Emotionsarbeit
#Work & Life | Andrea Heider

Gefährliches Lächeln?!

Ständige Gefühlsregulierung kann zum Burnout führen

Gefährliches Lächeln?! – Wie oft zeigen wir unsere wahren Gefühle? Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir positive Gefühle häufiger zeigen, als negative. Das ist an sich nicht verwerflich, jedoch kann ein ständiges Überspielen unserer echten Gefühle zu einem Zustand der emotionalen Erschöpfung führen, ganz besonders im Arbeitskontext. Wer viel mit Kunden, Klienten oder Patienten zu tun hat, ist es gewöhnt ein Lächeln aufzusetzen, selbst wenn das kranke Kind zuhause im Bett liegt, unsere Mutter vor einigen Tagen gestorben ist oder wir einfach nicht gut drauf sind.

Klar, der Kunde ist König und erwartet sich daher immer gut behandelt zu werden. Aber auch Kollegen, Mitarbeiter oder Vorgesetzte erwarten ständige Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Aufmerksamkeit, Anteilnahme u.ä. Negative Emotionen wie Zorn, Wut, Trauer oder Ärger werden dann einfach unterdrück, denn im Arbeitskontext haben sie keinen Platz. Wir sind also häufig damit beschäftigt die eigenen Gefühle zu kontrollieren und zu regulieren. „Emotionsarbeit“ wird dieses Phänomen genannt. Ziel ist es, die vom Arbeitgeber gewünschten Emotionen zum Ausdruck zu bringen und unsere authentischen Gefühle zu unterdrücken, was zu einer beträchtlichen kognitiven Arbeitsbelastung führt.

Regulationsstrategien

Die Welt der Gefühle ist eine komplexe. Tatsächlich sind wir emotional sozialisiert, das heißt, wir haben im Laufe der Zeit gelernt, welche Gefühle in bestimmten Situationen angemessen sind und welche nicht. Wir passen unsere Emotionen also gesellschaftlichen Normen oder jenen des Arbeitgebers an. Da ist es nicht verwunderlich, dass es manchen von uns schwer fällt, überhaupt Zugang zu den eigenen Gefühlen zu bekommen. Grundsätzlich gilt: je authentischer wir sind, desto besser ist es für unsere Gesundheit und unsere Zufriedenheit. Warum? Fakt ist: automatisierte Gefühlsanpassungen zu Gunsten der Umsatzsteigerung haben leider Folgen für die Mitarbeiter.

Der Soziologin Arlie Russell Hochschild zur Folge gibt es folgende Regulationsstrategien in der Emotionsarbeit: einerseits das sogenannte „Surface Acting“ (Oberflächenhandeln) und „Deep Acting“ (Tiefenhandeln) andererseits. Ständiges Unterdrücken echter Gefühle führt jedoch zu emotionaler Dissonanz, welche letzten Endes sogar im Burn-Out enden kann. Fühlen wir im Inneren etwas anderes, als wir nach außen zeigen, dann sprechen wir von „emotionaler Dissonanz“.

  • Surface Acting: Beim Surface Acting wird äußerlich die Emotion angezeigt, etwa durch ein aufgesetztes Lächeln, persönliche Teilnahme an dem Gefühl findet jedoch nicht statt.
  • Deep Acting: Beim Deep Acting hingegen kommt es zu einer tatsächlichen Übernahme des Gefühls, wobei es allerdings nochmals zu einer Unterscheidung zwischen Selbstzwang und dem ausdrücklichen Wunsch ein spezielles Gefühl zu empfinden, kommt.
  • Selbstzwang: Beim Selbstzwang sind wir felsenfest überzeugt, dass wir ein bestimmtes Gefühl erleben möchten. „Ich muss immer gut gelaunt sein.“
  • Wille, etwas zu fühlen: Wir beschließen, etwas Bestimmtes zu fühlen. „Ich habe beschlossen, dass ich meinen Kollegen mag.“

In 5 Schritten zu authentischen Gefühlen

Bedeutet das nun für den Arbeitskontext, dass es besser wäre, wenn wir immer unseren wahren Gefühlen freien Lauf lassen? Christine Carter, Forscherin am Greater Good Science Center der Berkley University ist überzeugt, dass es langfristig gesehen besser ist, wenn wir authentisch sind, auch wenn das bedeutet, dass wir uns unbeliebt machen bzw. anecken. Wie geht es Ihnen mit Ihren Gefühlen? Sind sie immer authentisch oder brauchen Sie ein bisschen Nachhilfe? Christine Carter empfiehlt folgende Coaching Methode, um authentisch zu bleiben:

  •  Schritt 1: Fragen Sie sich, was Sie gerade fühlen. Haben Sie Angst, was andere über Sie denken könnten? Vermeiden Sie unangenehme Wahrheiten oder schwierige Gefühle?
  • Schritt 2: Erlauben Sie sich, Gefühle zuzulassen – welche auch immer das sein mögen. Alle Emotionen sind in Ordnung. Sie sind der Schlüssel zu unserer menschlichen Intelligenz.
  • Schritt 3: Beurteilen Sie die Situation weise. Können Sie mit jemanden über Ihre Gefühle sprechen? Würden Sie sich dann besser fühlen? Falls ja, dann teilen Sie Ihre Gefühle mit einer vertrauenswürdigen Person.
  • Schritt 4: Überlegen Sie sich, was Sie gerne fühlen möchten. Falls Sie Angst haben, dann beruhigen Sie sich, etwa indem Sie mehrere Male tief ein- und ausatmen. Falls Sie müde sind, dann bewegen Sie sich, damit Ihr Kreislauf wieder in Schwung kommt, etc.
  • Schritt 5: Am Ende: checken Sie Ihre Gefühle. Was fühlen Sie? Erlauben Sie sämtliche Emotionen, auch mehrere gleichzeitig sind möglich.


Verwandte Artikel






Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.