Gender Pay Gap
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Gender Pay Gap

Frauen arbeiten bis 19. März gratis

Gender Pay Gap – Alle Jahre wieder grüßt der allseits unbeliebte Gender Pay Gap, der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen. Die Initiative Equal Pay Day macht sogar darauf aufmerksam, dass Frauen dieses Jahr bis zum 19. März kostenlos arbeiten. Eine aktuelle EU-Statistik zu den Einkommensunterschieden zwischen Männern und Frauen zeigt sogar, dass Österreich auf dem vorletzten Platz rangiert. Wie hoch ist er nun, der Gender Gap?

Grundsätzlich wird für die Berechnung der Bruttostundenlohn herangezogen. Das durchschnittliche, unbereinigte Lohngefälle in der EU liegt bei 16,2 Prozent. Das bereinigte Lohngefällt liegt bei etwa 7 Prozent. Der Lohnunterschied ist allerdings kein Indikator für Gleichstellung von Männern und Frauen insgesamt und muss auch im Zusammenhang mit anderen Arbeitsmarktindikatoren betrachtet werden. Etwa in stark segmentierten Arbeitsmärkten mit hoher Konzentration weiblicher Beschäftigter in bestimmten Industriezweigen oder Berufen (Tschechische Republik, Estland, Finnland) oder vielen Frauen in Teilzeitpositionen (Österreich, Deutschland) kommt es zu größeren Lohnunterschieden, als etwa in Ländern mit tendenziell niedrigem Frauenanteil an der erwerbstätigen Bevölkerung (Italien).

Frauen arbeiten bis 19. März gratis

Soweit so schlecht. Doch die Wirtschaft freut sich, denn weibliche Arbeitnehmerinnen stellen ihre Arbeitskraft bis 19. März 2016 gratis zur Verfügung, soweit die Berechnungen der Initiative Equal Pay Day. Einer aktuellen Glassdoor-Studie bei der mehr als 8.000 Arbeitnehmer befragt wurden, zufolge sind jedoch 7 von 10 Arbeitnehmern überzeugt, dass Frauen in ihrem Unternehmen für die gleiche Arbeit genauso viel vergütet bekommen wie Männer. Soll heißen: ganze 73% der deutschen Arbeitnehmer glauben also nicht an die Gehaltskluft. Doch weit gefehlt.

Gemäß einer Einschätzung des Weltwirtschaftsforums wird die Einkommenskluft nämlich erst im Jahr 2095 überwunden sein – also in 79 Jahren. Welche Ansätze können nun dabei helfen so rasch wie möglich für Fairness in der Geldbörse zu sorgen? In erster Linie sind die Regierungen gefragt, diese können gesetzliche Rahmenbedingungen für mehr Lohngerechtigkeit schaffen. Aber auch Unternehmen und die Wirtschaft an sich müssen ihre Verantwortung wahrnehmen, indem sie beispielsweise die Firmenpolitik neugestalten und für mehr Transparenz beim Thema Gehalt sorgen. Die AK Wien fordert außerdem eine verpflichtende Dokumentation auf betrieblicher Seite von Fortschritten und Maßnahmen zum Abbau der Einkommensscher sowie eine Geschlechterquote von 40% in Aufsichtsräten.

Gender Pay Gap schreckt Bewerber ab

Der Studie von Glassdoor zufolge wirkt sich ein krasser Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen auch auf das Verhalten von Bewerbern aus. Denn Arbeitnehmer sind sich einig: Frauen und Männer sollen für die gleiche Arbeit bei gleicher Qualifikation auch das gleiche Gehalt bekommen. Viele möchten nicht in einer Firma arbeiten, die diesen Wunsch nicht respektiert. Denn ungleicher Lohn sorgt für Unzufriedenheit am Arbeitsplatz. Daher haben Unternehmen mit einer fairen und transparenten Gehaltspolitik einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.

Tatsächlich kann sich unfaire Bezahlung darauf auswirken, ob Jobsuchende eine Bewerbung abschicken oder nicht. So gaben 3 von 5 deutschen Arbeitgebern an, dass sie sich nicht bei einem Unternehmen bewerben würden, bei dem sie einen Gender Gap vermuten. 69 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer würden in so einem Fall lieber auf eine Bewerbung verzichten. Unternehmen, die also nicht darauf achten, ihren Arbeitskräften, unabhängig von Geschlecht, eine faire Bezahlung zu bieten, gehen viele qualifizierte Bewerberinnen durch die Lappen.
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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.