Glück im Unternehmen
#Employer Branding & Personalmarketing | Andrea Heider

Glückspsychologie & HR

Glückliches HR-Management - geht das?

„Schwächen ausgleichen bringt uns nur in die Durchschnittsfalle, Stärken ausbauen bringt uns zur Exzellenz.“ Renate Pils & Silena S. Piotrowski, Unternehmensberaterinnen & Psychologinnen.

Glückspsychologie & HR – Glückliche Mitarbeiter sind gut für jedes Unternehmen. Positive Gefühle bei der Belegschaft steigern nicht nur die Produktivität und Kreativität, sondern auch die Anzahl der Verkäufe und mindern gleichzeitig Krankenstände. Glück am Arbeitsplatz – wieso eigentlich nicht? Doch der Weg zu glücklichen Mitarbeitern ist in der Theorie meist einfacher als in der Praxis. Was kann HR tun, um die Mitarbeiter im Unternehmen glücklich zu machen? Eine gute Frage. Antworten darauf liefern die beiden Unternehmensberaterinnen und Psychologinnen Silena S. Piotrowski und Renate Pils von Lebensfreude Treffpunkt Glückspsychologie im Gespräch mit JOBnews.

Jobnews: Was ist Glückspsychologie?

Pils/Piotrowski: Hinter der saloppen Bezeichnung „Glückspsychologie“ verbirgt sich die neue Disziplin „Positive Psychologie“, die mit einigen Paradigmen in dieser Wissenschaft aufräumt. Der Forschungsgegenstand ist nicht (wie bis vor einigen Jahren fast ausschließlich) wie entsteht eine psychische Krankheit und wie kann man sie heilen, sondern man blickt nach vorne, auf den positiven Teil der Lebensskala: Was macht Menschen glücklich? Was machen erfüllte, glückliche Menschen anders? Kann man das auch lernen? (Übrigens: ja!) Neben diesen Ausgangspunkt wurde die Forschung z.B. in den Bereich Management übertragen, um zu erkennen, was es braucht, damit Menschen in bzw. Organisationen „aufblühen“ und erfolgreich sind. Und genau dieses Wissen nutzen wir in Unternehmen.

Jobnews: Wie können HR-Manager Glückspsychologie einsetzen?

Der erste Schritt ist bei sich selbst anzufangen. Anders geht es auch gar nicht, denn nur ein authentisch vorgelebter Weg ist glaubwürdig und inspirierend für andere. Also, wo kann man beginnen? Am besten bei der Reflexion und kraftvollen Ausrichtung der eigenen Gedanken, die (wie man in Trainings spannend zeigen kann) unser Leben steuern. Meist ist der Strom der durch unsere Gehirne fließt „negativ geladen“, d.h. Menschen beschäftigen sich überwiegend (ca. 70%) mit Gedanken, die sich unangenehm anfühlen (von angespannt, nervös bis hin zu ärgerlich). Entsprechend schaut dann auch die Kommunikation aus. Und Zielerreichung mit angezogener Handbremse (negative Emotionen, Widerstände?) ist nicht effektiv und macht auch keinen Spaß. Erfolg mit Leichtigkeit schafft man, wenn man konsequent auf die eigenen Stärken setzt, Dinge tut, die Sinn machen und wenn man die Freudenmomente im Alltag nährt und erweitert (z.B. durch Achtsamkeit, Dankbarkeit, Humor, Genuss, Wertschätzung). Positive Emotionen sind die VORRAUSSETZUNG für Leistung, Kooperation und Gesundheit (mehr dazu unten).

Jobnews: Wie sieht „glückliches HR-Management“ aus?

Eine Möglichkeit, um die verschiedenen Routen zu einem erfüllten, erfolgreichen Arbeitsleben darzustellen, ist das PERMA-Modell vom Martin Seligman, dem Begründer der Positiven Psychologie. Das Akronym beschreibt fünf nachhaltige Wege – bezogen auf HR-Management könnte das so aussehen:

  • P – Positive Emotions: Lass durch deine achtsame Kommunikation bei den MitarbeiterInnen positive Gefühle entstehen, z.B. durch die Frage: „Was war diese Woche gut? Was ist dir gut gelungen?“ oder durch ehrlich gemeinte Komplimente, Wertschätzung und ein Danke (und beides täglich mehrmals eingesetzt!).
  • E – Engagement: Setz konsequent auf die Nutzung der Stärken der MitarbeiterInnen. Das sprengt so manches Stellenbeschreibungskorsett und das ist auch gut so: mehr Flexibilität, kleinere Änderungen (z.B. Projektmitarbeit, eine besondere Aufgabe) ermöglichen, wo Freude & Stärken genutzt werden, also „job crafting“, das ermöglicht Spitzenleistungen bei gleichzeitiger hoher Loyalität und Gesundheit. Damit du weißt, was jemand besonders gut kann, braucht es Nähe und Kommunikation (auch über Privates, Hobbies..). Schwächen ausgleichen bringt uns nur in die Durchschnittsfalle, Stärken ausbauen bringt uns zur Exzellenz.
  • R – Relationships: Gute, wertschätzende und vertrauensvolle Beziehungen in denen täglich viele positive Botschaften (mindestens 3 positive vs. 1 negativen, damit die Bilanz zumindest neutral ist) gesendet werden, sind das A&O für eine ausgezeichnete Unternehmenskultur.
  • M – Meaning: Sinn ist ein Grundbedürfnis und zentraler Antrieb für Menschen. Sinn kann man letztlich nur selbst dem Leben verleihen, jedoch ist im organisatorischen Kontext extrem wichtig, denn Sinn der verschiedenen Maßnahmen, Aufgaben bis hin zum Unternehmenszweck zu vermitteln. By the way, „Gewinn machen“ hat keine hohe Sinnkomponente. Nur so verstehen wir den größeren Zusammenhang und wofür wir einen Beitrag leisten. Und das motiviert. Voraussetzung: darüber reden, immer wieder!
  • A – Achievement: Sich sinnvolle Ziele zu setzen ist wichtig und hilft uns, uns zu entwickeln. Wichtig in dieser rastlosen Zeit und vor allem in Dienstleistungsunternehmen (das Produkt ist nicht so leicht „sichtbar“): Das Innehalten, Würdigen und „Feiern“ von Zielerreichungen. Wir rasen sonst immer weiter mit einer langen „to do“-Liste und dem Gefühl niemals fertig zu werden. Eine gemeinsame Würdigung und ein Austauschen der Erfolgsfaktoren stärken und geben Kraft und Ausrichtung für das Neue.

Und last but not least: Entwicklungsmaßnahmen anbieten, die all das in den MitabeiterInnen und Führungskräften lebendig werden lassen. Wir stehen da gerne zur Verfügung.

Jobnews: Inwiefern nützt es Unternehmen, wenn Mitarbeiter mehr Arbeitsfreude und positive Gefühle erleben?

Zu dieser Frage gibt es mittlerweile viele wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass die Auswirkungen sehr vielfältig sind: Es steigt die Produktivität (+31%), die Verkäufe (+37%), die Kreativität wächst (3fach) und Krankenstände treten seltener auf. Ebenso gibt es große Einsparungen durch weniger Fluktuation. Das Grandiose daran ist, dass das Unternehmen nicht der einzige Gewinner ist. Denn der Arbeitnehmer erlebt mehr Freude und mehr Zufriedenheit. Vor allem erkennt er/sie den eigenen Handlungsspielraum und ist nicht länger schwierigen Bedingungen hilflos ausgeliefert.

Unsere Seminarteilnehmer bekommen Werkzeuge an die Hand, wie sie Einfluss nehmen können auf Ihre Gedanken und auf ihr Verhalten und damit auf ihre Gefühle, auf ihre Stimmung. Auch wenn die Rahmenbedingungen oft sehr schwierig und sehr herausfordernd sind. Dies heißt natürlich auch: Raus aus der Opferrolle und die Situation nützen, um sich selbst weiterzuentwickeln. Das ist für mich das Wunderbare an unserer Arbeit: Zu sehen wie ein Funkeln in die Augen der Menschen kommt in Workshops oder in Seminaren: Wenn sie sagen: „Hey, ich will nicht länger mitraunzen und negative Energie verbreiten. Ich bin verantwortlich für meine Gefühle und auch dafür, was ich weitergebe, was ich ausstrahle. Ich kann konstruktiv umgehen mit schwierigen Situationen, kann trotz großem Druck auch meine Gelassenheit leben und es gelingt immer besser, in meiner Mitte zu sein.“

Weitere Informationen: www.glueckspsychologie.at



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.