Impatriate Management
#Internationales Recruiting | Team JOBnews

Impatriate Management

Ausländische Fachkräfte integrieren und binden

Die Zahlen sind eindeutig: 2008 gab es in Österreich noch knapp 100.000 15-Jährige in Österreich. Bis zum Jahr 2016 wird diese Zahl auf 85.000 schrumpfen. Schon jetzt klagen mehr als die Hälfte aller österreichischen Unternehmen über Fachkräftemangel, bedingt durch den Generationenwechsel wird sich die Situation in Zukunft noch verschärfen. Grund genug für Unternehmen, auf ausländischen Arbeitsmärkten nach zukunftsfähigen Talenten zu suchen: Laut Erhebungen der Wirtschaftskammer beschäftigen fast ein Drittel der Betriebe Migranten. Mehr als drei Viertel der Firmen sind der Auffassung, dass Personen mit Migrationshintergrund wichtig in ihrem Betrieb sind.

Werden die Fachkräfte mit Migrationshintergrund immer mehr, profitieren Unternehmen von einem professionellen Impatriate Management. „Darunter versteht man ganz generell eine systematische, firmeninterne Regelungsarchitektur, die alle möglichen Maßnahmen der Planung, Durchführung und Nachbearbeitung des Mitarbeitereinsatzes inklusive seiner Familie beinhaltet, quasi eine Impat Policy“, erklärt die Unternehmensberaterin und Impat-Expertin Sylvia Payer.

Impatriate Management

Silvia Payer zum Thema Impatriate Management

„Durch ein gut durchdachtes Impat-Management können Reibungsverluste vermieden werden, die beispielsweise durch behördliche oder Hürden, mangelnde oder verzögerte Integration in den Arbeitsbereich und fehlende oder verminderte Kooperation im Team vor Ort entstehen. Wenn die diesbezüglichen  Anforderungen erfüllt werden, wird Impat schneller produktiv, ist loyaler und fühlt sich auch auf der menschlichen Ebene beachtet und wertgeschätzt.“

Rechtliche Situation klären

Zunächst gilt es die rechtliche Situation zu klären: Stammt der neue Mitarbeiter aus der EU oder einem Drittstaat? In letzterem Fall kann unter speziellen Umständen die Rot-Weiß-Rot-Karte beantragt werden. Anhand eines Punktesystems, das Ausbildung, Berufserfahrung, Alter und Sprachkenntnisse quantifiziert, können so Aufenthaltserlaubnis und Arbeitsgenehmigung ausgestellt werden. Auch die von der EU eingeführte „Blue Card“ verleiht hochqualifizierten Arbeitskräften aus dem EU-Ausland maximal eine zweijährige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Voraussetzungen dafür ist die Ausbildung für den entsprechenden Arbeitsplatz sowie ein Bruttojahresgehalt, das dem Eineinhalbfachen des durchschnittlichen österreichischen Bruttojahresgehalt entspricht.

Sind die rechtlichen Voraussetzungen erst einmal geklärt, gilt es, sich mit dem individuellen neuen Mitarbeiter und seinen jeweiligen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. „Die Bedürfnisse von Impats beinhalten vor allem Sicherheit auf den Ebenen Aufenthaltsrecht, Arbeitsrecht und Sozialversicherung“, so Payer. „Aber auch das private Umfeld wie Wohnung, Familie, Schule etc. spielt eine wichtige Rolle, ebenso wie die Integration in Arbeitsteams, die richtige Positionierung im Unternehmen und das Backup durch Führungskräfte und Kollegen.“ Neben Unterkunft und etwaigen Betreuungsangeboten für Kinder sollte auch Unterstützung bei der Arbeitssuche des Partners, Mobilität und Einführung in die Gegebenheiten des neuen Wohnorts geboten werden.

Willkommens-Veranstaltungen und Patensystem

Nicht zuletzt muss der neue Mitarbeiter auch gut in die Firma integriert werden, um möglichst rasch seine volle Leistung bringen zu können. Neben kulturellen Unterschieden ist dabei vor allem die Sprachbarriere zu beachten. Gezielte Sprachkurse, ein Buddy-System oder Sprachtrainings in der Firma sind nur ein paar der Möglichkeiten, wie man den neuen Mitarbeiter auf die Kommunikation in der neuen Zielsprache vorbereiten kann. Um Missverständnissen generell vorzubeugen, empfiehlt es sich, den Impat so früh wie möglich einzuführen. Payer: „Im direkten Arbeitsumfeld sollte die Mitarbeit des Impat möglichst bald bekannt gemacht werden. Ideal ist es, ihn auch schon vor Antritt zumindest virtuell an Entscheidungen und Prozessen teilhaben zu lassen oder wenigstens darüber zu informieren. Klare Strukturen und Kommunikation helfen dem Impat, schon vor seiner Ankunft präsent zu sein und als Teil des Ganzen wahrgenommen werden zu können.“

So stellt die Infineon Technologies Austria AG in Kärnten bereits ab dem ersten Arbeitstag in speziellen Willkommens-Veranstaltungen Strategie, Werte und Serviceleistung des Unternehmens vor. Zusätzlich werden die erste zwölf Monate einer individuellen Einarbeitungsphase gewidmet, in der mit weiterführenden Informationsveranstaltungen und Feedbackgesprächen Ziele und Aktivitäten ausgearbeitet und umgesetzt werden sollen. Auf einen individuellen Ansatz vertraut hingegen die MEWA Textil-Service: Sie hat ein Patensystem entwickelt, um neue Mitarbeiter mithilfe eines Paten mit vergleichbaren Migrationshintergrund möglichst schnell und gut im Unternehmen zu integrieren.

Führungskräfte und HR gefragt

Doch auch die höheren Etagen sind gefragt: Unterstützt wird die interkulturelle Kompetenz im Unternehmen auch durch die bewusste Besetzung von Führungspositionen durch Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. „Führungskräfte sind sozial und inhaltlich gefragt“, erläutert Payer. „Sie sind für die Einführung ins Team zuständig, ebenso wie für eine klare Aufgabenzuteilung und die Grenzziehung zu den Bereichen anderer Mitarbeiter.“

Von Seiten der Personalabteilung werden sie dabei idealerweise durch eine klare Impat Policy unterstützt, die möglichst transparent klare Rahmenbedingungen für alle Mitarbeiter einsehbar entwirft und umsetzt, so Payer. Auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern wie Sprachinstituten, Behörden und Umzugsdiensten kann in der Impat Policy festgelegt werden, ebenso wie Rahmenverträge. Der Aufwand lohnt sich in  jedem Fall, sagt die Expertin: „Insgesamt kann mit der Erstellung sowie Befolgung einer durchdachten Policy das Hereinholen von ausländischen, hochqualifizierten Fach- und auch Führungskräften vielseitige positive Auswirkungen auf den Betrieb und das Umfeld haben.“

INFO:
Mehr zum Thema Impatriate Management finden Sie hier: http://www.expat-management.at/



Verwandte Artikel






Team JOBnews
Team JOBnews

Das StepStone Marketingteam schreibt über neue und wichtige Themen sowie Trends im Online-Recruiting. Mit den beiden Jobbörsen www.stepstone.at und www.unijobs.at gehört Stepstone Österreich zu den wichtigsten Jobbörsen in Österreich.