#Recruiting | Andrea Heider

Headhunter: Fluch oder Segen?

Wenn herkömmliche Recruiting-Strategien versagen

Das Telefon klingelt. Der Leiter der Rechtsabteilung einer großen Immobilienfirma hebt ab. Am anderen Ende erklingt die Stimme einer Frau: „Können Sie gerade telefonieren?“ Der Jurist ist nicht alleine und verneint. Die Dame stellt sich als Headhunterin vor. Sie ist auf der Suche nach passenden Kandidaten für ihren Auftraggeber. Der Jurist steht auf ihrer Liste begehrter Mitarbeiter. Tatsächlich: Auch er ist an einem weiterführenden, unverbindlichen Gespräch interessiert. Dieses wird nach Dienstschluss vereinbart.

Was sich wie ein Krimi anhört, ist der ganz normale Alltag eines Headhunters. Headhunting, das ist die Kunst den richtigen Kandidaten zur richtigen Zeit bei der Hand zu haben. Ein Headhunter ist eine spezielle Form des Personalberaters. Er wird von Unternehmen auf die Aquise von hochqualifiziertem Fach- und Führungspersonal angesetzt. Seine Aufgabe ist es, qualifizierte Kandidaten für Positionen, die mit herkömmlichen Recruiting-Strategien nicht zu besetzen sind, zu vermitteln. Das sind in erster Linie Führungs- oder Spezialistenpositionen.

Das Angebot muss stimmen

Nun ist es so, dass Unternehmen viele Bewerbungen erhalten, doch manchmal ist die richtige einfach nicht dabei. Begehrte Kandidaten haben meist einen Job und sind nicht verfügbar. Sie würden sich nicht aktiv auf eine Stellenanzeige bewerben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht an einem Wechsel interessiert wären – vorausgesetzt das Angebot stimmt. Genau hier kommt der Headhunter ins Spiel. Es ist seine Aufgabe, heraus zu finden, ob der Kandidat für einen Jobwechsel bereit wäre. Alles rein hypothetisch, vorerst zumindest.

Wie findet der Headhunter seine Beute? Zum einen sucht er aktiv in den sozialen Netzwerken oder anderen Recruiting-Kanälen. Zum anderen pflegt er seine Netzwerke, geht auf Branchen- und Fachveranstaltungen und hat immer ein offenes Ohr. Er hört sich um und hält seine Datenbank stets up to Date – virtuell als auch im echten Leben. Kandidaten uns Lebensläufe werden dabei auf Abruf gesammelt, um sie dann, im Falle des Falles, gleich einem Kunden präsentieren zu können. Tatsächlich: Headhunter sind Networker. Bei der Kontaktaufnahme mit einem potentiellen Kandidaten ist jedoch Diskretion angesagt.

Diskretion ist wichtig

Headhunter werden oft mit gemischten Gefühlen betrachtet. Warum ist das so? Kandidaten fühlen sich zwar meist gebauchpinselt, wenn sie von einem Headhunter kontaktiert werden und ihnen ein neuer Karriereschritt angeboten wird. Von Personalberatern, die zu hartnäckig und aufdringlich sind, fühlen sie sich jedoch auch bedrängt, schlimmsten Falles sogar gestalkt. Das sollte auf jeden Fall vermieden werden. Daher ist bei der Kontaktaufnahme Diskretion und Respekt das Um und Auf. Für richtiges Headhunting sollten Sie folgendes beachten:

  • Verlassen Sie sich bei der Kontaktaufnahme nicht auf den Zufall: Finden Sie heraus, wer in der Branche gerade begehrt ist. Gibt es Personen, die mit besonderem Wissen glänzen, zu Vorträgen eingeladen werden oder Fachartikeln publizieren? Pflegen Sie ihr Netzwerk und gehen Sie mit offenen Ohren durch die Business-Welt. Und dann kontaktieren Sie Wunschkandidaten ganz gezielt.
  • Bleiben Sie diskret: Jobsuche und Jobwechsel ist mitunter etwas sehr diskretes. Die meisten Menschen möchten nicht, dass ihre Kollegen wissen, dass ein Jobwechsel ansteht. Telefonische Kontaktaufnahme am Arbeitsplatz ist daher nicht immer einfach. Ganz ehrlich: Wenn die Kollegen zuhören lässt es sich nicht so locker plaudern. Daher sollten Headhunter immer einen privaten Gesprächstermin vereinbaren und bei der Kotaktaufnahme sehr diskret sein. Idealer ist da schon eine Kontaktaufnahme per E-Mail
  • Schenken Sie reinen Wein ein: Der Wunschkandidat hat ja keine Ahnung um was es geht und was Sie von ihm wollen. Daher sollten Sie sich gleich vorstellen und zur Sache kommen. Damit sich der Kandidat besser auskennt, können Sie ihm eine Jobdeskription übermitteln. Dann kann er sich vorab Gedanken machen.
  • Präsentieren Sie keine Kandidaten, falls diese nicht der „perfect fit“ sind: Falls Sie einen Kandidaten im Visier haben, bei dem sich herausstellt, dass weder seine bisherige Arbeitserfahrung, noch seine Persönlichkeit und Einstellung zum Arbeitgeber passen, dann sollten Sie ihn nicht ihrem Auftraggeber präsentieren. Stellen Sie nur Kandidaten vor, die auch wirklich zur Stelle und zum Unternehmen passen.
  • Setzen Sie sich ans Telefon: Egal wie busy Sie sind, falls Sie einen Anruf verpassen, dann rufen Sie auf jeden Fall zurück, auch wenn Sie nicht wissen, wer dran ist. Es könnte ein begehrter Kandidat sein. Vergessen Sie nicht: Jeder Kontakt zählt. Falls es dieses Mal nicht passen sollte, so kann sich immer noch etwas in der Zukunft ergeben.
  • Falls ein Kandidat kein Interesse hat, dann nehmen Sie es gelassen: Nicht verzweifeln. Es ist gut möglich, dass begehrte Kandidaten in ihrem Job zufrieden sind und kein Interesse an einem Wechsel haben. Dies sollte jeder Headhunter akzeptieren. Man kann ja niemanden zum Wechsel zwingen.
    www.istockphoto.com

 



Verwandte Artikel






Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.






Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *




Persoblogger Stefan Scheller schrieb am 25. Juli 2017 um 13:18