Ideenmanagement
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Ideenmanagement

Neue Ideen braucht das Land

Neue Ideen braucht das Land – und auch Unternehmen tun gut daran, kreative Einfälle nicht sofort in die Schubalde zu stecken. Ideenmanagement lautet das Stichwort, das aus guten Ideen produktive Umsatztreiber macht. In Deutschland hat sich bereits jeder dritte Arbeitnehmer damit beschäftigt, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft feststellt. Der Gewinn für die Wirtschaft: Rund 1,15 Milliarden Euro.

Um Vorschläge von Mitarbeitern gezielt zu verwerten, bedarf es jedoch einer systematischen Herangehensweise. Was betriebliches Ideenmanagement können muss und auf welche Punkte Unternehmen dabei achten sollten, erklärt die Unternehmensberaterin und Keynote-Speakerin Anne Schüller im Interview mit JOBnews.at.

JOBnews.at: Frau Schüller, wozu überhaupt Ideenmanagement im Unternehmen?

Anne Schüller zum Thema Ideenmanagement

Anne Schüller im Interview über Ideenmangement im Unternehmen

Anne Schüller: Die meisten Märkte sind mittlerweile gesättigt, die Konsumenten haben schon alles. Unternehmen können die Zukunft nur dann erreichen, wenn sie ihre Kunden immer wieder neu überraschen, verblüffen, begeistern. Das Übliche, und alles, was langweilig ist, gerät sofort in die Verramschungszone, Durchschnitt und Mittelmaß sind vom Aussterben bedroht. Zudem verändert sich die Businesswelt derzeit vor allem im digitalen Bereich rasend schnell. Produkt- und Serviceinnovationen – aber auch Innovationen im Bereich von Management und Unternehmensführung – sind also dringend vonnöten.

Viele Köche verderben den Brei: Sollen überhaupt alle Mitarbeiter im Unternehmen Ideen haben?

Nur, wer viel würfelt, der würfelt am Ende auch Sechser. Man braucht viele Basisideen, um am Ende die ganz großen Treffer zu landen. Bereits vor Jahren hat der Soziologe James Surowiecki in seinem Weltbestseller „The Wisdom of the Crowds“ anhand vieler Beispiele gezeigt, dass eine Gruppe in aller Regel klüger ist als ihr gescheitestes Mitglied. Das gilt allerdings nur dann, wenn die Zusammensetzung der Gruppe inhomogen ist. Dann steigt auch die Chance auf den so genannten Serendipity-Effekt: Das Stolpern über glückliche Zufälle, das durch eine Beteiligung Vieler begünstigt wird.

Was sind denn nun Kriterien für ein gelungenes Ideenmanagement?

Uii, da gibt es viele. Man kann Ideenmanagement ja im Großen und im Kleinen betreiben. Bleiben wir mal beim Kleinen: Da geht es vor allem um die sogenannten Quick-Wins. Das ist eine kontinuierliche Verbesserung der Prozesse und des Outputs bei der tagtäglichen Arbeit. Hier wüssten die Mitarbeiter längst, was alles zu tun wäre, wenn man sie nur öfter befragen und aktiv involvieren würde.

Die Ideen der Mitarbeiter liegen also praktisch auf der Straße?

Vorsicht: Ideenmanagement bedeutet nicht, dass die Mitarbeiter nur mal eben schnell ein paar rudimentäre Ideen in den Raum oder eine Box werfen sollen. Vielmehr geht es darum, dass sie lernen, kleine unternehmerische Konzepte zu erstellen. Dabei sollen sie Ziele, Zeitplan, Messinstrumente und anvisierte Ergebnisse gleich mitliefern. Durch die Übername der Verantwortung für das Ergebnis können sie die Früchte ihrer Arbeit auch selbst ernten. Erst damit wird ein Ideenmanagement wirklich fruchtbar.

Wo sehen Sie noch Nachholbedarf beim Thema Ideenmanagement in den Unternehmen?

Zunächst gilt es zu verstehen, dass Schwarmintelligenz und die „Weisheit der Vielen“ sich nur jenseits von Administration und Bürokratie und abseits starker Hierarchien entwickeln können. Hierarchie blockiert den Ideenfluss, anstatt ihn zu fördern. Und eine Anweisungskultur erzeugt Marionetten, die stumpf ihre Standards abarbeiten und im Modus des Machen-Müssens verbleiben. Standards allerdings erzeugen, wie der Name schon sagt, eben nur Standardleistungen – und langweiliges Mittelmaß. Um das Besondere zu erreichen, und um am Ende den „Mein-Baby-Effekt“ zu erzielen, müssen die Leute ins Machen-Wollen kommen, also aktiv und unternehmerisch beteiligt werden.

Welche Rolle spielen HR-Abteilungen und Führungskräfte beim Thema Ideenmanagement?

Ganz klar: Um Durchbruch-Innovationen zu erzielen, ist meist die Expertise von Spezialisten vonnöten. Und bisweilen braucht es die strategische Hand eines energischen Chefs. Leider gibt es aber immer noch sehr viele Manager, die meinen, an den Rändern ihrer Organisation gäbe es kein intelligentes Leben. Und oft wird geglaubt, dass kluge Ideen nur in den oberen Stockwerken entstehen können. Doch einsame Entscheidungen können auch leicht in den Abgrund führen.

Weg von der Obrigkeitshörigkeit, hin zur Selbstverantwortung?

Auf alle Fälle. Tödlich für die Innovationskraft einer Organisation ist es, wenn alles wie erstarrt auf das Brüllen des Silberrückens wartet. Den Wandel von der Pyramidenorganisation zum Netzwerkunternehmen, diesen großen Schritt haben die meisten Unternehmen noch vor sich. Hier gibt es für Management und HR im Moment wohl am meisten zu tun.

Was sollen Unternehmen tun, die Ideenmanagement implementieren möchten?

Mein Rat: Schaffen Sie sich als erstes ein Social-Software-Tool an, in das entstehende Ideen eingespeist werden kann. Das macht das Ideenmanagement öffentlich, transparent und kollaborativ. Ein solches Tool bietet ferner eine perfekte Basis, um funktionierende Ideen zu teilen, zu kommentieren und bewerten zu können. All das fördert schließlich einen kontinuierlichen Ideenfluss.

BUCHTIPP:
Anne M. Schüller: Das Touchpoint-Unternehmen. Mitarbeiterführung in unserer neuen Businesswelt
Gabal, März 2014, 368 S., 29,90 Euro
ISBN: 978-3-86936-550-3

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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