Recruiting
#Buchtipp | Barbara Oberrauter

IT-Experte: „Digitale Talente machen schnellen Prozess“

Die neue StepStone-Studie „Digital Talent“ ist ein Warnschuss für hiesige Unternehmen: Nicht nur mangelt es im ganzen Land an IT-Experten, auch für digitale Talente international steht Österreich nicht unbedingt auf Platz eins der Wunschliste. Dabei wären IT-Fachkräfte durchaus dazu bereit, für das richtige Angebot ihr Land zu verlassen. Wie hiesige Unternehmen gut ausgebildete IT-Profis an Bord holen, weiß Frank Rechsteiner von der Hype Group.

 

JOBnews.at: Herr Rechsteiner, eine aktuelle StepStone-Studie zeigt, dass digitale Talente überaus mobil sind und sich ihre Arbeitgeber auf der ganzen Welt aussuchen können. Was raten Sie Unternehmen, um in der IT-Personalgewinnung nicht abgehängt zu werden?

Recruiting

Frank Rechsteiner: Arbeitgeber müssen sich endlich von ihren Standardprozessen im Recruiting verabschieden. Was die letzten 20 Jahre funktioniert hat, ist heute nur noch Schrott – und kommt vor allem bei der hoch mobilen und gut ausgebildeten Zielgruppe nicht an. Als Arbeitgeber muss man heute akzeptieren, dass die Entscheidungsmacht mittlerweile beim Kandidaten liegt: Er oder sie kann aus einer Vielzahl an Angeboten auswählen und ist längst nicht mehr auf das eine Joboffert einer Firma angewiesen.

 

Was bedeutet das für das IT-Recruiting konkret?

RecruitingEs geht darum, Kandidaten individuell attraktive Angebote zu machen, statt mit einer blass formulierten Stellenausschreibung die Masse anzusprechen. Dafür müssen sich Unternehmen genau überlegen, zu welchen Zugeständnissen sie bereit sind, etwa beim Thema Home Office oder auch den Sprachkenntnissen. Denn: Die besten Talente sind mittlerweile längst nicht mehr nur im Inland zu finden, sondern suchen international nach neuen Herausforderungen.

 

Einmal an Bord geholt: Wie hält man IT-Fachkräfte im Unternehmen, wenn andere Firmen um ihr Know-How buhlen?

Sie müssen den Leuten die aktuellsten technischen Standards bieten und in ihre Weiterentwicklung investieren. Gerade das Wissen in der IT ist schnell veraltet, man muss sich immer wieder Neues aneignen. Arbeitgeber, die ihre IT-Experten dabei unterstützen, haben beim Rennen um die besten Talente die Nase vorn.

 

IT-Experten wünschen sich eine Ansprache auf Augenhöhe. Wie gehen Mitarbeiter aus dem HR damit um, wenn ihnen dieses Fachwissen fehlt?

Personalgewinnung ist mittlerweile nicht mehr allein Aufgabe der HR, sondern des ganzen Unternehmens. Das müssen Sie auch der Führungsspitze klarmachen: Es reicht längst nicht mehr aus, mit einem langen Forderungskatalog an HR heranzutreten und nach dem Motto „post and pray“ eine Stellenanzeige zu beauftragen. Vielmehr müssen sich ganze Fachabteilungen darum kümmern, dass ihnen die guten Leute nicht ausgehen.

 

Was können Fachabteilungen zum IT-Recruiting beitragen?

Durch Content Recruiting, den Austausch von Wissen und Strategien zur Problemlösung. IT-Experten sind es gewohnt, sich laufend in Fachforen auszutauschen – hier können Fachabteilungen ansetzen. Indem sie ihr Know-How teilen und auch Außenstehende daran teilhaben lassen, machen sie auf sich aufmerksam ? und können in einem nächsten Schritt interessierte IT-Fachkräfte einladen, sich das Ganze mal vor Ort anzuschauen. Dann erst kommt HR ins Spiel: Als Moderator und Vermittler zwischen internen und externen Fachkräften, für das Follow Up nach dem Kennenlernen und als Ansprechpartner, wenn der IT-Experte dann tatsächlich mal eine neue berufliche Herausforderung sucht.

 

Das klingt relativ aufwändig. Warum sollten Unternehmen in einen solchen Prozess investieren, der zunächst mal keine fixen Ergebnisse verspricht?

Weil sich das Verhalten gesuchter Fachkräfte am Arbeitsmarkt massiv verändert hat. Die suchen nicht mehr aktiv nach einem neuen Job, sondern werden angesprochen ? und das täglich viele Male. Um aus der Masse an Headhuntern hervorzustechen, muss man in einen fachlichen Dialog auf Augenhöhe investieren ? klassische Recruiting-Gespräche empfinden diese gesuchten Talente als reine Zeitverschwendung und machen schnellen Prozess damit.

 

Bei der Suche nach IT-Fachkräften zählt vor allem eines: Die Zeit. Oft dauert es auch tage- oder wochenlang, bis Fachkräfte eine Rückmeldung auf ihre Bewerbung erhalten. Wie können Unternehmen diese internen Abstimmungsprozesse abkürzen?

Indem sie die Time to Hire reduzieren: Oft entscheidet sich schon in den ersten Minuten, ob ein Kandidat passt oder nicht. Das können sich Arbeitgeber zu Nutzen machen: Weg von standardisierten Prozessen, hin zu einem One Stop-Shop für Top-Kandidaten. Ich rate Unternehmen zum ?Big Date?: Der beste Kandidat wird nach seiner Bewerbung innerhalb weniger Tage eingeladen und trifft im Laufe von 2-3 Stunden auf alle Entscheider, die seine Bewerbung betreffen. Das geht vom Fachvorgesetzten über die Geschäftsführung hin zu den eigentlichen Kollegen und vielleicht der HR. Perfekt vorbereitet und abgestimmt, kann sofort eine Entscheidung getroffen werden ? und der Kandidat geht im besten Fall nach diesem Tag mit einem Arbeitsvertrag oder der Absage nach Hause.

INFO: https://frankrechsteiner.de/

 

Gewinnspiel

Buchtipp: „Recruiting Mindset – Personalgewinnung in Zeiten der Digitalisierung“

Wenn Sie ein Exemplar gewinnen wollen, dann schreiben Sie eine E-Mail an  gewinnspiele@stepstone.at

Teilnahmeschluss: 15.06.2019



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.