Guerilla Recruiting
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Guerilla Recruiting

Unfaire Mittel im war for talents?

Sie sind schnell, kommen aus dem Hinterhalt und treffen die Bewerber im realen Leben: Taktikten der Guerilla Recruiting versuchen, die besten Köpfe auf innovative, witzige und selbstironische Weise aus ihren alten Jobs hinaus- und hinein ins eigene Unternehmen zu locken. Unternehmen, die dafür offen sind, können sich großer Aufmerksamkeit aus der Community sicher sein: Ob Youtube, Facebook oder andere Social Media-Plattformen, Guerilla-Recruiting verbreitet sich viral und man braucht dafür nicht einmal einen Cent auszugeben.

Der Grund: Guerilla-Maßnahmen fordern die Zielgruppe zur Interaktion auf, anstatt sie nur mit Informationen und Werbemaßnahmen zu berieseln. Das kann gerade bei der Suche nach Talenten der Generation Y Gold wert sein: Sie legen den größten Wert auf Partizipation, Eigenständigkeit und Interaktion. Dabei müssen die angesprochenen Kandidaten nicht einmal selbst auf Jobsuche sein: Die Taktik des Guerilla Recruiting ist, auch so genannte „Schläfer“ einzubeziehen, in der Hoffnung, bei einem eventuellen Jobwechsel später in Frage zu kommen.

Geringe Mittel, große Wirkung

Mit einem kleinen Etat kann man beim Guerilla Recruiting einiges erreichen. Mehr als 30.000 Klicks generierte etwa die Hamburger Agentur Scholz&Friends mit ihrer Pizza Digitale: Ein Pizzaservice brachte hungrigen Kreativen vier Wochen lang zusätzlich zur normalen Pizza einen QR-Code aus Tomatensauce mit, wenn die Pizza außerhalb der üblichen Bürozeiten geordert wurde. Beim Scannen des Codes gelangten Interessierte auf einer mobilen Website mit der Aufforderung, sich doch bei Scholz&Friends zu bewerben. Das Resultat: Zwölf Bewerbungsgespräche und zwei neue Teams.

Auf die Lust am illegalen Download hingegen setzte die belgische Dependance von Ogilvy. Auf der Suche nach einem Webdesigner luden sie auf einschlägigen Filesharingwebsites eine Datei hoch, die den Titel „Adobe Photoshop“ trug. Installierten Webdesigner diese, erschien anstelle des Programms eine Stellenanzeige – inklusive dem Versprechen, bei Ogilvy alle nötigen Designprogramme zur Verfügung zu stellen.

Auf der Suche nach talentierten Mathematikern veröffentlichte der Internetriese Google ein Zahlenrätsel auf einem Plakat über dem Highway 101, mitten im Silicon Valley. Wer auf die richtige Antwort kam, landete auf einer Seite mit einer weiteren Gleichung. Dabei gab sich Google erst am Ende der zweiten Lösung zu erkennen und konnte schließlich aus den talentiertesten Mathematik-Spezialisten des Silicon Valley wählen.

Das Abwerben erfolgreicher Mitarbeiter von Konkurrenten ist auch die Idee hinter einigen Kampagnen der Werbeagentur Jung von Matt. Auf der Suche nach Art Direktoren wurden „trojanische Pferde“ in Form von 15 bekannten Fotografen bei großen konkurrierenden Kreativagenturen eingeschleust. Dort präsentierten sie regelmäßig ihre Arbeiten, wobei in den Fotos zahlreiche Aufforderungen, sich bei Jung von Matt zu bewerben, versteckt waren. Das Resultat: Im Vergleich zum Vorjahr gingen fast doppelt so viele Bewerbungen ein – und der passende YouTube-Clip wurde in seiner deutschen bzw. englischen Version jeweils über 10.000 Mal geklickt. Das „trojanische Pferd“ kam auch in einer Kooperation mit Lipsum.com, einer Website, die von Kreativen zur Erstellung von Blindtexten für die eigenen Entwürfe genutzt wird, zum Einsatz. Wer den Lorem-Ipsum-Text in einem bestimmten Zeitraum kopiert, um ihn anschließend als Blindtext in ein Dokument zu kopieren, fügt ab sofort unbewusst eine Stellenanzeige von der Hamburger Kreativagentur mit ein, das dem Text vorangestellt wird. „Do your layouts deserve better than Lorem Ipsum? Apply as an art director and team up with the best copywriters at Jung von Matt.“

Guerilla Recruiting: Mehr als nur eine gute Idee

Wer einfallsreich und kreativ an neues Personal kommen möchte, sollte gute Ideen jedoch nicht einfach nachmachen. Die spannendste Guerilla-Recruiting-Strategie ist nichts wert, wenn darauf ein langwieriger und bürokratischer Bewerbungsprozess folgt. Es lohnt sich daher, schon im Vorfeld zu überlegen, wen man mit der Guerilla-Strategie eigentlich erreichen will, und wo sich diese Leute üblicherweise aufhalten. Um aus der Masse der Mitbewerber hervorzustechen, muss die Kampagne nicht nur günstig, schnell, trendig und unkonventionell sein – sie muss vor allem viral sein, das heißt, sich über Mundpropaganda und Social Networks gut verbreiten lassen.

Ausgewogener Recuiting-Mix

Zudem bringt es wenig, Maßnahmen zum Guerilla Recruiting im leeren Raum stehen zu lassen. Als Ergänzung zu klassischen Recruiting-Massnahmen können sich Großunternehmen hingegen damit ein jüngeres, dynamischeres Image geben. KMUs erzielen damit mit relativ geringem Budget Aufmerksamkeit und Bekanntheit. Um die Recruiting-Maßnahmen mit den Zielen und Werten des eigenen Unternehmens abzugleichen und Imageschäden zu vermeiden, empfehlen Experten eine vorsichtige und sorgfältige Planung.

Sowohl Arbeitgebermarke als auch Unternehmenskultur sind wichtige Faktoren, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Passt eine solche kreative Aktion auch zur Kultur? Zudem sollte die Kampagne schon in der Planungsphase auch aus der Perspektive der Zielgruppe betrachtet werden. Schließlich werden hier Guerilla-Taktiken im „war for talents“ eingesetzt. Und da sind beide Seiten bekanntermaßen nur wenig zimperlich.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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