Frühes Aufstehen ist wie Folter
#Work & Life | Andrea Heider

Frühes Aufstehen ist wie Folter

Langschläfer aufgepasst

Müde im BüroFrühes Aufstehen ist wie Folter, das behautet der britisches Schlafexperte Dr. Paul Kelley. Er arbeitet und forscht an der Oxford University und ist überzeugt, dass frühes Aufstehen, sowie zeitige Arbeits- und Schulbeginne schlecht für die Leistungsfähigkeit sind. Das würden viele von uns bestimmt sofort unterschreiben: Wer kein Frühaufsteher ist, der kommt direkt nach dem Aufstehen nicht gleich in die Gänge. Der Wecker hört sich an wie ein Folterwerkzeug, Frühstück geht sich nicht mehr aus, die Frisur sitzt noch nicht so recht, die Augen sind verquollen, die Konzentration lässt auch auf sich warten.

Der Schlafforscher Kelley ist überzeugt, dass Menschen erst um 10 Uhr mit der Arbeit anfangen sollten. Warum? Arbeitnehmer hätten einen ständigen Schlafmangel, da wir gegen unseren natürlichen Biorhythmus leben. Passt sich der Körper nicht automatisch unseren Gepflogenheiten an? Nein, Kelley geht vielmehr davon aus, dass wir unseren Biorhythmus nicht ändern können, wann und wie wir wollen. Ganz im Gegenteil: Der Körper ist abgestimmt auf Sonnenlicht. Jedoch fängt nicht das Sehvermögen, sondern der Hypothalamus, der zentrales Nervensystem und Hormonproduktion steuert, die Signale auf.

Verschiebung des Arbeitsbeginns nach hinten

Außerdem behauptet Kelley, dass die von Arbeitgebern und Industrie vorgegebenen Arbeitszeiten von 09:00 bis 17:00 mit der biologischen Uhr eines unter 55 Jährigen überhaupt nicht übereinstimmt. Weiter noch: Kelley ist der Meinung, dass verfrühtes aufstehen absolut schädlich für den Körper ist, da die physischen, emotionalen und leistungsorientierten Systeme beeinflusst werden. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Schlafentzug führt zu gestörtem Biorhythmus. 30 Tage ohne Schlaf können sogar zum Tode führen. Kelley ist überzeugt: Frühes Aufstehen ist wie Folter.

Der ständige Schlafmangel führt laut Schlafexperten nicht nur zu einer Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit, sondern hat auch andere gesundheitliche Folgen. Wenig Schlaf führt zu Erschöpfung, Angstzuständen, Frustration, Wut, impulsives Verhalten, Bluthochdruck, Gewichtszunahme und schwächt das Immunsystem. Außerdem kommt es zu einem erhöhten Risiko von Diabetes uns Schizophrenie. Eine weitere Folge kann auch erhöhter Alkohol- oder Drogenkonsum sein. Alles gute Gründe, um am Morgen etwas länger im Bett zu bleiben. Doch die Wirtschaft gibt einen straffen Rhythmus vor.

Arbeitsbeginn vor 10 Uhr ist ungesund

Kelley geht davon aus, dass wir um etwa 10 Stunden Schlaf pro Woche beraubt werden, da nicht unserem Rhythmus entsprechend, aufstehen müssen. Er hält einen Arbeitsbeginn vor 10 Uhr für ungesund. Studien zum zirkadianen Rhythmus legen nahe, dass sich beispielsweise Zehnjährige vor 08:30 nicht besonders gut auf den Unterricht konzentrieren können. Auch 16-Jährige erzielen ihre besten Ergebnisse erst um 10 Uhr morgens. Universitätsstudenten bringen gar erst ab 11 Uhr voll Leistung.

Der Schlafforscher ist folglich überzeugt, dass schon alleine die Anpassung des Schul- bzw. Arbeitsbeginns zu mehr Lebensqualität führen kann. Kelley, war früher als Rektor an einer Schule in North Tyneside, im Norden Englands tätig. Er veranlasste, dass der Unterrichtsbeginn von 08:30 auf 10:00 verschoben wurde. Die Ergebnisse waren verblüffend: Tatsächlich stieg die Zahl der Bestnoten um ganze 19 Prozent an. Wir sehen: Menschen, die nach ihrer inneren Uhr leben sind entspannter, zufriedener und leisten mehr. Fazit: Arbeitgeber sollten einen späteren Arbeitsstart überdenken oder Gleitzeitmodelle einführen. Dadurch können sich Mitarbeiter ihren Tag besser einteilen und zur richtigen Stunde mit der Arbeit starten.

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.