Generation im Aufbruch: einer neuen Jugendstudie zurfolge gibt es vier unterschiedliche Karrieretypen.
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Generation im Aufbruch

Jugendstudie

„Die junge Generation ist anspruchsvoll, will mitgestalten und neue Horizonte erschließen“ beschreibt der Studienleiter Professor Dr. Mathias Albert von der Universität Bielefeld die Ergebnisse der aktuellen Shell Jugendstudie 2015. Er spricht von einer „Generation im Aufbruch“. Insgesamt wurden 2558 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren in Deutschland befragt.

Einerseits hat sich die Sicht der Jugendlichen auf die Gesellschaft und eigene Lebensführung vertieft. So werden die Punkte Respekt, Anerkennung und Bewusstheit bei den 12 bis 25 Jährigen groß geschrieben. Andererseits lassen sich auch Trends hinsichtlich Erwartungen an Arbeitswelt und Erwerbstätigkeit erkennen. Die Einstellungen und Erwartungen der Jugendlichen an ihren zukünftigen Arbeitsplatz bildeten einen Schwerpunkt der Studie.

95% wünschen Sicherheit

Sicherheit – dieses Gefühl dominiert bei den Erwartungen an die Berufstätigkeit bei erstaunlichen 95% der Jugendlichen. Auch eine selbstbestimmte, sinnvolle und gesellschaftlich nützliche Tätigkeit, die es ermöglicht Arbeit, Freizeit und Familie unter einen Hut zu bringen, wird erwünscht. Darüber hinaus haben die Studienautoren die Arbeitswelt und das Berufsleben nach fünf unterschiedlichen Aspekten unterteilt und diese bei den Jugendlichen abgefragt, nämlich Nutzenorientierung, Erfüllung, Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, Planbarkeit der Berufstätigkeit sowie Karriereorientierung.

Bei der Nutzenorientierung stehen ein hohes Einkommen sowie gute Aufstiegsmöglichkeiten im Vordergrund. Beim Thema Erfüllung werden die Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns im Erwerbsleben sowie die Möglichkeit sich um andere zu kümmern als besonders zentral eingestuft – vor allem von jungen Frauen. Am wenigsten Bedeutung für die befragten Jugendlichen hat das Thema Karriereorientierung. Weniger als die Hälfte, nämlich 47% der Jugendlichen betrachten beispielsweise Überstunden als notwendig, um Karriere zu machen. Am häufigsten kommen noch junge Männer mit der Idee, dass Überstunden zur Karriere dazugehören, klar. Sie wären auch am ehesten bereit am Wochenende zu arbeiten. Ganze 91 % der Befragten sind jedoch der Meinung, dass Familie und Kinder neben dem Beruf nicht zu kurz kommen dürfen. Die Jugendlichen möchten ihre Berufstätigkeit lieber genau planen: geregelte Arbeitszeiten mit klar festgelegtem Beginn und Ende werden Überstunden vorgezogen.

Karrieretypen

An Hand der Ergebnisse konnten die Studienautoren vier unterschiedliche Typen jugendlicher Berufsorientierung entwickeln. Diese vier Grundtypen benötigen verschiedene Ansätze bezüglich Motivation, Berufsorientierung und Berufseinstieg.

  • Die Durchstarter (37% der Jugendlichen)
    Nutzen und Erfüllung werden von ihnen gleich stark betont. Ihrer Meinung nach, hat sich die Arbeit an das Leben anzupassen. Planbarkeit als auch Karriereorientierung sind hoch ausgeprägt.
  • Die Idealisten (18% der Jugendlichen)
    Der Aspekt der Erfüllung steht bei diesen Jugendlichen im Vordergrund. Beruf soll in erster Linie Sinn stiften. Auch die soziale Komponente ist zentral – für andere und mit anderen gemeinsam etwas schaffen. Nutzen und Planbarkeit haben hingegen weniger Sinn. Auch Karriereorientierung ist eher unterdurchschnittlich ausgeprägt.
  • Die Bodenständigen (27% Jugendlichen)
    Der Nutzen steht im Vordergrund des Berufslebens. Karriere ist ihnen wichtig, sie sollte gut planbar sein. Der Beruf sollte sich bis zu einem gewissen Grad ans Leben anpassen. Der Wunsch nach Erfüllung ist ihnen weniger wichtig.
  • Die Distanzierten (18% Jugendlichen)
    Sie fühlen sich von den genannten Aspekten des Berufslebens nicht angesprochen. Sie haben moderate Erwartungen an Nutzen und Erfüllung, Planbarkeit und Anpassung des Berufes an das Leben.

Kinder und Familie

Den Ergebnissen zur Folge sind die Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 24 eine recht zuversichtliche Generation.  Die Jugendlichen sind nicht besonders karriereorientiert, Familie ist ihnen wichtiger. Auch die Angst keinen Ausbildungsplatz zu finden ist auf 48% gesunken und 61% der Befragten sehen ihrer und der gesellschaftlichen Zukunft mit Optimismus entgegen.

Besonders wichtig ist das Thema „Kinder und Familie“. Ganze 55% priorisieren dieses. Obwohl der Wunsch nach eigenen Kindern rückläufig ist, wünschen sich doch 63% der Befragten eine eigene Familie. Die neue Generation ist also äußerst familienorientiert. Karriere sollte für die meisten Jugendlichen planbar sein. Der Wunsch, dass sich der Beruf an das Leben anpasst ist recht stark ausgeprägt.

Quelle: Shell Jugendstudie
Bildnachweis: www.istockphotos.com



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.