gehalt wettbewerbsfähig
#Compensation & Benefits | Barbara Oberrauter

Gehälter: Bleiben Sie wettbewerbsfähig!

Wissen Sie, ob Sie Ihren Mitarbeitern genug bezahlen? Und welche Gehälter Sie bieten müssen, um begehrte Nachwuchstalente an Bord zu holen?

Wie viel ein Bewerber verlangen kann, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem vom regional üblichen Durchschnittsgehalt, zeigt der StepStone Gehaltsreport. Gehaltsexperte Conrad Pramböck weiß, mit welchen Gehältern man bei Kandidaten punktet – und was man tun kann, wenn mehr Geld einfach nicht drin ist.

Herr Pramböck, der StepStone Gehaltsreport zeigt, dass großen Betrieben ab 1.000 Mitarbeitern die besten Gehälter bezahlt werden. Warum ist das so?

Früher mussten große Unternehmen nicht so gute Gehälter bezahlen, weil sie ohnehin mit unzähligen Blindbewerbungen überschwemmt wurden. Mit dem Fachkräfte- und Nachwuchsmangel hat sich das deutlich geändert: In den letzten fünf bis zehn Jahren gibt es einen verstärkten Wettbewerb um die besten Mitarbeiter. Nun bieten gerade die großen Konzerne überdurchschnittliche Gehälter, um die besten Mitarbeiter vom Markt zu rekrutieren.

Wie können kleinere Betriebe bei diesem Wettrüsten der Gehälter mithalten?

Indem sie sich entscheiden: Holen Sie sich Top-Experten an Bord und bezahlen für einige ausgewählte Spezialisten hohe Gehälter? Oder schauen sie, welche Mitarbeiter noch am Markt zu vertretbaren Gehältern vertreten sind? Die Besten der Besten haben einfach ihren Marktwert, das kann man nicht wegdiskutieren.

Und was ist mit Betrieben, die nicht in den zentralen Regionen angesiedelt sind?

Gerade kleinere und mittlere Betriebe am Land können oft auf die Loyalität der Leute in der Region zählen. Wenn sie aber darüber hinaus rekrutieren wollen, müssen sie oft mehr als marktübliche Gehälter bieten, damit qualifizierte Fachkräfte sich dorthin bewegen.

Was können Betriebe tun, denen schlicht das Geld fehlt, um die Konkurrenz gehaltsmäßig auszustechen?

Das kommt durchaus vor. Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder Personalchefs, denen die Mitarbeiter davonlaufen, weil die Konkurrenz so viel besser bezahlt. Da brauche ich dringend Gegenargumente: Gerade bei jüngeren Leuten spielt beispielsweise die Work Life Balance eine große Rolle, da muss ich als Personalverantwortlicher auch darauf eingehen. Schon Absolventen denken an Sabbaticals, Home Office, flexible Arbeitszeiten oder Teilzeitarbeit – damit kann ich Leute auch über das Gehalt hinaus an Bord holen und halten.

Der Wunsch nach Teilzeit kommt in letzter Zeit vor allem von qualifizierten Fachkräften. Was bringt Unternehmen die 30 Stunden-Woche?

Eine Reduktion der Arbeitszeit ist in vielen Fällen eine Win Win-Situation: Die Mitarbeiter erledigen damit meist einen Vollzeitjob in weniger Stunden, erleben aber trotzdem eine enorme Steigerung ihrer Lebensqualität. Und Unternehmen haben einen Mitarbeiter, der in weniger Zeit mehr schafft – und dabei noch ausgeglichener und zufriedener ist. Mein heißer Tipp an Personalchefs lautet daher: Wenn ein Mitarbeiter wegen einer Gehaltserhöhung kommt und ich ihm keine geben kann, ist eine Reduktion etwa auf eine Vier Tage-Woche eine gute Möglichkeit, qualifizierte Fachkräfte dennoch langfristig im Unternehmen zu halten – und dabei gleichzeitig noch zu sparen.

Teilzeit ist leider nicht für alle Jobs eine Option.

In dem Fall können Sie darauf hinweisen, dass das Gehalt auch nur eine Kennzahl von vielen ist: Klar ist es wichtig, wie viel man verdient, es kommt aber immer auch auf den Kontext an, in dem dieses Geld verdient wird. Vielleicht werden wo anders höhere Gehälter bezahlt, aber die Unternehmenskultur im Haus ist weitaus besser als bei der Konkurrenz, das Team hält besser zusammen oder die Wege sind kürzer. Auf diese Dinge hinzuweisen, eröffnet Personalverantwortlichen die Chance, auch Leute im Haus zu halten, die an sich mehr Geld verlangen würden.

 

Dr. Conrad Pramböck ist Österreichs führender Gehaltsexperte und CEO von Upstyle Consulting. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen.

 

Sie wollen wissen, ob Ihre Gehälter wettbewerbsfähig sind? Der StepStone Gehaltsreport zeigt Ihnen, wie der Durchschnitt in Österreich bezahlt.



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.