Gleichberechtigung im Recruiting
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Gleichberechtigung im Recruiting

Ist Gleichberechtigung bei allen Jobs gegeben?

Bei der Einstellung neuer Mitarbeiter dürfen Alter, Herkunft, Religion, sexuelle Orientierung, politische Gesinnung oder Behinderungen keine Rolle spielen.  Tuen sie auch nicht, glaubt man den entsprechenden Publikationen auf den Unternehmenswebseiten. Doch wie sieht hinter den Kulissen aus? Der Spiegel Online berichtete kürzlich von einem Maschinenbauunternehmen, welches  einen Personalberater mit der Suche nach einem technischen Verkäufer beauftragte. Als der Berater eine geeignete Kandidatin präsentierte, teilte man dem Dienstleister mit, keine Frau für diese Position zu wollen. Der Personalberater war zu recht empört über die Diskriminierung, informierte die Bewerberin von der rechtswidrigen Ablehnung und riet ihr Schadenersatz zu fordern. Die Dame hatte Erfolg und erhielt Schadenersatz. Der Berater musste wiederum wegen Verletzung der Verschwiegenheitspflicht Schadenersatz an das Unternehmen leisten.

Wir haben heimische Personalberater zum Thema Gleichberechtigung im Recruiting befragt: Haben Sie schon einmal einen Auftrag wegen Diskriminierung abgebrochen oder erst gar nicht angenommen? Wie häufig kommt es vor, dass Arbeitgebermarkenversprechen und  Realität hinsichtlich Diskriminierung divergieren und wie gehen Sie damit um?

 

Leopold Kuschny

Leopold Kuschny (strateg-it)

Leopold Kuschny von strateg-it: „Die strateg-it ist fast ausschließlich im Bereich Suche- und Auswahl von IT-Fach- und Führungskräften tätig. Deshalb können wir nur über diesen Bereich ein Statement abgeben. Bis heute hatten wir noch keinen Suchauftrag, wo im Anforderungsprofil Herkunft, Religion, sexuelle Orientierung, politische Gesinnung oder Behinderungen eine Rolle spielte. Beim Thema „Alter“ gibt es öfters Einschränkungen. Es wird meist das Teamalter als Vergleich angegeben. Mit dem Argument, der/die KandidatIn soll ins Team passen, gibt es Einschränkungen im Mindest- und im Höchstalter. Auffällig ist, dass beim Thema Geschlecht, oft der Wunsch der Unternehmen nach einer weiblichen Kandidatin vorhanden ist. Dieser Anforderung kann aber selten erfüllt werden. Es gibt zu wenige weibliche Kandidatinnen im technischen Bereich.“

 

Manuela Lindlbauer

Manuela Lindlbauer (Lindlpower Personalmanagement)

Manuela Lindlbauer von Lindlpower Personalmanagement: „Es ist noch nicht vorgekommen, dass wir einen Auftrag wegen Diskriminierung abbrechen mussten. Manchmal bemerken wir kleine Vorbehalte, manchmal müssen wir ein bisschen Fürsprecher spielen. Aber man muss die Kirche im Dorf lassen: Der Kunde weiß selbst am besten, welche Mitarbeiter er für welche Positionen braucht. Kein Gleichbehandlungsgesetz wird ein Unternehmen davon abhalten, selbst zu entscheiden, ob es beispielsweise die Position Vorstandsassistenz lieber mit einer Frau oder einem Mann besetzt. Andererseits merken wir, dass sich Betriebe ohnehin verstärkt mit den Themen Diversität und interkulturelles Management auseinandersetzen. Mittlerweile belegen ja auch genug Studien, dass Firmen, die die Besonderheiten ihrer Mitarbeiter unterstützen und die vielfältigen Potenziale systematisch zu nutzen wissen, produktivere und loyalere Angestellte haben. Der zunehmend schwieriger werdende Bewerbermarkt macht es außerdem notwendig, dass sich die Betriebe bewusst allen Bewerbergruppen öffnen.“

 

Daniela Schlick_Foto

Daniela Schlick (Daniela Schlick Personalconsulting)

Daniela Schlick von Daniela Schlick Personalconsuting: „Dass Firmen auf die Idee kommen, mich als Personalberaterin insbesondere dann zu beauftragen, wenn es darum geht das Gleichbehandlungsgesetz zu umgehen, schließe ich aus.  Erfreulicherweise kann ich beobachten, dass sich sehr viele Unternehmen bereits um Chancengleichheit durch eine entsprechende Personalpolitik bemühen. Dennoch kommt es  vor, dass  ein Unternehmen,  im Briefing-Gespräch  über die Rahmenbedingungen eines Auftrags, seine Wunschvorstellung zunächst ohne besondere Rücksicht auf Diskriminierung formuliert. „Wir stellen keine Muslime ein“, „Keine Frau im gebärfähigem Alter“ oder „Wir sind für Menschen mit Behinderungen nicht eingerichtet“ ich bin sicher jeder Berater hat solche und ähnliche Aussagen schon zu hören bekommen. Als professionelles Vorgehen empfinde ich es hier aufzuklären und zu versuchen Einfluss zu nehmen. Besteht das Unternehmen auf den Kriterien, hat man als Personaldienstleister immer die Möglichkeit den Auftrag abzulehnen.“

 

Markus Baldauf

Markus Baldauf (Markus Baldauf Management Consulting)

Markus Baldauf von Markus Baldauf Management Consulting: „Unsere Kunden haben natürlich genaue Vorstellungen wie der Idealkandidat aussehen soll und welche Berufserfahrung, Herkunft, etc. Er oder auch Sie mitbringen soll. Wir sind Headhunter und unter anderem spezialisiert auf IT Positionen. Trotz des enormen Fachkräftemangels in Österreich in diesem Bereich, erhalten wir fast immer sehr enge Vorgaben was Alter, Familienstand oder auch Herkunft anbelangt, wobei man hier sagen muss, dass es hier eher um Themen wie Flexibilität, uneingeschränkte Reisetätigkeit oder Deutschkenntnisse geht, die eben sehr oft mit den von Ihnen genannten Kriterien verbunden werden. Themen wie politische Gesinnung oder sexuelle Orientierung sind für unsere Kunden keine Themen und werden auch nicht als Einstellungskriterium genannt. Tätowierungen oder auch Piercings sind hingegen im Bereich Consulting schon ein Thema und werden auch offen mit unseren Kandidaten angesprochen. Zum Thema Frauen in der IT: Unsere Kunden würden sich eine höhere Frauenquote in Ihrer IT Abteilung sehr wünschen!“

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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