Gender equality
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

170 Jahre bis zur Gleichstellung

Gender Gap Report 2016

170 Jahre bis zur Gleichstellung – Das Wirtschaftsforum gibt seit 2006 jährlich den Gender Gap Report heraus, der den weltweiten Stand der Gleichstellung von Frau und Mann statistisch darstellt. Untersucht werden in teilnehmenden Ländern die Bereiche wirtschaftliche Chancen, Bildung, Gesundheit und Lebenserwartung als auch politisches Empowerment. Herangezogen wird eine riesige Datenmenge aus 144 Ländern. Was ist eigentlich ein „Gender Gap„? Gender Gap wird gemeinhin als Geschlechterkluft zwischen Frau und Mann bezeichnet, in erster Linie hinsichtlich Wirtschaft, Bildung, Politik und Gesundheit.

Die Ergebnisse kurz zusammengefasst: Am meisten Gleichheit zwischen den Geschlechtern gibt es im Bereich Gesundheit und Lebenserwartung (96%), auch im Bereich Erziehung sieht es schon recht gut aus, was Gleichberechtigung von Frau und Mann betrifft (95%). Im Bereich Wirtschaft nimmt die Gleichberechtigung jedoch wieder ab (59%). Ganz schlecht sieht es jedoch in der Politik aus. Mit nur 23% Gleichberechtigung. Alles in Allem gehen die Studienleiter von einer 68%igen Gleichberechtigung aus. Und weiter noch: geht es im selben Tempo weiter wie bisher, dann dauert die Gleichstellung von Frau und Mann noch 170 Jahre. Der Gender Gap Report attestiert nämlich eine dramatische Rückentwicklung. Der Weg zur Gleichstellung ist also ein langer und wird, den statistischen Berechnungen zur Folge, noch fast 2 Jahrhunderte dauern.

Österreich auf Platz 52

In Österreich ist der Gender Gap größer geworden. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Alpenrepublik um einige Plätze abgerutscht: von Platz 37 auf Platz 52. Das sind ganze 15 Plätze. Im Europäischen Ranking befindet sich Österreich gar an 4. Letzter Stelle, gerade noch vor Zypern, Griechenland und Malte, eindeutig jedoch hinter Deutschland (Platz 13), der Schweiz (Platz 11), Frankreich (Platz 17) und Italien (Platz 50). Im internationalen Ranking befindet sich Österreich zwischen Kasachstan (Platz 51) und Tansania (Platz 53). Kaum zu glauben, aber wahr.

Zumindest im Gesundheitsbereich schneidet Österreich gut ab, es erzielt auf dem Ranking Platz 1 (mit einigen anderen Ländern, wohlgemerkt), hinsichtlich Bildung sieht es mit Platz 86 jedoch weniger rosig aus und auch im Bereich Wirtschaft gibt es bei Platz 84 einiges an Aufholbedarf. Bei der politischen Beteiligung erhält Österreich Platz 41, immerhin vor Angola und hinter Serbien. Global gesehen liegt Österreich also im Mittelfeld, auf europäischer Ebene ist es jedoch ein Schlusslicht.

Die Top Ten

Unter den Top Ten befinden sich vier Skandinavische Länder, als auch, ein wenig überraschend Ruanda. Die Top Drei sind Island, Finnland und Norwegen, gefolgt von Schweden (Platz 4), Ruanda (Platz 5), Irland (Platz 6), Philippinen (Platz 7), Slowenien (Platz 8), Neu Seeland (Platz 9) und Nicaragua (Platz 10). Werfen wir einen Blick auf die drei bestplatzierten Länder, von denen wir noch einiges lernen können.

  1. Platz 1: Island: Platz 1 geht auch dieses Jahr an Island. Laut Gender Gap Report schließt die Insel den Gender Gap zu 87%. So erzielen die Isländer etwa aufgrund eines hohen Anteiles an Frauen in Führungspositionen hohe Werte an politischem Empowerment und wirtschaftlicher Teilnahme. Der Bildungs-Gap ist beinahe gänzlich geschlossen, einzig im Bereich Entlohnung gibt es hier noch Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
  2. Platz 2: Finnland: Finnland schafft es dieses Jahr Norwegen zu überholen. Die Finnen haben bereits 85% des Gender Gaps geschlossen. Überwunden wurde der Unterschied zwischen Frau und Mann bereits gänzlich in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Lebenserwartung. Finnland weist außerdem eine gleiche Anzahl an weiblichen und männlichen Ministern auf. Allerdings ist auch hier der Einkommensunterschied noch nicht gänzlich geschlossen.
  3. Platz 3: Norwegen: Norwegen hat den Unterschiedes zwischen den Geschlechtern zu 84% überwunden. Das Land am Nordpol erzielt die drittbesten Werte in den Bereichen Einkommen, politisches Empowerment und Gesundheit. Auch hinsichtlich Einkommen schneidet das skandinavische Land, wie jedes Jahr, gut ab.

Quelle: The Global Gender Gap Report 2016
Bildnachweis: www.istockphoto.com



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.