Bergwanderung
#Trends im Recruiting | Andrea Heider

Gerüstet für die Arbeitswelt 4.0.?

Rauf auf den Berg!

Sind Sie gerüstet für die Arbeitswelt 4.0.? – Jemand, der eine Bergwanderung macht, überlegt im Vorfeld, was er alles braucht. Er packt einen Rucksack mit allen notwendigen Utensilien. Dafür muss er strategisch planen und sich über die Zukunft Gedanken machen. „Einen Rucksack packen, mit dem richtigen Werkzeug, das empfehle ich Arbeitgebern sowie Arbeitnehmern, um für die Zukunft gerüstet zu sein“, meint Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen bei der Tagung Arbeitswelt 4.0.

Die Arbeitswelt befindet sich im ständigen Wandel durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologien. Der sogenannte digitale Wandel, der im Arbeitskontext auch mit Arbeitswelt 4.0. umschrieben wird, birgt Chancen und Risiken für Wirtschaft, Industrie und vor allem Arbeitnehmer. Experten zur Folge wird der digitale Wandel bis zum Jahr 2025 abgeschlossen sein. Das heißt: wir sind mitten drin. Doch was bedeutet das für das gegenwärtige Arbeiten? Wie rüsten wir uns für die Bergwanderung?

Megatrends und soziale Innovationen

Demografische, technisch-ökonomische sowie gesellschaftliche Entwicklungen sind Jutta Rump zur Folge, die 3 Megatrends mit denen sich Arbeitswelt, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen auseinandersetzen müssen. Einerseits veraltet unsere Gesellschaft zunehmend, das heißt es wird zu einer Verknappung der Nachwuchskräfte kommen. Andererseits führen Digitalisierung und Industrie 4.0 zu einer Beschleunigung und gleichzeitiger Komplexität von Arbeitsabläufen. Gleichzeitig ist ein generationenbedingter Wertewandel spürbar und Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität und Feminisierung werden immer schlagender.

Technische Innovationen bedürfen immer soziale Innovationen. Arbeitgeber und Personalverantwortliche müssen sich diesbezüglich über folgendes Gedanken machen: Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, die Fragestellung der ständigen Erreichbarkeit und Verfügbarkeit oder etwa auch wie Führung in einer digitalisierten Welt oder Führung auf Distanz aussieht. „Die Work-Life-Balance als Lebensentwurf ist eine Konsequenz der wirtschaftlichen Entwicklung, dass die Taktung zwischen Arbeit und Freizeit immer geringer wird“, erklärt Rump. „Die wichtige Frage dabei ist: wo habe ich die Möglichkeit zu Entschleunigung“.

Rucksack packen für die Zukunft

Soziale Innovationen hinsichtlich Geschwindigkeit von Arbeitsprozessen, Verdichtung der Arbeit und zunehmende Vernetzung müssen also gefunden werden. Doch was empfiehlt die Expertin? Welche Ausrüstung sollten Unternehmen jeden Falles in ihren Rucksack packen, um zukunftsfähig zu bleiben? Rump spricht vom magischen Dreieck, das sich zusammensetzt aus individueller, betrieblicher und volkswirtschaftlicher Zukunftsfähigkeit.

Auf individueller Ebene müssen die Identifikation mit Arbeit an sich, dem Team und dem Arbeitgeber gegeben sein, damit ein Mitarbeiter motiviert ist. „Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Arbeitgeber müssen ihre Mitarbeiter vermehrt nach ihren Talenten einsetzen, damit die Motivation langfristig gegeben ist. Derzeit passiert das viel zu wenig“, meint Rump.

In betrieblicher Hinsicht müssen sich Unternehmen über Flexicurity Gedanken machen – eine Mischung aus Flexibility und Security. „Von Mitarbeitern wird Beweglichkeit gefordert, aber gleichzeitig brauchen wir auch Stabilität“, erklärt Rump. „Die Arbeitswelt muss verlässlich sein, in einer Welt, die sich rasend schnell verändert“. Die Frage ist, was machen Arbeitgeber hinsichtlich Flexicurity? Diesbezüglich ist Rump überzeugt, dass Personalplanung strategischer werden muss: „Personalbestand und Personalbedarf müssen miteinander gematcht werden. Ich darf nicht blindfliegen in einer Welt, die ständig im Wandel ist. Ich muss planen“.

Volkswirtschaftlich gesehen wird vor allem der demografische Wandel eine Herausforderung werden. „Ein Automobilhersteller sagte zu mir, dass er für seine Produktion einen massiven Mangel an Fachkräften erwartet“, erzählt Rump „denn 50% der Facharbeiter werden in den nächsten Jahren altersbedingt den Betrieb verlassen“. Die Produktion muss so umgebaut werden, dass es keinen Verlust gibt. „Genau das ist der Zeitpunkt, an dem wir über die Implementierung der Digitalisierung nachdenken müssen“. Rump nennt dieses Phänomen die „demografische Chance“.

Sind Sie gerüstet?

Mit der richtigen Ausrüstung können wir entspannt jeden Berg besteigen, auch wenn die Herausforderungen groß sind und wir den Weg nicht genau kennen. Wenn Unternehmen und Personalverantwortliche den Aufsprung auf den Veränderungszug rechtzeitig schaffen, dann wird der Wandel zur Chance. Und, welche Ausrüstung haben Sie in Ihren Bergrucksack gepackt? Sind Sie für die Zukunft gerüstet?

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Tagung: Inklusive Arbeit 4.0.
Anstöße für die gerechte Teilhabe aller am digitalen Wandel



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.