Führen digitales Zeitalter
#Leadership | Barbara Oberrauter

Führen im digitalen Zeitalter

Digitalisierung klappt nur mit der richtigen Führungskraft

Die Digitalisierung frisst ihre Führungskräfte: Unternehmen aus nahezu allen Branchen und Märkten sind in ihren Geschäftsmodellen, Kommunikationskulturen sowie in ihrer Organisation unmittelbar von der digitalen Revolution betroffen. Ganz besonders gilt das für Führungskräfte: Sie leisten einen erheblichen Beitrag zum Erfolg oder Misserfolg der digitalen Transformation eines Unternehmens – und sind daher dem digitalen Wandel ganz besonders ausgesetzt.

Vor diesem Hintergrund stellt sich erneut die Frage nach dem optimalen Führungsstil: Welches Führungsverhalten übt einen positiven Einfluss auf die Innovationsleistung eines Teams aus? Welche Art von Führung bevorzugen eigentlich die Führungskräfte selbst? Und welcher Führungsstil erhöht die Zufriedenheit und das Work Engagement der Mitarbeiter? StepStone Deutschland ist gemeinsam mit der Managementberatung Kienbaum in einem Leadership Survey nachgegangen – und hat erstaunliche Resultate zutage gefördert.

 

Die meisten wünschen sich einen transformationalen Führungsstil

Zunächst die gute Nachricht: Fachkräfte haben eine klare Vorstellung davon, wie sie geführt werden möchten. 94 Prozent bevorzugen eine Führungskraft, die als Vorbild dient, eine Vision vermittelt und ihre Mitarbeiter motiviert – auch transformationaler Führungsstil genannt. Ebenso erwünscht sind Vorgesetzte, die konkrete Ziele formulieren und konstruktive Rückmeldungen geben (strategische Führung, 88 Prozent) sowie wertorientiert handeln und Selbstständigkeit fördern (ethische Führung, 84 Prozent).

Das Problem: Wunsch und Realität passen (noch) nicht zusammen. So sehen nur 29 Prozent in ihrem Vorgesetzten eine strategische Führungskraft, und noch weniger (21 Prozent) geben an, transformational geführt zu werden. Der Aussage, ihr Chef führe ethisch, stimmt nicht mal jede zehnte Fachkraft zu. Stattdessen gibt mehr als die Hälfte aller Befragten an, von einem direktiven Vorgesetzten geführt zu werden – also von einem Chef, der von seinen Mitarbeitern erwartet, dass sie seinen Anweisungen strikt Folge leisten.

 

Führungskräfte schätzen sich selbst zu positiv ein

„Die Digitalisierung und die sich wandelnden Märkte zwingen Unternehmen dazu, ihre Organisationsstrukturen neu zu denken. Der alte Führungstyp, der Aufgaben strikt anordnet und Mitarbeiter streng überwacht, kommt immer seltener vor“, sagt Sebastian Dettmers, Geschäftsführer von StepStone Deutschland. Er fordert: „Führungskräfte müssen effektiv und menschenorientiert führen, auf ihre Mitarbeiter eingehen und deren individuellen Bedürfnisse und Entwicklung berücksichtigen.“

Dafür gilt es noch einiges an Arbeit zu leisten – vor allem deshalb, weil sich Führungskräfte im Selbstbild deutlich positiver einschätzen als ihre Mitarbeiter und ihr Führungsverhalten in Bezug auf die Führungsstile, die von Mitarbeitern als ideal angesehen werden, überschätzen. Der Großteil aller befragten Vorgesetzten sieht sich als strategische, ethische und transformationale Führungskraft. Direktiv zu sein, behaupten dagegen nur wenige befragte Chefs. Dabei zeigen Mitarbeiter unter direktiver Führung weniger Kündigungsabsichten, mehr Work Engagement, eine stärkere Innovationsleistung im Team  und eine stärkere emotionale und organisationale Identifikation.

 

Es geht nach wie vor um den individuellen Menschen

Zudem darf vor dem Hintergrund der rasanten technologischen Revolution darf nicht vergessen werden, dass der Mensch sich nicht annähernd so schnell weiterentwickelt wie die digitalen Technologien. Um menschliche Fähigkeiten an die digitale Umwelt anzupassen, braucht es Zeit – und eine individuelle Herangehensweise: „Es gibt nicht den einen Führungsstil mit Erfolgsgarantie. Differenzierte Führungsmodelle, die auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter und Besonderheiten der Organisation gleichermaßen eingehen, sind der Schlüssel“, sagt Walter Jochmann von Kienbaum.

Damit stellt digitale Führungskompetenz keinen separaten Führungsstil dar, sondern beschreibt die Kompetenz, Menschen, Teams und Projekte im digitalen Zeitalter effektiv  leiten zu können. Führungskräfte mit digitaler Führungskompetenz verfolgen eine Vision für die digitale Transformation sowie digitale Geschäftsmodelle und leben diese vor. Als Vorreiter in der Nutzung digitaler Medien lassen sie ihre Mitarbeiter ihren Arbeitsort frei wählen und verstehen es, Teams und Projekte aus der Distanz zu leiten. Der freie Einsatz digitaler Medien und virtueller Teamarbeit sollte alltäglich sein und schafft die nötige Agilität, um in der disruptiven digitalen Welt handlungsfähig zu bleiben.

 

Die Unternehmenskultur in der digitalen Transformation

Digital kompetente Führungskräfte sind offen für neue Meinungen und Vorschläge und fördern partizipative Entscheidungsfindung. Im Mittelpunkt dabei sollte stets die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und zum Austausch im Team stehen. Auch die Unternehmenskultur gewinnt eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der mit digitaler Transformation einhergehenden Herausforderungen: Um die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit zu vermitteln braucht es eine klare Rollen- und Aufgabenverteilung zusammen mit einer langfristigen Vision des Unternehmens, die klar kommuniziert und weitergegeben wird.

Zusätzlich sollten Organisationen eine Kultur des Vertrauens und Unterstützens der Mitarbeiter pflegen. Auch ein gewisses Maß an sozialer Verantwortung kann das Gefühl für die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit unter den Mitarbeitern fördern. Gelingt das Meisterstück, profitieren digital versierte Führungskräfte letztlich nicht nur von produktiven, zufriedenen Mitarbeitern – sondern stellen auch sicher, dass sie ihr Unternehmen versiert und gut gerüstet ins digitale Zeitalter führen.

 

Info: Die Kunst des Führens https://www.stepstone.de/ueber-stepstone/wp-content/uploads/2018/08/Kienbaum-StepStone_Die-Kunst-des-F%C3%BChrens-in-der-digitalen-Revolution_Webversion.pdf



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.