#Work & Life | Andrea Heider

Der Flow als Schlüssel zum Glück

Haben Sie den Flow?

Der Flow – das ist das völlige Aufgehen im Leben, das Einswerden mit einer Tätigkeit. Flow beschreibt ein beglückendes, erfreuliches Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung und Konzentration. Der amerikanische Psychologe und Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi hat sein gesamtes Leben der Flow-Forschung gewidmet. Er ist überzeugt: Jeder hat die Fähigkeit Flow zu empfinden und glücklich zu sein. Um in den Flow zu gelangen, darf die ausgeübte Tätigkeit weder überfordernd noch unterfordernd sein. Vielmehr sollte sie spielerisch und mit einer gewissen Leichtigkeit lösbar sein, gleichzeitig jedoch auch anspruchsvoll und herausfordern. Schön und gut, doch woran erkenne ich, ob ich im Zustand des Flows bin?

Wenn Sie im Flow sind dann:

  • Gehen Sie komplett in der Tätigkeit, die Sie gerade machen, auf.
  • Vergessen Sie alles, was um Sie herum passiert.
  • Vergessen Sie die Zeit (eine Stunde fühlt sich dann an wie 10 Minuten).
  • Fühlen Sie sich glücklich und haben das Gefühl, dass alles unter Kontrolle ist.
  • Sind Sie kreativ und produktiv.

Warum ist Flow in der Arbeit wichtig

Flow ist also die optimale Erfahrung. „Es handelt sich um Situationen, in denen die Aufmerksamkeit frei gelenkt werden kann, um ein persönliches Ziel zu erreichen, weil es keine Unordnung gibt, die beseitigt werden müsste, keine Bedrohung für das Selbst, gegen das es sich verteidigen müsste. Wir haben diesen Zustand Flow-Erfahrung genannt“, erklärt Csikszentmihalyi in seinem Standardwerk „Flow. Das Geheimnis des Glücks„. Bei seinen Untersuchungen versucht der Psychologe so genau wie möglich zu verstehen, wie sich Menschen fühlen, wenn sie größte Freude empfinden, und warum.

Begonnen hat er seine Forschungen mit Malern, Athleten, Musikern, Schachmeistern und Chirurgen. Also mit Menschen, die, so vermutete er, einer Tätigkeit nachgehen, die sie lieben. Sein Forschungsteam interviewte Tausende von Menschen auf der gesamten Welt. Seinen Studien zur Folge wird die Flow-Erfahrung von Männern und Frauen, Jung und Alt, ungeachtet kultureller Unterscheide immer gleich beschrieben. Der Flow ist jedoch etwas sehr individuelles. Manche erleben Flow-Zustände beim Malen, bei körperlicher Tätigkeit, beim Musizieren. Andere wiederrum empfinden einen Zustand des Glückes beim Haarescheiden, Lösen einer mathematischen Formel oder beim Kochen. Um die individuelle Zufriedenheit in der Arbeit also zu steigern, ist es wichtig zu wissen, durch was dieser Zustand in einem selbst ausgelöst werden kann. Gibt es ein Rezept für den Flow? Nein, das gibt es leider nicht. Aber probieren Sie folgendes:

Flow in der Arbeit

  1. Suchen Sie eine Arbeit, die Sie gerne machen
    Wenn Sie viele Tätigkeiten ihrer Arbeit fürchten, dann wird es schwierig sein, sich in der Arbeit zu verlieren. Suchen Sie daher eine Tätigkeit, die Ihnen Freude bereitet und die Sie gerne machen. Gibt es in Ihrem Job zu viele unerfreuliche Aufgaben? Dann überlegen Sie sich besser, einen neuen Job zu suchen.
  2. Wählen Sie eine Aufgabe, die wichtig ist
    Es gibt Arbeit, die wir lieben, die jedoch unwichtig ist. Außerdem gibt es Arbeit, die wir gerne machen, die einen langfristigen Einfluss auf unsere Karriere haben kann. Suchen Sie sich eine Tätigkeit, die eine gewisse Bedeutung für Sie hat.
  3. Die Aufgabe sollte herausfordernd, aber nicht zu schwierig sein
    Wenn eine Aufgabe zu einfach ist, dann werden Sie diese ohne viel Mühe lösen können. Ist sie jedoch zu anspruchsvoll, dann wird es schwierig sein vollkommen in der Aufgabe aufzugehen, da die meiste Konzentration für das Lösen des Problems benötigt wird – das kann entmutigend sein. Wählen Sie daher eine Tätigkeit, die herausfordernd, aber lösbar ist.
  4. Suchen Sie einen ruhigen Ort
    Suchen Sie sich einen ruhigen Ort und Zeitpunkt, damit Sie sich auch wirklich auf Ihre Arbeit fokussieren können, idealer Weise während Ihres persönlichen Energiehochs. Für manche Menschen ist das zeitig in der Früh, wenn noch niemand im Büro ist, andere wählen die Mittagszeit, wenn Kollegen auf Mittagspause sind und es im Büro etwas ruhiger ist, Viele arbeiten auch gerne zu späterer Stunde – das ist sehr unterschiedlich. Wählen Sie den Zeitpunkt auf jeden Fall auch so, dass Sie selbst gerade Ihr Energiehoch haben. Soll heißen: direkt nach dem deftigen Mittagessen ist kein geeigneter Zeitpunkt für den Flow.
  5. Beseitigen Sie Ablenkungen
    Schalten Sie Ihr Telefon aus, lesen Sie keine E-Mails, verzichten Sie auf Musik – außer es ist Musik, die Ihnen bei der Konzentration hilft.
  6. Versuchen Sie sich, so lange wie möglich auf die Aufgabe zu konzentrieren
    Multitasking ist das Gegenteil von Flow. Es ist wichtig, dass Sie sich auf Ihre Aufgabe voll und ganz und so lange wie möglich konzentrieren. Versuchen Sie wirklich im Moment zu sein. Zu viele Tätigkeiten auf einmal sollten Sie vermeiden.
  7. Erleben Sie bewusst Freude
    In den Flow kommen ist eine großartige Sache. Außerdem macht es Freude mit vollem Einsatz an einer Sache zu arbeiten, die Ihnen wichtig ist. Genießen Sie es ganz bewusst und würdigen Sie diesen Zustand. Oftmals fallen uns positive Ereignisse gar nicht auf.
  8. Üben Sie regelmäßig
    Übung macht den Meister. Falls es Ihnen nicht gleich gelingen sollte in den Flow zu kommen, dann üben Sie einfach fleißig. Sie können sich auch einfach eine Tätigkeit suchen, die ihnen Freude macht.
  9. Ernten Sie die Früchte des Erfolges
    Flow ist ein Glückszustand. Wenn Sie häufiger Flow-Zustände in der Arbeit erleben, wird dies dazu führen, dass Sie ganz grundsätzlich im Job zufriedener sind. Immerhin erledigen Sie wichtige Arbeiten und empfinden dabei ein Glücksgefühl. Wunderbar! Falls es Ihnen in der Arbeit schwer fallen sollte in den Flow zu kommen, probieren Sie es zuerst in aller Ruhe zuhause aus mit einer Tätigkeit, die Sie besonders gerne machen.

Bildnachweis: www.istockphoto.com



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.