das bedeutet, dass Arbeiten virtuell wird und von überall aus erledigt werden kann. Wichtig dabei ist freilich der Output, also das Ergebnis.

Was vor einiger Zeit noch undenkbar war, wird immer häufiger praktiziert: Führen in Teilzeit. Stellen mit Führungsfunktion werden aufgeteilt und von zwei Personen gleichzeitig erledigt. Dieses Arbeitszeitmodell basiert auf den Prinzipien von Jobsharing. Um dieses Konzept umzusetzen brauchen Unternehmen jeden Falles ein modernes Führungsverständnis und Akzeptanz auf allen Ebenen. So wird zum Beispiel auch empfohlen das Team bei der Gestaltung dieses Arbeitszeitmodelles miteinzubeziehen.

Chancen und Risiken

Führen in Teilzeit hat einige positive Auswirkungen – nicht zu Letzt auf die Gesundheit: es gewährt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und einen höheren Frauenanteil in Führungspositionen. Pflegebedarf von Angehörigen oder der Wunsch nach Weiterbildung und Selbstverwirklichung sind ebenfalls oftmals Gründe für den Wunsch nach einer Führungsposition mit reduzierten Stunden – auch immer öfter für Männer.

Häufig befürchtete Risiken einer Teilzeitführung sind beispielsweise nicht klar abgesteckte Entscheidungs- und Verantwortungsaufgaben und letztlich erhöhte Arbeitsbelastung. So zeigen Studien, dass bei Jobsharing und Co-Leistungsmodellen die Arbeitszeit zwar theoretisch reduziert wird, faktisch jedoch länger gearbeitet wird. Die Führungsaufgaben müssen daher unbedingt proportional zur Arbeitszeit reduziert werden, wie in Wirtschaftspsychologie aktuell (1/2016, Führen in reduzierter Arbeitszeit) beschrieben wird.

Starke Arbeitgebermarke setzt auf Jobsharing

Die Nachfrage nach Führungspositionen in Teilzeit steigt. Jobsharing und Co-Leistungsmodelle bieten eine Möglichkeit, auf Wünsche der Mitarbeiter einzugehen. Darüber hinaus kann Lebensphasenorientiertes Personal-Management Führungskräfte langfristig an das Unternehmen binden, sowie deren Gesundheit fördern. Wichtig ist allerdings, dass im Unternehmen genügend Akzeptanz für Jobsharing und Führung in Teilzeit besteht.

Akzeptanz ist auch ein gesellschaftliches Thema. Denn oftmals herrscht die Meinung vor, dass Teilzeitpositionen nur Hilfstätigkeiten seien. Führen in Teilzeit wäre demnach ein absoluter Karrierekiller. Teamleiter befürchten die Kontrolle über Team und Aufgabenbereich zu verlieren, wenn sie Verantwortung abgeben und ihre Tätigkeit mit einem Kollegen teilen. Vor allem innovative und mitarbeiterfreundliche Unternehmen sind die Vorreiter hinsichtlich flexibler Arbeitszeitmodelle und Führen in Teilzeit. Sie zeigen, dass es möglich ist.
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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.