Diversität und Innovation
#Employer Branding & Personalmarketing | Andrea Heider

Innovationsfaktor Diversität

Diversität muss neu organisiert werden

Innovationsfaktor Diversität – „Kluge Köpfe braucht das Land und innovative Unternehmen, die Diversität als Chance für Innovation erkennen“, so lautet die Grußbotschaft von Jörg Leichtfried, Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie bei der diesjährigen fair.versity Austria 2016. Und tatsächlich: Diversität fördert Innovation – dies belegen zahlreiche Studien. Unternehmen, die sowohl die Vielfalt in der Belegschaft als auch die erworbene Diversität, wie etwa kulturelle Vielseitigkeit, internationale Erfahrung oder Sprachkenntnisse im Management fördern, arbeiten nachweislich innovativer, als Unternehmen mit relativ homogener Belegschaft. Doch wie können Unternehmen durch Vielfalt Innovationen schaffen? Diese Frage stellen sich die Organisatoren Manuel Bräuhofer, brainworker und Manfred Wondrak, factor-D u.a. bei der diesjährigen fair.versity unter dem Themenschwerpunkt „Innovationsfaktor Diversität“.

Bei der Karrieremesse bieten diversitätsoffene Unternehmen Arbeitnehmern, unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft, sexueller Orientierung, Religion, sozialem Status und/oder Behinderung eine Plattform zur Begegnung. Gängige Klischees und stereotype Vorstellungen werden dabei bewusst hinterfragt. Besucher können auf der Messe außerdem einen CV-Check und ein Business-Portrait machen, sowie ein Kurz-Coaching absolvieren oder an einem Business-Speed-Dating teilnehmen. Zahlreiche Workshops und eine Ausstellung der Universität für angewandte Kunst runden das Bild ab. Gute Sache: Auch für Kinderbetreuung ist gesorgt.

Neue Organisation von Diversität

Ironischer Weise findet die fair:vesity 2016 am 11. Oktober statt, dies ist gleichzeitig der sogenannte „Equal Pay Day„, also der Tag, ab dem Frauen bis zum Jahresende gratis arbeiten. Warum? Da sie weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Es gibt also immer noch viel zu tun, soviel steht fest. Davon sind auch die Organisatoren der Messe überzeugt. „In den Topetagen gibt es nur 6% Frauen, da gibt es noch hartnäckige Barrieren“, bestätigt Manfred Wondrak. Unternehmen widmen sich dem Thema Diversität nicht unbedingt, weil ihr Herzblut darin liegt, sondern weil es gesetzliche Vorgaben gibt. „Unternehmen stellen sich mit dem Thema Diversität neu auf. Sie machen das allerdings nicht gerne, sondern viel eher unter Zwang“, so Professor Ayad Al-Ani in seinem Vortrag zum Thema „die neue Organisation von Diversität“.

Was bedeutet das? Ayad Al-Ani ist überzeugt, dass traditionelle Organisationen versuchen das Thema Diversität zu vermeiden, weil diese Komplexität schaffe und die Führung vor zu große Herausforderungen stelle. Er ist jedoch auch überzeugt, dass Unternehmen und Verwaltungen im Zeitalter der Innovationsökonomien Wege finden müssen, um Diversität zu nutzen. Denn nur Diversität verspricht neue Ideen, zu denen die ausgelaugte Hierarchie längst nicht mehr fähig sei. Diese neuartige Organisation von Diversität könne etwa in Form von Open Manufacuring, Crowdstorms oder Plattformen passieren, erläutert der Professor.

Crowdworking, Open Talent Economy, Peer-to-Peer Produktion

„Unternehmen, Banken, Verlage, Zeitungen befinden sich in einer Krise“, meint Ayad Al-Ani. Diese habe bereits in den 90er Jahren ihren Ausgang genommen. Der Hyperwettbewerb und die damit verbunde Kostensenkung haben dazu geführt, dass Unternehmen immer weniger innovativ sein können. Unter dem Motto „exploid“ wird kostengünstig produziert unter dem Motto „explore“ wird trotzdem versucht innovativ zu sein. Für den Experten liegt jedoch auf der Hand: „Das widerspricht sich“. Daher lagern Unternehmen Innovation zunehmen aus, etwa in Form von Crowdworking: Jedes 5. Unternehmen arbeitet bereits mit der Crowd, etwa 90% der Unternehmen glauben daran, dass open talent economy in Zukunft immer mehr einbezogen wird.

Traditionelle Unternehmen sind daran gewöhnt in Hierarchien zu arbeiten. Neue Organisationsformen, wie etwa „peer-to-peer Produktion“ basieren auf einer gänzlich anderen Idee: Leute arbeiten und entwickeln in ihrer Freizeit ohne dafür etwas zu verlangen, stellen jedoch das Produkt zur Verfügung. Dazu Al-Ani: „Unternehmen öffnen sich sehr vorsichtig. Sie haben Angst Kontrolle zu verlieren, versuchen aber selektiv auf Startups und Plattformen zuzugreifen“. Er sieht die Fusion von traditionellen Organisationen und neuen Arbeitsformen jedoch eher kritisch: „Es entstehen hybride Strukturen. Sehr konservative Unternehmen versuchen neue Strukturen zu integrieren. Ich glauben jedoch, am Ende des Tages vertragen sich diese beiden Unternehmensformen nicht“. Der Professor ist überzeugt, dass Innovation derzeit ein absoluter Hype ist. Gleichzeitig ist es aber wichtig zu erkennen, dass Wandel immer Zeit benötigt und nichts von heute auf morgen geht.



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.