Mehr Motivation durch Job Crafting
#Trends im Recruiting | Team JOBnews

Job Crafting

Gestalten wir zukünftig selbst unsren Job?

Arbeitnehmer der Zukunft suchen nicht nach einem perfekt designten Job – sie möchten ihn anhand ihrer persönlichen Stärken und Interessen mitgestalten. Unternehmen, die die individuelle Anpassung von Aufgaben und Arbeitsbedingungen zulassen, steigern nicht nur die Motivation der Mitarbeiter, sondern holen sich auch Talente an Bord, die ihre Fähigkeiten genau dort einbringen, wo sie benötigt werden.

Job Crafting nennt sich das Phänomen, bei dem Mitarbeiter, aber auch Führungskräte, die eigene Position so umdesignen, dass sie stärker an ihre Interessen angepasst ist. „Wer die Spielräume innerhalb seiner Tätigkeit erkennt, bekommt ein stärkeres Gefühl der Selbstbestimmung“, sagt Psychologin und Sachbuchautorin Ilona Bürgel in einem Interview für den deutschen Spiegel. „Das kann Stress reduzieren und Burn-out vorbeugen.“ Dazu kommt: Wer mehr Spaß an der Arbeit hat, ist automatisch engagierter und oft erfolgreicher.

Während Firmen immer wieder Flexibilität des Einzelnen einfordern, um Unternehmensziele zu erreichen, ist die aktive Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes umgekehrt ein Weg, eine größere Passung zwischen dem Einzelnen, der Arbeit und der Organisation herzustellen – und findet in vielen Firmen auch bereits statt. Ob Unternehmen das wollen oder nicht.

Arbeit, die optimal zu den eigenen Motivationen und Stärken passt

Grund genug, einen genaueren Blick auf das Phänomen zu werfen. Job Crafting oder Job Shaping wurde im Rahmen der Positiven Organisationspsychologie entwickelt. Die Kernidee: Es ist immer möglich, kleine Anpassungen am eigenen Job vorzunehmen – sodass die Arbeit sich optimal an eigene Motivation und Stärken anschließt. Als Urheber dieses Konzeptes werden Amy Wrzesniewski und Jane E. Dutton angesehen. Die Wissenschafterinnen sagen: Es geht weniger darum, Menschen zur Arbeit zu motivieren, sondern darum, wie man Menschen unterstützen kann, aktiv zu werden und ihre eigene Arbeit motivierend zu gestalten.

Das ist vor allem dann wichtig, wenn es im Büro wieder mal zu Durchhängern bei den Mitarbeitern kommt oder neue Mitarbeiter beklagen, dass Jobausschreibung und Realität nicht zusammenpassen. „Den perfekten Job gibt es nicht. Vielmehr muss man sich seinen Traumjob selbst erschaffen“, sagt Verhaltensökonom Dan Ariely in einem Gespräch mit dem Business Insider. Eine perfekte Übereinstimmung zwischen Person und Stelle von Tag eins an gibt es nicht, ist der Psychologe überzeugt: „Die Leute glauben, dass sie ihren idealen Job schon ganz zu Beginn finden müssen. Dabei realisieren sie nicht, dass sich unser Leben ständig ändert. Wir lernen neue Fähigkeiten, wir passen uns an und auch die Jobs passen sich an.“ Er ist überzeugt: „Menschen haben die Fähigkeit, einen Job nach ihren Vorstellungen zu formen.“

Vier Stellschrauben im Job Crafting

Vier Fragen sind es, mithilfe derer sich an den Stellschrauben der eigenen Arbeit drehen lässt:

1. Was arbeite ich? Manche Aufgaben machen mehr Spaß, machen weniger. Wer häufiger an Aufgaben arbeitet, die sich mit persönlichen Neigungen oder Leidenschaften in Verbindung bringen lassen, ist motivierter – und bringt damit bessere Leistung. Unliebsame Tätigkeiten wiederum können eventuell reduziert oder abgegeben werden – vielleicht gibt es ja sogar Kollegen, die diese gerne übernehmen.

2. Mit wem arbeite ich? Wer öfter mit Menschen zusammenarbeitet, die er mag, wird sich stärker engagieren als beim Umgang mit ungeliebten Kollegen, Mitarbeitern oder Kunden. Wer sich bewusst macht, mit welchen Kollegen er gerne zusammenarbeiten, kann in Zukunft vielleicht stärker gemeinsam an Projekten arbeiten – oder zumindest häufiger zusammen Mittag essen.

3. Wie arbeite ich? Die eigene Arbeitsumgebung zu verändern, setzt oft große Kräfte frei. Egal, ob es sich dabei um die Umgestaltung des eigenen Arbeitsplatzes handelt, ein paar Stunden im Home-Office oder Gleitzeit, weil man morgens lieber ausschläft, oft schaffen schon kleinste Umstellungen neue Spielräume.

4. Warum arbeite ich? Den Blick auf die eigene Arbeit zu ändern, setzt sich viel in Bewegung. Wer sich bewusst ist, inwiefern die eigene Arbeit einen Beitrag zu etwas Größerem leistet, hat automatisch eine erhöhte Motivation, sich in der Arbeit einzubringen.

Schon kleine Änderungen reichen aus

Die Veränderungen, die Arbeitnehmer an ihrer Tätigkeit vornehmen, müssen nicht groß sein. Vielmehr geht es um einen Prozess, im Laufe dessen einzelne Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz zu ihrem ganz persönlichen Wirkungsfeld umgestalten. Damit das auch im Einklang mit den Unternehmenszielen steht, sind Personalabteilung und Vorgesetzte gefragt: Hier liegt die Verantwortung bei den jeweiligen Führungskräften, einen Arbeitsplatzkontext bereit zu stellen, der zwar Job Crafting erlaubt und fördert, aber immer innerhalb der Grenzen, die das gesamte Unternehmen voran bringen.

Offene Kommunikation und Vertrauen

Eine Möglichkeit, dies verständlich zu machen, ist eine offene Kommunikation und ein gegenseitiges Verständnis der Möglichkeiten, die Job Crafting bietet. Eine wichtige Rolle spielt auch der Vertrauensfaktor. Hat der Mitarbeiter kein Vertrauen in die Führungskraft und umgekehrt, werden nur wenige weiter daran arbeiten, ihren Arbeitsplatz so umzugestalten, dass er den eigenen Stärken und Neigungen als auch den Unternehmenszielen näher kommt.

Bildquelle: www.istockphoto.com



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