Gemeinsam in einem Job?
#HR & Recht | Barbara Oberrauter

Gemeinsam in einem Job?

Ein Blick auf die rechtliche Lage

Job Sharing Modelle werden in Österreich nach wie vor eher selten angeboten. Einige Unternehmen zeigen jedoch bereits seit Jahren, dass Job Sharing auch für Arbeitgeber viele Vorteile bringen kann. Die Initiative zur Umsetzung solcher Modelle geht meist von den Arbeitnehmern aus. Attraktive Arbeitgeber sollten aber überlegen, solche Modelle aktiv anzubieten.

Ja, Job Sharing kann je nach Ausgestaltung höhere Personalkosten und organisatorischen Mehraufwand bedeuten. Langfristig positive Effekte wie Mitarbeiterbindung, Vertretungsmöglichkeiten und höherer Produktivität  machen dies aber wieder wett.

Ob Job Sharing in einem Unternehmen funktioniert, ist primär eine Frage der Unternehmenskultur und der Bereitschaft der Beteiligten zu Kooperation, Abstimmung und Teamwork. Wichtig sind auch die rechtlichen Aspekte. Werden außer Acht gelassen, können Risken und Probleme vor allem für Arbeitgeber die positiven Effekte von Job Sharing verhindern. Das sollte vermieden werden. Die rechtlichen Aspekte von Job Sharing wurden bislang kaum beleuchtet.

Begriff und Arten

Der Begriff Job Sharing findet im österreichischen Arbeitsrecht derzeit keine Erwähnung. Unter Job Sharing wird in der Praxis das Aufteilen eines (Vollzeit)Arbeitsplatzes auf zwei oder mehrere Personen verstanden. Die Teilung des Arbeitsplatzes kann in zeitlicher, inhaltlicher und/oder räumlicher Hinsicht erfolgen. Dabei ist nicht zwingend, dass ein Arbeitsplatz genau in der Mitte geteilt wird. Es ist auch eine Teilung des Vollzeitarbeitsplatzes in anderen Verhältnissen (z.B. 2:1) möglich.

Es gibt viele verschiedene Spielarten von Job Sharing. In der Praxis begegnet man auch oft den Begriffen „Job Splitting“, „Job Pairing“ oder „Top Sharing“. Nachstehende Tabelle soll eine erste Übersicht geben:

  • Job Splitting: Zeitliche Aufteilung eines Vollzeitarbeitsplatzes ohne inhaltliche Überschneidungen oder gemeinsame Verantwortung der Arbeitnehmer
  • Job Sharing im engeren Sinn: Zeitliche Aufteilung eines Vollzeitarbeitsplatzes bei Selbstbestimmung der beteiligten Arbeitnehmer
  • Job Pairing: Zeitliche und funktionale Aufteilung eines Vollzeitarbeitsplatzes bei freiem Einteilungsrecht und gemeinsamer Verantwortlichkeit der Arbeitnehmer
  • Split Level Sharing: Zeitliche Aufteilung eines Vollzeitarbeitsplatzes auf unterschiedlich qualifizierte Arbeitnehmer  bei Zeitsouveränität der Arbeitnehmer
  • Top Sharing: Job Sharing auf Führungskräfteebene

Rechtliche Aspekte

Spezielle gesetzliche Regelungen für Job Sharing gibt es in Österreich nicht. Anders in Deutschland: Dort sieht das „Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge“ eine Sonderbestimmung zur Arbeitsplatzteilung und deren Rahmenbedingungen vor.

In Österreich gelten für Job Sharing Modelle die anwendbaren gesetzlichen, kollektivvertraglichen und individualvertraglichen Regelungen, angepasst an die Besonderheiten der jeweiligen Arbeitsplatz- bzw. Arbeitszeitteilung. Job Sharing Modelle im engeren Sinn sind meist mehrere, aufeinander abgestimmte Teilzeitverträge. Zwischen den einzelnen Job Sharing Partnern gibt es in der Regel keine direkten rechtlichen Verpflichtungen oder Verflechtungen.

Im Bereich des sogenannten Job Pairing sind aber auch Gruppenarbeitsverträge denkbar, wie sie oft im künstlerischen Bereich Verwendung finden – etwa, wenn mehrere Musiker ihre Leistungen als Gruppe zur Verfügung stellen. Beim Gruppenarbeitsvertrag verpflichten sich mehrere Arbeitnehmer einem Arbeitgeber gegenüber zur gemeinsamen Erbringung der Arbeitsleistung. Alle Partner des Job Pairing Teams sind gemeinsam vertraglich zur Erbringung einer Leistung verpflichtet. Aufgrund der gemeinsamen Verantwortung und Pflicht zur Leistungserbringung ist Job Pairing rechtlich komplexer als das klassische Job Sharing.

Tipps für eine Job Sharing Vereinbarung

Durchdachte Job Sharing Vereinbarungen, die die Rahmenbedingungen klar festlegen, aber auch Flexibilität zulassen, können wesentlich zum Erfolg von solchen Modellen beitragen. In der Job Sharing Vereinbarung sollten auch Regeln für den – hoffentlich nicht eintretenden – Fall von Unstimmigkeiten, Ausfällen oder Problemen zwischen den Partnern vorgesehen werden. Zu Beginn herrscht oft große Begeisterung, doch können später oft plötzlich Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen zu Tage treten. In Job Sharing Vereinbarung sollten daher solche Eventualitäten bedacht und ein Prozess festgelegt werden.

Folgende Aspekte sollten jedenfalls (am besten schriftlich) mit jedem Job Sharing Partner geregelt und aufeinander abgestimmt werden:

  • Beginn und Dauer des Job Sharing (z.B. nur für die Dauer einer Elternteilzeit, Regelungen für den Zeitraum danach).
  • Arbeitszeit (z.B. Umfang der von jedem Partner zu erbringenden Arbeitszeit; Kombination mit Gleitzeit; Festlegung betriebsüblicher Arbeitszeiten oder zwingender Anwesenheitszeiten; Abstimmung der Arbeitszeitverteilung).
  • Eskalationsmechanismus (z.B. Prozedere für den Fall, dass sich die Partner nicht einigen können).
  • Vertretungsregelungen bei (geplanter und unvorhergesehener) vorübergehender oder längerfristiger Verhinderung eines Partners sowie Entlohnungsfragen für Vertretungen (Achtung: Eine automatische und generelle Vertretungspflicht ist mit österreichischem Arbeitszeitrecht nur in seltenen Fällen vereinbar.
  • Regelung für den Fall, dass ein oder mehrere Job Sharing Partner langfristig ausfällt/ausfallen oder das Arbeitsverhältnis mit einem Partner endet (z.B. Auswirkungen auf die verbleibenden Partner, Mitspracherecht beim „Auffüllen“ des Teams).
  • Modalitäten betreffend Urlaub, etwa Regelungen über die Bekanntgabe und Organisation von Urlaubswünschen.
  • Beendigungsmöglichkeiten von Job Sharing und deren Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis als solches.

Dr. Anna Mertinz ist Rechtsanwältin und Leiterin des Arbeitsrechtsteams bei KWR Karasek Wietrzyk Rechtsanwälte GmbH. Sie war zuvor als Legal Counsel bei Coca-Cola HBC Austria GmbH tätig und ist auf Fragen des individuellen und kollektiven Arbeitsrechts spezialisiert.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.