#Trends im Recruiting | Barbara Oberrauter

„HR muss raus aus der digitalen Sackgasse“

Wir schreiben das Jahr 2019, und die Digitalisierung ist endgültig angekommen – auch im HR-Bereich.

Robo-Recruiter, Chatbots und Liquid Design sind nur einige der Schlagworte, die mit der digitalen Revolution in der Personalarbeit verbunden werden. Doch blind einem Trend hinterherzulaufen, kann auch in die Hose gehen, warnt Franz Kühmayer vom Zukunftsinstitut. Im Gespräch mit JOBnews.at erzählt der Experte von Menschen als bessere Maschinen, dem digitalen Wettrüsten und warum sich HR aus der digitalen Sackgasse herausbegeben muss.

 

Digitale Prozesse und analoge Fehlschlüsse

„Die Digitalisierung befindet sich in vielen Unternehmen momentan noch auf einem eher niedrigen Niveau: Analoge Abläufe werden ins Digitale gehoben, die dahinter liegenden Prozesse bleiben aber unverändert. Damit hat man nicht viel gewonnen: Wenn der dahinter liegende Prozess vorher doof war, ist er danach auch doof – er geht nur schneller.“

 

Schluss mit dem digitalen Wettrüsten

„Aktuell erleben wir sowohl auf Bewerber- als auch auf Recruitingseite ein Wettrüsten: Die einen setzen Algorithmen ein, um besser an Talente zu kommen, die anderen rüsten mit digitalen Tools ihren Lebenslauf auf. Man muss aufpassen, dass man im Wettkampf der digitalen Möglichkeiten nicht auf die Beziehung zwischen Menschen vergisst ? und in Zukunft Maschinen über maschinell gefertigte Lebensläufe entscheiden.“

 

Der Menschen als bessere Maschine?

„Wir dürfen uns nicht auf den Wettlauf zwischen Mensch und Maschine einlassen: Wer versucht, besser zu analysieren, schneller zu rechnen und effizienter zu denken als Maschinen, hat von vornherein verloren und wird früher oder später selbst durch eine Maschine ersetzt.“

 

Wir leiden am Digitalisierungswahn

„Im Moment leiden wir alle ein bisschen unter dem Digitalisierungswahn: Wer nicht selbst einen Roboter bauen oder eine künstliche Intelligenz programmieren kann, fühlt sich schnell abgehängt von der digitalen Revolution.“

 

HR muss raus aus der digitalen Sackgasse

„HR muss raus der digitalen Sackgasse und sich wieder auf den menschlichen Faktor in der Personalarbeit konzentrieren. Verwaltung und Buchhaltung können Maschinen besser – im Bewerbungsgespräch mit einem nervösen Kandidaten umgehen nicht.“

 

Personalkompetenzen der Zukunft

„Um ein guter Personaler zu sein, muss ich von Personalverrechnung und Administration nicht viel verstehen. Viel wichtiger ist, dass ich das Unternehmen aus Personalsicht voranbringe. Da kann ich als Mensch ganz besondere Qualitäten ausspielen: Als soziale und schöpferische Wesen verfügen wir über Einfühlungsvermögen, Kreativität und Innovationskraft. Diese Kompetenzen haben Maschinen nicht – und werden sie in dieser Qualität auch nie erreichen.“

 

Was Menschen wirklich antreibt

„Menschen suchen nach einer sinnstiftenden Beschäftigung. Kennzahlen sind aus meiner Sicht nur eine Schimäre der Sinnstiftung: Wir müssen vielmehr die Frage beantworten, warum die Welt ein Stück weit besser wird, weil es uns gibt. Für Unternehmen auf der Suche nach motivierten Mitarbeitern muss das die Leitfrage sein: Wenn sie es schaffen, diese zielführend zu beantworten, sind automatisch auch die einzelnen Aufgaben im Unternehmen sinnstiftend.“

 

Digitalisierung als Jahrhundertchance für KMU

„Gerade für KMU stellt die Digitalisierung eine Jahrhundertchance dar: Die meisten hochtalentierten Absolventen wollen bei den McKinseys und Googles dieser Welt arbeiten. Aber sie entdecken sehr schnell, dass sie dort nur einer von vielen sind und man sich in großen Konzernen mit internen Strukturen zum Teil länger aufhält als mit Kunden. In KMU ist man näher am Markt und kann die Folgen seines Handelns unmittelbar beobachten.“

 

Es braucht eine neue Qualität in der HR-Arbeit

„Kleine und mittlere Unternehmen sind schon aus Ressourcengründen in der Personalarbeit oft nicht ganz vorne. Umso wichtiger ist es, Routineaufgaben blitzartig zu automatisieren ? entsprechende HR-Lösungen sind heute nur einen Klick entfernt. Wenn das passiert ist, kann ich im Umkehrschluss wieder mehr Qualität hineinbringen in das, was mich als HR-Abteilung auszeichnet – nämlich die Arbeit für und mit den Menschen.“

Leadership Report Franz Kühmayer

Leadership Report 2019

125,00 Euro zzgl. MwSt. zu erwerben auf Zukunftsinstitut.de

In seiner Publikation „Leadership Report 2019“, befasst sich Franz Kühmayer mit den aktuellen Führungsfragen unserer Zeit. (ISBN 978-3-945647-54-7)

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Der Teilnahmeschluss ist der 30. April 2019

 

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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.