gender gap
#Arbeitsmarkt & Studien | Team JOBnews

Eine Welt ohne Gender Gap

Bald Zukunft oder Illusion?

Über berufliche Geschlechterunterschiede auf nationaler Ebene, das Nachhaltigkeitsziel der Geschlechtergleichstellung auf internationaler Ebene (SDG5) und den aktuellen Einschätzungen von Führungskräften zum Ideal der zukünftigen Gender Equality.

 

Die österreichische Geschlechterkluft

In den österreichischen Medien kursiert insbesondere ein Begriff in Fragen der gleichberechtigten Arbeitswelt: Gender Pay Gap. Bereits Mitte Oktober war der österreichische Equal Pay Day bereits erreicht. Das heißt: Ab dem 16.10. bis Jahresende arbeiten ganzjährig vollzeitbeschäftigte Frauen in Österreich „gratis“. Anders gesagt: Männer hatten an dem Tag bereits das Einkommen erreicht, für das Frauen im nationalen Durchschnitt noch 73 Tage arbeiten müssen. Heurige Studienergebnisse der Universität Wien malen ein ähnliches Bild: auch wenn immer mehr Frauen in den letzten Jahren einer beruflichen Verwirklichung nachgehen, habe sich der Gender Pay Gap in den letzten 20 Jahren nicht wirklich verändert. Weibliche Unterrepräsentanz in den gut bezahlten Mint-Fächern, Karenzierungen und Teilzeit-Beschäftigung können jedoch nicht alle Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen in Österreich – oder anderen Ländern der Welt – erklären.

 

Gender Equality: Ein globales Nachhaltigkeitsziel

Im Rahmen der Post-2015-Agenda haben es sich alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen – so auch Österreich – zur Aufgabe gemacht, 17 universelle Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) auf dem Weg zu einer sozial, ökologisch und ökonomisch gerechten Welt zu verinnerlichen. Eines dieser Nachhaltigkeitsziele (SDG5) beinhaltet die Geschlechtergleichstellung. Dabei geht es einerseits um den internationalen Kampf gegen jegliche Gewaltform und Diskriminierung gegenüber Frauen und Mädchen. Andererseits geht es aber auch um ein Umdenken der geschlechterspezifischen Wertschätzung von Arbeit. Zu häufig werden – meist von Frauen verantwortete – unbezahlte Pflege- und Hausarbeit auf globaler Ebene nicht als harte Arbeit anerkannt. Neben der fehlenden Wertschätzung der reproduktiven Arbeit im Sinne einer geteilten Verantwortung der Geschlechter macht SDG5 aber auch auf die notwendige Chancengleichheit von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt aufmerksam, was auch die Übernahme von Führungsrollen inkludiert.

 

Diskussionswürdig: Eine Berufswelt ohne Gender Gap?

Um einen Dialog mit BerufseinsteigerInnen und Führungskräften ging es auch beim Jobtalk: Gender Gap. Die vier eingeladenen weiblichen Führungskräfte aus Wirtschafts-, Rechts-, Finanz- und Digitalbranche repräsentierten an dem Abend die Vision, sich als Frau auf der oberen Karriereleiter für eine geschlechtergerechte Unternehmensführung einzusetzen. Im Konsens der Veranstaltung stand die Einsicht, dass das Gender Gap in der Berufswelt weit mehr bedeutet als die Gehaltskluft zwischen Mann und Frau.

Francine Brogyányi in ihrer Teilzeit-Führungsrolle bei DORDA machte deutlich: „Auch wenn nur Männer am Tisch sitzen, werde ich gehört.“ Aber der Weg zu diesem Tisch ist in vielen Branchen eine Sache der Verhandlung und Selbstpräsentation. Die Gender-Spannung am Arbeitsmarkt wurde beim Jobtalk demnach nicht nur im Sinne einer strukturellen Diskriminierung diskutiert, sondern auch im Spannungsverhältnis des „typisch“ männlich bzw. weiblichen Geltungsdrangs. Die weiblich konnotierte Mentalität lässt Frauen in Gehaltsverhandlungen zurückhaltender dastehen. Nach der Karenz akzeptieren Frauen die schlechter honorierte Teilzeit-Spirale manchmal zu schnell. Und Männer würden viel öfter in die Karenz gehen, wenn es ihnen angeboten würde und die reproduktive Arbeit als Mann gesellschaftlich anerkannter wäre. Um den Diskurs global zu verorten, betonte auch Sylvia Dellantonio, Geschäftsführerin von willhaben, dass Österreich in Sachen Väterkarenzen und weiblichen Führungspositionen „im internationalen Vergleich definitiv nicht vorne dabei ist.“

 

Zukunftsmusik: Geschlechtergerechtes Netzwerken gegen Gender Inequality

Facetten der eher weiblich geprägten Mentalität – berufliche Zurückhaltung, Einsatz für MitarbeiterInnen und ein harmonisches Arbeitsklima – prallen gegen die über Jahrzehnte etablierte Führungserfahrung erfolgreicher Geschäftsmänner. Im Jobtalk wurde diese allmähliche Transformation der Arbeitswelt über den ganzen Abend immer wieder auf eine Thematik zurückgeführt: Dem Gender-spezifischen Networking. Potenziale von Frauen bleiben oft unentdeckt, da neue Führungspersönlichkeiten und Vorstandsmitglieder zu oft über „Altherren-Netzwerke“ vergeben werden. Manchmal bleiben berufliche Netzwerke komplett unzugänglich für Frauen, berichten die Diskutantinnen. Anfangs wurde Maria Schlagnitweit, Partnerin bei LeitnerLeitner, für ihre Initiative eines Frauennetzes kritisch beäugt. Durch ihr Netzwerk fordert sie einen Rahmen, in dem alle Teilnehmerinnen als Geschäftsfrauen wahrgenommen werden: „Erst wurde ich belächelt für das Frauennetzwerk und jetzt wollen die Männer auch rein.“

Deutlich wurde an der gesamten Diskussion vor allem eines: Das Gender Gap der Arbeitswelt betrifft weit mehr als die Berufsebene. Geschlechterungleichheiten bilden eine gesamtgesellschaftliche Problematik, gegen die sich Frauen und Männer gleichermaßen stark machen müssen. Um also zukünftig in einer Arbeitswelt ohne Gender Gap leben zu können, braucht es nicht nur auf Führungsebene geschlechtergerechte Initiativen in der Arbeitswelt, sondern auch ein Umdenken der außerberuflichen Lebensgestaltung. So eine gesellschaftliche Transformation passiert aber nicht von heute auf morgen. Daher prognostiziert auch Katharina Muther-Pradler, Bereichsleiterin von FMA, einen Prozess zur Geschlechtergleichstellung, der „sicherlich noch einige Jahre dauern“ wird.

 

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Autorin: Jana Donat

Bildnachweis: Bulat Silvia/Quelle: www.istockphoto.com



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