Intrapreneurship als gelebte Innovationskultur
#Work & Life | Andrea Heider

Intrapreneurship als gelebte Innovationskultur

Kreativität ist das Kapital des 21. Jahrhunderts

„Wer Honig will, muss Blumen pflanzen. Also achten Sie ein bisschen weniger auf die Bienen, als auf das Umfeld, wo sie fliegen“. Thomas Vajay, Gründer Vienna Intrapreneur Academy

Intrapreneurship als gelebte Innovationskultur – ist es möglich, dass wir aus unseren grauen Büros herauskommen, über den Tellerrand blicken und unserer Kreativität freien Lauf lassen? Ja, das ist es, der Meinung ist Thomas Vajay von der Vienna Intrapreneur Academy. Vajay leitete über mehrere Jahre lang das Innovations-Lab bei der BAWAG P.S.K. Er etablierte und entwickelte Innovation Hubs in Unternehmen verschiedener Branchen. JOBnews wollte wissen, wie HR-Verantwortliche und Recruiter mehr Innovation in ihr Unternehmen und ihre Mitarbeiterauswahl bringen können und bat den Innovationsexperten zum Interview.

JOBnews: Herr Vajay, was macht Intrapreneurship aus und inwiefern ist es für Unternehmen und deren Mitarbeiter von Bedeutung?

Thomas Vajay: Wir stehen der Herausforderung gegenüber, dass die Arbeitswelt im Wandel ist. Das gelernte und bestehende Gesamtsystem ändert sich grundlegend. Ein weiter wie bisher mit einem persönlich hierarchischen, planerisch effizienzoptimierenden und gewinnmaximierenden Denken weicht mehr und mehr der Erkenntnis, dass Innovation eines der zentralen Erfolgskriterien moderner Gesellschaften ist. Da sind wir uns alle einig. Wir sehen aber Innovation nicht technisch sondern menschlich. Etablierte Unternehmen neigen oft zu „Overengineering“. Intrapreneurship fokussiert sich auf innerbetriebliche Innovatoren, nicht auf Innovationen per se. Somit lagert es Innovation nicht an Start-Ups oder F&E aus, sondern beteiligt alle Menschen im Unternehmen. Jedes Unternehmen hat natürliche Innovatoren, Menschen mit Unternehmer-Gen innerhalb bestehender Organisationen. Ziel ist es diese kreative Energie zu nutzen. Schon Hundertwasser sagte: „Unser wahres Analphabetentum ist das Unvermögen schöpferisch tätig zu sein“ – zwar in einem anderen Zusammenhang, aber er hat recht damit.

JOBnews: Kann Intrapreneurship beim Recruiting helfen?

Menschen zieht es in jene Unternehmen, wo sie etwas bewegen bzw. beitragen können. Eine gelebte Innovationskultur wirkt wie ein Magnet. Doch darf es nicht aufgesetzt wirken und muss authentisch sein. Wer Honig will, muss Blumen pflanzen. Also achten Sie ein bisschen weniger auf die Bienen, als auf das Umfeld, wo sie fliegen.

JOBnews: Wie können HR-Verantwortliche Intrapreneurship im eigenen Unternehmen fördern bzw. evaluieren?

Hier bedarf es eines Umdenkprozesses, denn in den meisten Fällen weiß man über die MitarbeiterInnen nur das, was in den Lebensläufen steht und was in Top-Down Beurteilungen festgehalten wird. Wir sehen die Menschen nur in ihrem „9 to 5 Gesicht“. Ich kenne Mathematiker, die Sanitäter sind, CRM-Manager, die Bücher schreiben, stille Buchhalter, die ganze Gemeindeevents organisieren usw. HR-Verantwortliche sollten einen anderen Blick auf Ihre Mitarbeiter und deren Talente werfen – und diese auch nutzen. Fangen Sie innerhalb von HR an Veränderungen voranzutreiben. Stellen Sie Ihre Trainee- und Top-Talent-Programme zu ergebnisorientierten Intrapreneur-Lehrgängen um, denn in dieser Zeit haben die meisten HR-Abteilungen noch Zugriff auf die Zeitressourcen der Teilnehmer. Und stellen Sie Ihre Weiterbildungsmaßnahmen um. Disziplinen wie Design, Innovation, Entrepreneurship & Kreativität gehören in jeden Ausbildungsplan.

JOBnews: Was können HR-Verantwortliche zu Organisationsentwicklung und Innovationskultur beitragen?

Sehr viel, vorausgesetzt HR-Verantwortliche nehmen sich des Themas persönlich an. Der größte Fehler ist oft die Schaffung zusätzlicher Silos. Mit der Schaffung eines Digital Office oder einer Innovationsabteilung löse ich die digitale Transformation nicht auf, wenn alle anderen Silos mit unveränderten Rahmenbedingungen weiterarbeiten dürfen. Die Organisationsentwicklung muss bei der zentralen Bündelung der Maßnahmen zu einem ganzheitlichen System unterstützen bzw. sogar die Vorreiterrolle übernehmen. Lassen Sie keine Einzelschauplätze in Bereichen zu. Ein weiterer Punkt ist, Kreativität als das Kapital des 21 Jahrhundert zu verstehen. Daher ist es wichtig als Organisation Kreativräume zu schaffen & Kreativkompetenz zu erwerben. Treiben Sie SCRUM (Anm.) als Organisationsform voran und sehen es nicht nur als IT-Entwicklungsmethode. Ebenso wichtig ist schon frühzeitig das Thema interne Gründungen im Blickfeld zu haben. Nicht nur als Ziel oder Indikator, sondern letztendlich auch die rechtliche und organisatorische Abbildung einer funktionierenden Innovationskultur.

SCRUM: Der Ansatz von Scrum ist agil und iterativ. Er beruht auf der Erfahrung, dass viele Projekte zu komplex sind, um in einen vollumfänglichen Plan gefasst werden zu können.
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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.