Inklusion
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Inklusion im Unternehmen

Mit Inklusion Kunden gewinnen und Gutes tun

15 Prozent der Österreicher weisen eine mehr oder weniger deutliche Behinderung auf. Jährlich kommen rund 8.000 Menschen dazu, die nach einem Arbeits- oder Freizeitunfall mit einer schweren Behinderung leben müssen. Dabei muss es sich nicht rein um körperliche Folgen handeln: Auch Sinnes- und psychische Behinderungen oder Lernschwierigkeiten können einen Menschen davon abhalten, ganz „normal“ am Arbeitsmarkt teilzunehmen. Dennoch tun Unternehmen gut daran, auch auf potentielle Mitarbeiter mit besonderen Bedürfnissen einzugehen.

Nicht zuletzt bedingt durch den demografischen Wandel wird es in Zukunft immer mehr Menschen mit Einschränkungen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen geben. Behinderte Mitarbeiter können mit ihren spezifischen Erfahrungen dabei helfen, entsprechende Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, ist Mario Batusic, Accessibility-Experte beim Linzer Softwarehersteller Fabasoft überzeugt: „In wenigen Jahren wird auch die Wirtschaft insgesamt schon aus Gründen einer verbesserten Marktchance barrierefreie Softwareangebote bieten müssen. Wir gestalten unsere Software bereits jetzt barrierefrei.“

Inklusion erschließt neue Märkte und verbessert Image

Die richtige Badezimmereinrichtung für Menschen, die im Rollstuhl sitzen, Gebärdensprache-DolmetscherInnen für Unternehmens-Events, Sprachausgabe-Apps für E-Mails am Smartphone, die richtige Kücheneinrichtung für Senioren und Seniorinnen – die Geschäftsfelder sind vielfältig. Doch nicht nur die Erschließung neuer Märkte spricht für die Inklusion von behinderten Mitarbeitern: Unternehmen, die soziale Verantwortung zeigen, verbessern automatisch ihr Image und ihre Attraktivität als Arbeitgeber. Auch die soziale Kompetenz der eigenen Mitarbeiter kann so gefördert werden.

Laut dem österreichischen Behinderteneinstellungsgesetz gilt eine Behinderung als „die Auswirkung einer nicht nur vorübergehenden körperlichen, geistigen oder psychischen Funktionsbeeinträchtigung oder Beeinträchtigung der Sinnesfunktionen, die geeignet ist, die Teilnahme am Arbeitsleben zu erschweren.“ Das Gesetz bezweckt die Eingliederung von begünstigten behinderten Personen in den Arbeitsprozess. Der berühmt-berüchtigte strenge Kündigungsschutz ist dabei kein Hindernis mehr: Mittlerweile können Arbeitsverhältnisse, die nach 2011 eingegangen werden, in den ersten vier Jahren wie jeder andere normale Arbeitsvertrag auch beendet werden.

Unternehmen zögern noch

Dennoch zögern noch viele Unternehmen, sich der Inklusion zu öffnen. Gründe sind oft Unsicherheit über die rechtliche Lage oder Angst, ganze Arbeitsplätze kostenintensiv ausbauen zu müssen. Diese Befürchtung ist jedoch meist unbegründet, zeigt eine US-Studie. Das US Department of Labour/Office of Disability Employment Policy’s Job Accomodation Network (JAN) hat die Kosten für die behindertengerechte Adaptierung von Arbeitsplätzen untersucht. Das Ergebnis: Rund 60 Prozent der Maßnahmen konnten kostenlos durchgeführt werden. Bei einem guten Drittel fielen einmalige Kosten an, und 26 Prozent der Arbeitgeber verzeichneten laufende Kosten.

Überzeugt zeigten sich die US-Arbeitgeber auch vom Erfolg der Maßnahmen: Mehr als zwei Drittel bezeichneten die Effektivität der Anpassungen als sehr effektiv. Nicht nur konnten so qualifizierte Mitarbeiter im Unternehmen gehalten werden, ihre Produktivität steigerte sich auch deutlich. Als indirekten Effekt gaben viele Unternehmen an, dass mit dem Umbau auch die Atmosphäre im Team und die Arbeitsmoral gestärkt wurde.

Mit Spiegel und Hund zur Inklusion

So wurde beispielsweise für eine Lehrerin mit Sehproblemen ein Spiegel im Klassenraum platziert, um ihre periphäre Sehfähigkeit zu unterstützen. Ein anderes Unternehmen erlaubte einer Mitarbeiterin mit stressbedingten Darmbeschwerden, ihren Hund mit in die Arbeit zu bringen. Und für einen Programmierer mit Karpaltunnelsyndrom wurde eine Sprachsteuerung angeschafft, um seine Leistungsfähigkeit beibehalten zu können.

Auch in Österreich setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass behinderte Mitarbeiter eine Bereicherung für den gesamten Betrieb sein können. Die Initiative Arbeit und Behinderung, ein Zusammenschluss von Gewerkschaft, Wirtschaftskammer und anderen, sammelt Best Practice Beispiele. In der Bank Austria etwa erfährt eine Mitarbeiterin mit beeinträchtigtem Sehvermögen und Kurzzeitgedächtnis die Unterstützung ihres Arbeitgebers und einer Arbeitsassistentin. Ihre Vorgesetzte ist überzeugt von ihrer Kollegin: „Sie versprüht gute Laune und kommt mit einer Begeisterung zur Arbeit, die einfach ansteckt“.

In der Bauholding STRABAG AG wurde ein Mitarbeiter nach einem Arbeitsunfall gemeinsam mit dem Betriebsrat wieder eingegliedert. Und die steirische Buchbinderei Gutmann beschäftigt einen gehörlosen Mitarbeiter: „Wir haben uns alle sehr gut aneinander gewöhnt, daher brauchen wir keine Dolmetscher“, sagt der Arbeitgeber. Die Inklusion war ein voller Erfolg: Mittlerweile wurde sogar eine zweite Mitarbeiterin mit Gehörbeeinträchtigung eingestellt.

INFO:
http://www.arbeitundbehinderung.at/

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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