Home Office
#Work & Life | Barbara Oberrauter

Home Office: So managen Arbeitgeber mobiles Arbeiten

Mobiles Arbeiten wird immer beliebter. Das hat Folgen für Arbeitgeber.

Abseits von lärmenden Kolleginnen und Kollegen dem eigenen Arbeitsrhythmus folgen: Das wünschen sich immer mehr Angestellte und Arbeitnehmer, auch in Österreich.

Aber: Auch wenn Homeoffice in aller Munde ist: Gelebte Wirklichkeit ist das Arbeiten von zu Hause seltener, als man denkt. Laut Statistik Austria gaben im Vorjahr 3,7 Prozent der Befragten ?zu Hause? als ihren Hauptarbeitsplatz an.

Bei Frauen ist der Anteil höher (4,3 Prozent), bei Männern niedriger (3,2 Prozent). Vor allem Höherqualifizierte streben ins Homeoffice, zeigen weitere Studien: So steigt der Anteil der Homeoffice-Angestellten mit dem Alter und dem formellen Bildungsgrad, sagt die deutsche Soziologin Yvonne Lott.

In Österreich setzen nur etwa 4% aller Arbeitgeber auf Homeoffice als Benefit in der Stellenanzeige, zeigt eine aktuelle Auswertung von StepStone. Auch in Deutschland stellt StepStone in einer Auswertung der Stellenanzeigen 2019 nur 4% an Jobinseraten fest, die Homeoffice anbieten.

Und das, obwohl zahlreiche Studien die Vorteile dieser Beschäftigungsform bestätigen:

Vorteile für Arbeitgeber

Kosten sparen

Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, kosten weniger als ein Arbeitsplatz im Büro. Unternehmen wie Microsoft, die Bank Austria oder A1 haben das längst erkannt – und planen bei neuen Büroflächen weniger Sitzplätze ein, als Mitarbeiter vorhanden sind. Stattdessen wird die Belegschaft aktiv dazu ermuntert, von zu Hause aus zu arbeiten – Besprechungen hält man dann eben per Videocall ab.

Fluktuation reduzieren

Wer seinen Job öfter mal von zu Hause erledigen darf, ist zufriedener – und bleibt seinem Arbeitgeber länger erhalten. Arbeitgeber profitieren damit von motivierten Mitarbeitern, deren Know-How dem Unternehmen lange erhalten bleibt und die der Firma loyal zur Seite stehen. Das reduziert wiederum die Recruiting-Kosten – und ist damit ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsfaktor.

Erhöhte Produktivität

Zahlreiche Studien belegen, dass ungestörtes Arbeiten von zu Hause aus die Produktivität der Mitarbeiter deutlich erhöht. Kein Wunder: Wer sich auf seine Arbeit konzentriert, anstatt mit den Kollegen den x-ten Kaffee des Tages zu trinken, bringt über den Tag verteilt mehr weiter.

Gute Stimmung

Eingequetscht zwischen sterbender Büropflanze und Dauertelefonierer, kann schon mal die Stimmung von Mitarbeitern im Büro leiden. Wer es sich zu Hause gemütlich machen und in einer Umgebung arbeiten kann, in der man sich wohlfühlt, ist automatisch besser gelaunt – das überträgt sich vor Ort dann auch auf die Kollegen.

Umweltbewusstsein

Täglich eine Stunde in die Firma und eine Stunde zurück, und das im Hochverbrauchs-Benziner und mit Stau auf der Zubringerautobahn? Wer sich den täglichen Arbeitsweg spart, verursacht auch keine Umweltschäden – sondern spart durchs Daheimblieben sogar noch Co2 ein.

Dem Wunsch nach mobilem Arbeiten entgegenkommen

Arbeitgeber, die von ihren Mitarbeitern mit dem Wunsch nach Homeoffice konfrontiert werden, sollten sich vor allem über die rechtlichen Konsequenzen informieren. Denn: Im rechtsfreien Raum findet das Arbeiten auch von zu Hause aus nicht statt, warnt die Wirtschaftskammer Österreich.

Vielmehr gelten auch bei der so genannten ?Telearbeit? dieselben Vorschriften wie im Büro, etwa beim Arbeitsgesetz, Gesundheitsschutz und Arbeitsorganisation. Besonders wichtig für Chefs: Auch die Kontrolle des Homeoffice ist nur mit Zustimmung des Mitarbeiters möglich.

Das mag mit ein Grund sein, warum sich viele Unternehmen mit dem mobilen Arbeiten noch unwohl fühlen, ist doch die Präsenzkultur in Österreich besonders stark ausgeprägt und das Misstrauen vor Tachinierern im Homeoffice groß. Wie Führungskräfte dennoch ihre Schäflein im Blick behalten und vor allem vereinbarte Ziele erreichen, hat ein Forscherteam der Ferdinand -Porsche-Fern-FH erhoben.

Führen über Ziele ist besser als ständige Kontrolle

Das Ergebnis: Werden sie ständig angerufen und müssen Auskunft geben, kooperieren Mitarbeiter wenig überraschend eher widerwillig. Ganz anders, wenn Chefs einen Vertrauensvorschuss geben und sich zuversichtlich zeigen, dass die Arbeit auch daheim gewissenhaft erledigt wird: Dann wird freiwillig kooperiert.

Durch Transparenz, Fairness und Unterstützung könnten die Führungskräfte Vertrauen schüren, sagt Studienautorin Ingrid Wahl im Standard. Wichtig sei, ?dass klar ist, wer was erledigt?. Auch müsse grundsätzlich allen im Team, und nicht nur manchen, die Möglichkeit gegeben werden, sich zum Arbeiten in die eigenen vier Wände zurückzuziehen. Führungskräfte müssten Mitarbeitern auch im Homeoffice weiterhelfen. ?Es ist gut, sich melden zu können, wenn etwas unklar ist.?

 

Bildnachweise: istockphoto.com



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.