Gesunde Führung
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Gesunde Führung

Wer gesund lebt, führt auch gesund

Täglich etwas Obst und Gemüse, sportliche Betätigung und ausreichend Schlaf: Was Gesundheit am Arbeitsplatz betrifft, haben Führungskräfte oft noch recht vage Vorstellungen, zeigt der aktuelle Hernstein-Report 2014. Auch wenn das Interesse der mehr als 1.000 befragten Führungskräfte generell vorhanden ist, zeigt sich beim Thema „Gesunde Führung“ ein recht breit gefächertes Verständnis: Von Work-Life-Balance über Arbeitnehmerschutz bis hin zur Stressreduktion werden darunter hauptsächlich Themen subsummiert, die in der Nähe der betrieblichen Gesundheitsförderung stehen.

Dabei sehen die Studienautoren einen deutlichen Zusammenhang zwischen gesunder Führung und der Gesundheit der Mitarbeiter: „Es zeigt sich dabei deutlich, dass Führungskräfte sowohl stressreiche Arbeitsanforderungen abzufedern vermögen als auch Arbeitssituationen durch zusätzlichen Druck verschärfen können.“ Den meisten ist ihre Verantwortung durchaus bewusst: „Ich [halte] Stress von meinen Mitarbeitern weitestgehend fern und überlasse sie ihrer eigentlichen Tätigkeit. Das heißt aber nicht, dass die Mitarbeiter nichts arbeiten müssen, es muss nur konsequent und störungsfrei eine Umgebung geschaffen werden, in der sich alle wohlfühlen und nicht einige Personen die Oberhand gewinnen können“, gibt eine der befragten Führungskräfte an.

Von der Mehrheit der Führungskräfte wird ihr Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeiter als wesentlich eingeschätzt. Gesunde Führung „bedeutet für mich, den Mitarbeiter als Menschen und nicht als Ressource zu betrachten und das individuelle Arbeitsumfeld auf seine physisch und psychologischen Bedürfnisse und Möglichkeiten auszurichten“, so ein Studienteilnehmer.

Gesunde Führung – Fokus auf psychische Gesundheit

Neben einem Führungsstil, der sich am nachhaltigen Erhalt der Leistungskraft und Gesundheit der Mitarbeiter orientiert, ist vor allem die Aufmerksamkeit für das psychische Wohlbefinden der Mitarbeiter gestiegen, zeigt die Studie: „Die Fürsorgepflicht umfasst sowohl die physische als auch die psychische Seite der Mitarbeiter“, erzählt ein Studienteilnehmer. „Beide Dimensionen sollten von der Führungskraft in der Gestaltung der Arbeitsumgebung und der Arbeitsbeziehungen angemessen berücksichtigt werden.“ Zentrale Ursachen für diese Entwicklung sehen die Studienautoren in der gestiegenen Aufmerksamkeit für präventive Maßnahmen zur Stressvermeidung und einer ausgeglichenen Work-Life-Balance.

In Österreich hat das Thema vor allem durch die Einführung verpflichtender Evaluierungen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz an Wichtigkeit gewonnen, erläutert Eva-Maria Ayberk vom Hernstein Institut: „Damit hat die psychische Gesundheit ihren Platz auf der Führungsagenda bekommen. Der Fokus auf die psychische Gesundheit kommt vor allem aus der Notwendigkeit, Stress zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit der MitarbeiterInnen zu erhalten.“ Dementsprechend halten es rund drei Viertel der befragten Führungskräfte für ihre Aufgabe, auf die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu achten.

Dennoch sind nicht alle Führungskräfte von ihrem Wirken überzeugt: Vor allem deutsche Führungskräfte schätzen ihren Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeiter höher ein als ihre österreichischen Kollegen. Auch Firmengröße und Hierarchie spielen eine Rolle im Selbstverständnis: Je größer das Unternehme und je höher die Ebene, umso größer werden Einfluss und Wichtigkeit von Führungskräften beim Thema Gesundes Führen eingeschätzt. „Führungskräfte und Mitarbeiter sollten Wert auf ‚gesamtheitliche Gesundheit‘ legen“, erzählt ein Studienteilnehmer. „Das heisst, psychische Gesundheit durch wertschätzenden Umgang, Annerkennung, Fordern und Fordern der Mitarbeiter im richtigen Ausmaß sowie physische Gesundheit durch verschiedene Angebote wie Kurse bezüglich Nichtrauchen, Ernahrung und Bewegung zu fördern.“

Wenig Weiterbildungsangebote

Auf der Kehrseite der Medaille gibt es bei knapp der Hälfte aller befragten Führungskräfte nach wie vor Unklarheiten über die Zuständigkeiten. Der Hernstein-Report stellt hier eine deutliche Ambivalenz zwischen „Gesundheit ist Privatsache“ und Unternehmensverantwortung für gesunde Mitarbeiter fest. Rund zehn Prozent aller Befragten sehen überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Führung und Gesundheit bzw. stellen einen möglichen Einfluss von Führungsarbeit auf die Gesundheit sogar in Abrede: „Ich finde nicht, dass sich ein Unternehmen in die Gesundheit, Lebensstil oder Wohlbefinden seiner Mitarbeiter einmischen sollte. Deswegen glaube ich, dass die einzige richtige Einflussmöglichkeit die ist, sich nicht einzumischen“, sagt ein Studienteilnehmer.

Je mehr Weiterbildungsangebote zum Thema Gesundes Führen es gibt, desto höher werden auch Wichtigkeit und die Einschätzung der eigenen Beeinflussungsmöglichkeiten eingeschätzt. Dennoch gibt es in rund der Hälfte aller Firmen keine Weiterbildungsangebote zum Thema Gesundes Führen. Doch auch wo es Angebote gibt, werden diese nur von etwa einem Drittel der Befragten genutzt, kritisiert Ayberk: „Entwicklungsmaßnahmen werden erst dann wirksam, wenn die organisationalen Rahmenbedingungen passen und dadurch der Transfer in die Praxis gelingt. Das Thema Gesunde Führung muss auf mehreren Ebenen ansetzen. Weiterbildung ist ein Aspekt von vielen.“

 

„The speed of the leader is the speed of the gang.“

 

Hohe Wirksamkeit trauen die Chefs hingegen ihrer eigenen Vorbildwirkung zu – zurecht, sagt Eva-Maria Aberk: „Führungskräfte prägen durch ihre eigenen Werte und Verhalten entscheidend das Arbeitsumfeld von Mitarbeitern. Demzufolge sind auch die Einstellungen von Führungskräften rund um das Thema Gesunde Führung entscheidend für eine Umsetzung in der eigenen Führungsarbeit.“ Vielen Führungskräften ist das Vorleben eines guten Beispiels sehr wichtig: „Ich gehe nicht krank arbeiten. Ich schicke MitarbeiterInnen nach Hause, wenn sie krank in die Arbeit kommen. Ich achte auf die Einhaltung der Arbeits-Höchstzeiten. Übertriebener Arbeitseinsatz am Abend oder Wochenende wird von mir eingebremst“, so eine Führungskraft. Die „Fürsorge für sich selbst“ überträgt sich in weiterer Folge auch auf die Mitarbeiter, sind die Chefs überzeugt: „The speed of the leader is the speed of the gang.“

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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