Generation Y
#Arbeitsmarkt & Studien | Team JOBnews

Sinn statt Selbstzweck? Die Arbeitsideale der Generation Y

Freiheitsliebend und risikoscheu? Die Generation Y – zwischen 1980 und 2000 geboren – wird mit den verschiedensten Fremdzuschreibungen betitelt. Auch in der Arbeitswelt werden die Millenials viel diskutiert, da sie nicht nur alternative Lebensentwürfe, sondern auch unkonventionelle Arbeitsmodelle mit sich bringen.

 

Generation „Wiederaufbau“ trifft Generation „Why“

In ihrem Buch „Die Weltveränderer. Generation Y zwischen Erfolg und Ethik“ geht die Betriebswissenschaftlerin und Autorin, Katharina de Biasi, in den generationenübergreifenden Dialog. Um den wahren Fragen, Hürden, Zweifeln und Stärken ihrer eigenen Generation – den Millenials – auf die Spur zu kommen, sinniert sie mit Heinz Dürr (Unternehmer der alten Schule, ehem. Vorstand AEG und DB) und Daniel Krauss (Start-up-Ypsiloner, FlixBus-Mitbegründer) über Arbeitsmoral, gutes Unternehmertum und gesellschaftlichen Mehrwert. Während Dürr seine Vorgänger und sich mit dem Jahrgang 1933 zur „Generation Wiederaufbau“ zählt, zieht er eine klare Abtrennung der Gegebenheiten zur jungen, globalisierten Generation: „Die heutige Generation hat es da insofern schwerer, weil eben solche klaren Zielsetzungen wie damals nicht mehr vorhanden sind. Deshalb baut ihr zwar hier und da etwas Neues auf und wollt Veränderung, aber die ist nicht existenziell.“

 

Die „Kultur des Scheiterns“ produktiv nutzen

Die Generation Y muss sich mit vielen Zuschreibungen auseinandersetzen. Einerseits werden sie als freiheitsliebende Individualisten beschrieben, andererseits als risikoscheue Selbstzweifler homogenisiert. Künstlich erzwungene Pauschalisierungen wie diese bringen zunächst niemanden weiter, da sind sich Dürr und Krauss einig. Da Krauss die Betitelung eines der „chronischen (Selbst-)Zweifler“ für seine eigene Generation unangemessen empfindet, beschreibt er sie vielmehr als „entscheidungsunfreudig“. Denn nicht zu Unrecht sehe sich die Generation Y mit einer vollkommenen Reizüberflutung, der „Angst etwas zu verpassen“ und berufsspezifischen Unsicherheiten konfrontiert.

Bei der Diskussion um eine geforderte Unsicherheit-nehmende „Kultur des Scheiterns“ in der Arbeitswelt sollte es aber keineswegs darum gehen Fehler zu glorifizieren. Ebenso wenig sollte unternehmerisches Scheitern jedoch auch stigmatisiert werden, so die Autorin: „Konkret geht es darum, die produktiven Kräfte des Scheiterns zu nutzen, das heißt Fehler frühzeitig zu erkennen und aus ihnen zu lernen.“ Da die Millenials im Jahre 2025 etwa 75% der Arbeitnehmerschaft ausmachen werden, sollte zwischen Job-Hopping, ständiger Erreichbarkeit und der Suche nach dem Warum also auch noch Zeit zum Scheitern bleiben.

 

Über gutes Unternehmertum und seine Werte

 Der ehrliche und konstruktive Umgang mit Fehlern bildete jedoch nur einen Bruchteil der Werte, die zwischen Dürr und Krauss diskutiert wurden. Oft herrschte Einigkeit zwischen den beiden Generationen. Kalkulierbare Risiken, Offenheit und Optimismus sowie Demut, Bescheidenheit und Leidenschaft brauche es im verantwortungsbewussten Unternehmertum. Auch die Beziehungen zu Mitarbeitern, die eigene Selbstverwirklichung und der Umgang mit Macht wurden hinterfragt. So hielt der repräsentative Ypsiloner Krauss noch einen weiteren Wert zwischen Erfolg und Ethik fest: Authentizität halte ich für eines der wichtigsten Merkmale eines jeden guten Unternehmers. Für mich hat Macht tatsächlich rein gar nichts mit Unternehmertum zu tun – schon gar nicht mit gutem. Für mich generieren sich wirkliche Macht und Einfluss paradoxerweise daraus, dass man bereit ist, Schwäche zu zeigen.“

 

Authentizität + unbedingter Wille = Mehrwert

 So weiß auch der erfahrene Unternehmer Dürr, dass es bei Führungskompetenzen um weit mehr geht als eine gute Ausbildung oder das Delegieren von Mitarbeitern: „Wenn ich Sozialkompetenz habe, ist das die erste und beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Unternehmer.“ Eine gewisse Fürsorgepflicht geht in dem Sinne über die Eigenverantwortung hinaus, da durch konstruktives Feedback und Wertschätzung auch Empathie für andere wichtig ist. Diese „anderen“ können dabei die Mitarbeiter, Kunden sowie die gendergerechte Gesellschaft oder Umwelt sein, auf die das Unternehmen nachhaltig wirken kann. Erst die angemessene Kombination aus Authentizität und unbedingtem Wille bringe allen Beteiligten einen Mehrwert, betont Krauss: „Nur wenn ich überzeugend darstellen kann, dass ich für mein Unternehmen brenne und als Unternehmer einen Mehrwert schaffe, kann ich auch andere davon begeistern.“ Und diese Einsicht fange bereits beim Employer Branding und dem Cultural Fit-Abgleich im Job Matching an, damit sinnstiftende Projekte als Teamarbeit funktionieren und Unternehmen nicht zum Selbstzweck geraten oder Mitarbeitern Werte aufoktroyieren wollen.

 

„Why“: Jenseits der Work-Life-Balance zu sich selbst finden?

„Damit aus guten Haltungen auch gute Handlungen werden, braucht es vor allem Standvermögen. Für mich geht es in erster Linie darum, Respekt für den anderen zu haben und Verantwortung für die eigene Tätigkeit im Unternehmen zu übernehmen. (…) Wer nur auf die Zahlen blickt, hat Unternehmertum nicht verstanden“, erklärt Dürr. Sinn statt Selbstzweck – vielleicht nicht nur eine Eingebung der Gen Y? Denn auch Dürr weiß schon lange, dass Überzeugung, Leidenschaft und Mehrwert für jede erfolgreiche Unternehmenskultur essentiell sind. Während Dürr und Krauss die intrinsische Motivation für eine Arbeit mit Sinn aus Neugier und Erfüllung vollends befürworten, tun sie sich dennoch beide mit dem Work-Life Balance-Konzept eher schwer. Es gebe keine mathematische Formel für ein ausgewogenes Verhältnis, durch die die Arbeit zur maximal sinnstiftenden Erfüllung im individuellen Leben werde. Pauschal wichtig für alle sei vielmehr, dass es langfristig nicht zum Work-Life-Blending komme, so dass jeder im Urlaub oder bei den Hobbies noch bewusst abschalten könne.

Katharina de Baisi umreißt mit ihrem dialogischen Aufbau zwischen den Generationen die Werteverschiebung weg von dem Bild eines Selbstzweck-motivierten Berufs hin zu einer sinnstiftenden Berufung der Generation Y. Als überraschendes Element gelingt es ihr zu zeigen, dass sich nicht unbedingt die grundlegenden Werte zwischen den Generationen verschoben haben, sondern oftmals lediglich die Auslebung derselben Werte. Nichtsdestotrotz pauschalisiert die Autorin die Generation Y, um sie gezwungenermaßen zu charakterisieren und resümiert abschließend – zu Recht – dass Pauschalisierungen einer gesamten Generation fehlgeleitet seien: Wichtig ist zu wissen, wer wir sind, und dazu muss jeder sein eigenes Y finden und seinen eigenen Weg beschreiten, der den eigenen Werten, Idealen und Vorstellungen entspricht. Aber das eine >>Y<< gibt es eben genauso wenig wie die eine Generation Y. Entscheidend ist, dass wir uns selbst treu bleiben – aufrichtig, authentisch.“

 

Die Weltveränderer Katharina de Biasi

Die Weltveränderer – Generation Y zwischen Erfolg und Ethik von Katharina de Biasi
22,00 Euro | ISBN: 978-3784434438

Heinz Dürr, erfolgreicher Unternehmer der Generation Wiederaufbau, und Flixbus-Gründer Daniel Krauss, erfolgreicher Unternehmer der New Economy, in einem engagierten Streitgespräch mit Katharina de Biasi: Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um Facebook oder auch der Dieselaffaire beschäftigen sich viele Menschen mit grundsätzlichen unternehmerischen Fragen. Wie wichtig sind jungen Unternehmern Moral und Ethik als Maximen unternehmerischen Handelns? Wie funktioniert unsere globale Wirtschaft in der Zukunft? Welche Eigenschaften brauchen Firmengründer heute und was kann die Generation Y von den ?alten Hasen? lernen? Ein hochspannender Beitrag zu den Perspektiven jungen Unternehmertums in der Welt von morgen.

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Bildnachweis: hobo_018/Quelle: www.istockphoto.com



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