IT-Fachkräfte
#Recruiting | Barbara Oberrauter

IT-Fachkräfte verzweifelt gesucht?

Holen Sie die Spezialisten an Bord!

In einer Welt, wo alle vernetzt und alles digitalisiert ist, Informationen frei fließen und Bits und Bytes im Überfluss vorhanden sind, ist eine Sache Mangelware: Die Rede ist von IT-Spezialisten, die wissen, wie man mit der aktuellen Datenflut umgeht. Jedes zweite größere österreichische Unternehmen hat bereits Probleme, geeignete Fachkräfte zu finden, stellt eine Untersuchung der Wirtschaftskammer fest. Besonders pikant: Bis 2020 gehen zahlreiche IT-Fachkräfte in Pension, der Fachkräftebedarf wird also noch weiter steigen.

IT-Fachkräfte sind wechselwillig

„Die G-20-Nationen erwirtschaften Billionen an Dollars durch das Internet und erbringen damit eine größere Wirtschaftsleistung als die Volkswirtschaften Brasilien oder Italien“, skizziert Alfred Harl, Obmann des WKÖ-Fachverbandes Unternehmensberatung und IT, die aktuelle Entwicklung. „Alle unsere Lebensbereiche werden digitalisiert, es entstehen kontinuierlich neue Jobprofile. Wir brauchen dringend qualifizierte Fachkräfte, die in Zukunft diese Aufgaben bewältigen können.“

Diese zu finden, gleicht jedoch zuweilen der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Zum einen, weil entsprechende Fachkräfte hoch bezahlt und rar gesät sind, zum anderen, weil Unternehmen nicht wissen, wie und wo genau sie ihre IT-Spezialisten finden können. Auch wenn laut einer aktuellen Studie der Entwickler-Plattform Stack Overflow nur sieben Prozent der IT-Experten aktiv nach einem Job suchen, sind mehr als 60 Prozent bereit, ihren Job zu wechseln – wenn sie entsprechend angesprochen werden.

Programmierer äußern spezifische Wünsche

26.086 Entwickler aus 157 Ländern wurden für die Studie befragt. Ihr zentraler Wunsch: Am liebsten möchten Programmierer und Entwickler per E-Mail kontaktiert werden. Explizit unerwünscht ist bei den meisten die Kontaktaufnahme per Telefon, Twitter oder Facebook. Die Entwickler gaben außerdem an, dass es für sie oft schwierig ist, die tatsächlichen Aufgabengebiete aus der Stellenausschreibung herauszulesen.

Arbeitgeber sollten daher auf allgemeine oder wenig aussagende Titel wie „Mobile Entwickler“ verzichten und stattdessen eine konkrete Bezeichnung wie „iOS-Entwickler“ wählen. 60 Prozent der IT-Experten halten Details zum Produkt, an dem sie arbeiten sollen, für die wichtigsten Aspekte einer Stellenausschreibung. Zudem ist für rund 39 Prozent eine passende und interessante Software-Technologie das wichtigste Kriterium. Das trifft bei Recruitern (noch) auf taube Ohren: Die befragten Entwickler geben an, dass solche elementaren Einzelheiten in Jobangeboten nicht genügend beschrieben werden.

IT-Fachkräfte mit unkonventionellen Ausbildungen

Dazu kommt: Wer passende IT-Fachkräfte an Bord holen will, sollte sich auch genauer mit der Generation Z auseinandersetzen. Die Studie zeigt, dass die Entwickler weltweit im Durchschnitt 28 Jahre alt sind. Damit kommen auf Arbeitgeber auch andere Anforderungen in Punkto Work-Life-Balance, Projektarbeit und flexible Officegestaltung zu. Ein weiteres Merkmal der aktuellen IT-Fachkräfte ist ihre „Hands-On“-Mentalität: Sie haben sich das Programmieren oft in Eigenregie beigebracht und verfügen oft nicht über „offizielle“ Ausbildungen mit entsprechenden Zertifikaten.

„Arbeitgeber, die bei ihren Kandidaten auf anspruchsvolle und umfangreiche akademische Qualifikationen bestehen, werden zunehmend das Nachsehen haben“, schlussfolgert die Stack Overflow-Studie. „Dieser starre Ansatz bei der Personalbeschaffung minimiert den Bewerber-Pool um fast die Hälfte. Frontend-Webentwickler sind am ehesten Autodidakten. Jüngere Entwickler nehmen Online-Kurse, während ältere Entwickler viel eher ein Code Boot Camp absolvieren oder eine professionelle Zertifizierung als Programmierer haben.“

Potentielle Kandidaten ermitteln im Praxistest

Zudem macht die Studie auch deutlich, dass die Arbeitgeber mögliche Kandidaten nicht nur aufgrund des Vorstellungsgesprächs einstellen sollten. „Vielmehr möchten sich die Kandidaten in der realen Arbeitsumgebung und mit dem Schreiben von Codes beweisen“, schreiben die Studienautoren. Sie raten, die hauseigenen Entwickler-Teams in den Bewerbungsprozess einzubauen, um die praktischen Fähigkeiten des Kandidaten testen. „Integrieren Sie in den Bewerbungsprozess möglichst einen typischen Tagesablauf mit allen relevanten Aufgaben. So wird dem Entwickler-Kandidaten und auch Ihnen schneller klar, ob er oder sie zu Ihrem Unternehmen passen würde und sich bei Ihnen wohlfühlt.“

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.