Job Sharing
#Recruiting | Barbara Oberrauter

Job Sharing

Zwei Personen, ein Chefsessel

Den eigenen Job teilen? Klingt für viele Menschen immer noch nach kompliziertem Konstrukt, das  den Erfolg eher behindert als garantiert. Und doch wächst die Menge derjenigen, die ihre Arbeitszeit gerne zugunsten ihres Privat- und Familienlebens reduzieren. Jene Mehrarbeit, die sie dann nicht mehr erledigen können, macht ein anderer: Das Modell des Job Sharing ist geboren.

Job Sharing mit Teilzeitarbeit

Grundsätzlich handelt es sich beim Job Sharing um ein Arbeitszeitmodell, das auf Teilzeitarbeit basiert und bei dem sich zwei oder mehrere Arbeitnehmer mindestens einen Arbeitsplatz teilen. Wie bei jedem Partnerschaftsmodell ist auch hier vieles individuell regelbar: Wer macht wann wie viele Stunden, wer erledigt welche Aufgaben, und wer steht welchen Stakeholdern als Ansprechpartner für was zur Verfügung.

Dass dieses Modell funktioniert, erkennen mittlerweile immer mehr Unternehmen: 22 Prozent aller österreichischen Arbeitgeber ermöglichen Job Sharing, zeigt eine Studie des Personaldienstleisters Robert Half, für die 1.200 HR-Manager in ganz Europa befragt wurden. „Unternehmen, die sich als moderne Arbeitgeber präsentieren möchten, sollten den Aufwand nicht scheuen und ihren Mitarbeitern auch für verantwortungsvolle Positionen das Arbeitsmodell Jobsharing anbieten“, kommentiert Sven Hennige, Senior Managing Director bei Robert Half, die Ergebnisse.

Er ist davon überzeugt, dass Job Sharing auch für Top Jobs eine ideale Möglichkeit darstellt, gute Leute in der Firma zu halten: „Mit dem Angebot, dass sich Mitarbeiter eine Stelle teilen, können Unternehmen qualifizierte Fachkräfte dauerhaft für sich gewinnen.“

Erfolgsfaktor: Passgenaue Schnittstellen und reibungslose Kommunikation

Das Aufteilen von Jobs in der Führungsebene erfordert vor allem minutiöse Abstimmung und passgenaue Schnittstellen. „Moderne Kommunikationsmittel und technische Möglichkeiten helfen, die Zusammenarbeit effektiv zu gestalten und Jobsharing für alle Seiten noch attraktiver zu machen, sagt Hennige“. Dabei ist jedoch der Faktor nicht zu vernachlässigen: „Grundvoraussetzung ist, dass sich die ‚Jobsharer‘ auch persönlich sehr gut verstehen und sie effizient zusammenarbeiten.“

Das bestätigen auch Tina Akbar und Anna Altintzoglou, die sich eine Führungsposition bei der Deutschen Telekom teilen. Im Interview mit der deutschen Plattform tandemploy erzählen sie, wie wichtig die tägliche Abstimmung ist: „Wir beginnen unsere gemeinsamen Arbeitstag mit einem Telefonat, in dem wir offene Punkte durchgehen und die wichtigsten Themen vom Vortag und des aktuellen Tags besprechen. Darüber hinaus achten darauf, dass wir bei wichtigen Themen beide adressiert werden. Außerdem haben wir beide Zugriff auf das jeweils andere Postfach. Das gibt mir ein gutes Gefühl, wenn ich mal wenig Gelegenheit habe, meine Mails zu checken – dann weiß ich, dass Tina da ist und einen Blick darauf hat.“

Mit Job Sharing zu nachhaltigen Entscheidungen

Auch österreichische Unternehmen erkennen immer öfter den Wert von zwei qualifizierten Fachkräfte auf einer gemeinsamen Arbeitsstelle. So teilt sich Manuela Vollmann vom ABZ Austria etwa die Geschäftsführung mit ihrer Kollegin Daniela Schallert: „In Bezug auf unsere Projekte müssen sehr komplexe Entscheidungen getroffen werden. Diese stehen auf vier Beinen besser als auf zwei. Die Nachhaltigkeit von Entscheidungen kann dadurch besser gewährleistet werden.“

Gerade im Bereich Wissens- und Nachfolgemanagement ermöglicht Top Job Sharing eine reibungslose Übergabe, sind auch die Experten von Robert Half überzeugt. Auch bei Urlaubs- und Krankenvertretungen profitieren Unternehmen von Jobsharern, schreiben die Studienautoren: „Die Aufgaben beider Mitarbeiter sind zwar klar voneinander getrennt, dennoch kennt jeder die Themen und Projekte des anderen und kann sie nahtlos bearbeiten.“ Das beugt auch einer Überarbeitung einzelner Personen vor, die als unersetzbar im Unternehmen gelten, sagt Vollmann: „Das Teilen von Verantwortung ermöglicht es älteren Führungskräften, Aufgaben zu delegieren und leistungsfähig zu bleiben.“

Wie schaut die rechtliche Lage zum Thema Job Sharing aus? Weiterlesen

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.