Gehaltsverhandlung erfolgreich führen
#Compensation & Benefits | Barbara Oberrauter

Gehaltsverhandlungen für Führungskräfte

Kein Geld für Gehaltserhöhungen? Kein Problem.

Gehaltsverhandlungen sollten auch Führungskräfte nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn: Vielen Mitarbeitern geht es gar nicht so sehr um die Frage nach mehr Geld, sondern einfach um ein offenes Ohr für lange verschwiegene Anliegen. Auch wenn aktuell kein Spielraum für eine Gehaltserhöhung da ist, kommt man mit Respekt, Anerkennung, und in kleinen Schritten in der Gehaltsverhandlung oft weiter als gedacht – und bewahrt sich damit einen wertvollen Mitarbeiter.

Alternativen zu mehr Gehalt überlegen

Gibt es aktuell überhaupt keinen Spielraum, sollte das dem Mitarbeiter auch so mitgeteilt werden und ein eventueller neuer Termin für das Gespräch vereinbart werden. Manchmal sind auch kleine Gehaltserhöhungen, die an Zwischenziele gekoppelt werden, sinnvoller als die große Gehaltserhöhung. Alternativ können statt mehr Gehalt auch geldwerte Leistungen angeboten werden, etwa mehr Urlaubstage, flexiblere Arbeitszeiten oder ein Firmenhandy.

Lob und Anerkennung sind wertvoll

Auch wörtliches Lob und Anerkennung dürfen nicht vergessen werden, solange sie ernst gemeint sind, betont Sabine Hockling. „Wer lobt, um bei der verdienten Gehaltserhöhung Geld zu sparen, macht sich als Chef unglaubwürdig und verspielt die Motivation seiner Mitarbeiter.“ Ganz wichtig: Selbst minimale Verbesserungen sorgen beim Mitarbeiter für das gute Gefühl, nicht mit leeren Händen aus dem Gespräch gegangen zu sein.

Manchmal geht es nicht ums Geld

Manchen Mitarbeitern, vor allem jenen, die sich selten melden und still ihre Aufgaben erledigen, geht es gar nicht um mehr Geld. Sie suchen vielmehr nach Anerkennung für ihre Leistungen oder wollen mit Anliegen gehört werden, die überhaupt nichts mit dem Gehalt zu tun haben. „Das kann alle möglichen Gründe haben: Sie fühlen sich und ihre Arbeit zu wenig wertgeschätzt oder kommen mit ihrem Vorgesetzten nicht zurecht. Oder sie sind schlicht überfordert“, erläutert sagt der Personalmanager Siegfried Baumeister im Gespräch mit dem deutschen Spiegel.

Geld als Kompensation für aufgestauten Frust

„Vor allem zurückhaltende Menschen sprechen ungern über solche Probleme – erst recht nicht gegenüber Vorgesetzten oder Personalern. Ihr Frust staut sich auf, irgendwann wollen sie ihn mit mehr Geld kompensieren oder sogar kündigen. In Gehaltsgesprächen müssen Personaler deshalb versuchen, dem eigentlichen Problem auf die Spur zu kommen.“ Gezielte Fragen decken die wahren Beweggründe hinter dem Wunsch nach mehr Gehalt auf, etwa die Frage, welche Aufgaben der Mitarbeiter gerne übernehmen würde, ob die einzelnen Tätigkeiten, die er zu verrichten hat, zeitlich sinnvoll eingeteilt wurden oder ob er für seine erbrachten Leistungen ein positives Feedback erhalten hat.

Nicht erpressen lassen – aber auch nicht am langen Arm verhungern lassen

Finanziell vorteilhaftere Angebote von Konkurrenzfirmen oder die Drohung mit einer Kündigung sollten nie ein Grund für eine Gehaltserhöhung sein, so Baumeister. „Ich bin für Ehrlichkeit und Offenheit in Gehaltsverhandlungen. Wenn jemand ein besseres Angebot von der Konkurrenz hat, soll er das sagen – aber bitte nicht im Stil der Erpressung.“

Auf Dauer akzeptieren Mitarbeiter jedoch eine Gehaltsstagnation nicht, zeigt die StepStone-Studie: 34% der Befragten haben schon mindestens einmal den Arbeitgeber gewechselt, um eine Gehaltserhöhung zu bekommen. Wer seine Mitarbeiter halten möchte, tut daher gut daran, sich mit dessen Gehaltswünschen auseinanderzusetzen, rät Sabine Hockling. „Eine Gehaltserhöhung ist immer eine Investition in die Zukunft. Unterschätzen Sie daher nicht deren Motivationseffekt.“

Bildnachweis: istockphoto.com / 10255185_880



Verwandte Artikel






Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.






Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *