Generationen im Betrieb
#Work & Life | Barbara Oberrauter

Generationen im Betrieb

Alle unter einem Dach

Ihre Kollegin? Generation X. Ihr Chef? Altgedientes Mitglied der Babyboomer. Der neue Kollege? Generation Y. Und der Lehrling? Könnte der nagelneuen iGeneration zugerechnet werden. Immer unterschiedlichere Generationen arbeiten mittlerweile in Unternehmen unter einem Dach. Um die Zusammenarbeit der Generationen im Betrieb zu erleichtern und den Wissensfluss zu ermöglichen, ist eine Herausforderung für jede Firma, die sich der Zukunft – und dem Generationenwandel – stellen will.

Generationenmanagement ist für uns erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung“, erklärt Ralf Overbeck, Initiator und Gründer des Wissensportals generationenmanagement.info.
Oft werde das Potential spezieller Generationen überhaupt nicht ausgeschöpft: „Es ist erstaunlich, dass insbesondere die ‚Generation Y‘ wegen ihrer hohen technologischen Kompetenz häufig nicht als menschliche Individuen wahrgenommen werden. Aber jeder Mensch, ob jung oder alt, hat von Geburt an zahlreiche Bedürfnisse und Talente, die sich verändern und entwickeln.“

Um diese für das eigene Unternehmen fruchtbar zu machen, empfiehlt der Generationen- und Wissensexperte einen praktischen Zugang zum Thema. „Im klassischen Seminar kann ein nachhaltiger Know-how-Transfer zwischen den verschiedenen Generationen nicht entwickelt werden. Sinnvoller ist das gemeinsame Erleben der unterschiedlichen Stärken der jeweiligen Generation im operativen Geschäft, also wenn man gemeinsam die sprichwörtliche Kuh vom Eis holt. Solche Erfahrungen prägen ältere und jüngere Mitarbeiter.“

Das Zusammenspiel der Generationen im Betrieb will geplant sein

Die verstärkte Zusammenarbeit der Generationen sollte gut geplant sein. „Wenn niemand die Mehrgenerationen-Teams begleitet und entwickelt, besteht die Gefahr, dass Alt und Jung munter aneinander vorbei arbeiten. Einen Alten und einen Jungen kann man nicht einfach in einen Raum sperren und sich selbst überlassen. Man muss beiden Mitarbeitern bewusst machen, was die jeweils andere Generation besser kann“, rät Overbeck.

Das Sensibilisieren aller Mitarbeiter für die Dringlichkeit des Themas Generationenmanagement ist unumgänglich für die Akzeptanz folgender Maßnahmen. Um die Zusammenarbeit zwischen den Altersgruppen über alle Hierarchieebenen hinweg zu fördern, empfiehlt Overbeck den Aufbau eines internen Generationen-Netzwerks sowie das Zusammenarbeiten mit den Bereichen Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

Altersgemischte Teams lernen voneinander

Auf Mitarbeiterebene stiften so genannte altersgemischte Teams, in denen ältere und jüngere Mitarbeiter betriebsintern zusammenarbeiten, Gemeinsamkeiten. Über das kooperative Lösen einer bestimmten Aufgabe soll gemeinsames Lernen und Wissensaustausch ermöglicht werden. Mit Erfolg: Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zeigt auf, dass altersgemischte Teams sowohl die Leistungsfähigkeit älterer als auch jüngerer Mitarbeiter steigert.

Gelingt die Vernetzung, profitieren alle Beteiligten. „Viele Firmen versprechen sich vom Generationenmanagement einen Know-how-Transfer von Alt nach Jung. Dabei übersehen sie die Chance, dass Wissenstransfer keine Einbahnstraße ist, sondern auch von Jung zu Alt transferiert werden sollte. Wir brauchen die Schnelligkeit und IT-Begeisterung der Jungen genauso wie die Analyse- und Umsetzungsfähigkeiten der Älteren, Männer und Frauen“, erzählt Overbeck.

Konfliktherd: Jung führt Alt

Gelungenes Generationenmanagement setzt auch eine Ebene höher an. Ein großer Konfliktherd in der Zusammenarbeit der Generationen betrifft Führungskräfte Eine Studie der Unternehmensberatung Capgemini zeigt, dass sich fast die Hälfte der Konflikte auf die Konstellation junger Vorgesetzter – älterer Mitarbeiter zurückführen lassen. Dadurch geht wertvolles Wissen verloren und entsteht im Extremfall sogar ernsthafter wirtschaftlicher Schaden für das Unternehmen.

Um zu verhindern, dass sich ältere Mitarbeiter gegen den Jungen, der ihnen quasi „vor die Nase“ gesetzt wird, sperren, empfielt Overbeck gegenseitigen Respekt und Wertschätzung. „Wenn die Chemie nicht stimmt, klappt es nicht – und Chemie lässt sich nicht in einem Weiterbildungsseminar lernen.“ Junge Chefs sollten von Anfang an das umfangreiche Wissen und die Erfahrung der älteren Mitarbeiter nutzen, um gemeinsam effektiver und effizienter erfolgreich zu sein. „Oberstes Ziel der Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt muss eine Win-Win-Lösung sein“, betont Overbeck.

Diese kann nämlich gerade im Wettbewerb um die besten Köpfe ein Vorteil sein: „Viele Unternehmen schrecken vor dem Thema Generationenmanagement zurück, weil es ihnen schlicht Angst macht. In Zeiten von Fachkräftemangel und drohender Überalterung ist aber der Handlungsdruck so groß, dass viele Firmen kaum mehr drum herum kommen, das Thema anzugehen.“

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist freie Journalistin und Autorin in Wien und gehört seit dem Start zum Redaktionsteam von JOBnews.at. Sie war unter anderem für die Austria Presse Agentur und den ORF tätig und widmet sich seit einigen Jahren hauptsächlich den Themen Karriere, HR und neue Medien. Als Kommunikationswissenschafterin und "digital native" interessieren sie dabei vor allem neue Trends im Berufsleben - und wie Unternehmen mit einer Arbeitswelt umgehen, die sich ständig wandelt.






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