Femail Shift: weibliche Wirtschaft
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Female Shift

Mehr Frauen für die Wirtschaft

Female Shift – dies beschreibt den Wandel der männerdominierten Welt und die Auflösung traditioneller Geschlechterrollen im Berufs- und Privatleben. In vielen Regionen der Welt sind Frauen bereits besser gebildet als Männer. Auch in Österreich sind 60% der Universitätsabsolventinnen Frauen. In Führungspositionen sind sie jedoch nach wie vor unterrepräsentiert.

Wie man dem „Frauen.Management.Report“ der AK Wien entnehmen kann, ist es Österreichischen Unternehmen letztes Jahr wieder nicht gelungen Fortschritte in Richtung Geschlechtergerechtigkeit zu machen. In den Geschäftsführungen der 200 umsatzstärksten Unternehmen scheint die Männerdominanz nahezu einzementiert zu sein: Der Frauenanteil liegt bei nur 5,9 Prozent. Nur in 36 dieser 200 Unternehmen befindet sich eine Frau in der Geschäftsführung oder im Vorstand. Das ist nicht viel.

Deutschland setzt auf Quote

„Heute haben wir eine informelle Männerquote. Männer ernennen Männer, die dann wieder Männer als Nachfolger aussuchen“ so Mikael Gustafsson, Vorsitzender des Frauenrechtsausschusses im EU-Parlament. Der Frauenanteil in deutschen Aufsichts- und Verwaltungsräten beträgt derzeit 18,6 Prozent. Ab 2016 sollen in den Aufsichtsraten der großen deutschen Konzerne mindestens 30 Prozent Frauen sitzen. Bei der Neubesetzung muss diese Vorgabe strikt eingehalten werden, ansonsten bleibt die Position unbesetzt.

In Schweizer Unternehmen liegt der durchschnittliche Frauenanteil immer hin bei 13 Prozent im Verwaltungsrat und 6 Prozent in der Geschäftsleitung. Möchten die DACH Länder keinen Braindrain ihrer weiblichen High Potentials riskieren, sollten sie sich ein Beispiel an Norwegen nehmen. Bereits seit 2003 gibt es dort die gesetzliche Geschlechterquote. Im Jahr 2014 lag der Frauenanteil bei 38% in den Leitungsorganen der größten börsennotierten Unternehmen.

Feminisierung rechnet sich

Dabei wäre eine weibliche Wirtschaft durchaus eine erfolgreiche Wirtschaft, wie man bei Johanna Zugmann, Autorin von „Karriere neu denken“ nachliest: Weibliche Vorstände haben signifikante Auswirkungen auf die Arbeit des Vorstandes und die Betriebsergebnisse, dies ergab eine Untersuchung in amerikanischen Unternehmen. Eine Studie der Universität Helsinki besagt auch, dass Frauen in Chefetagen eine höhere Kapitalrendite schaffen.

Auch eine Studie von McKinsey kommt zum Schluss, dass Unternehmen mit vielen Frauen in Führungspositionen finanziell überdurchschnittlich gut abschneiden. Weitere Untersuchungen ergaben, dass Teams, die zur Hälfte aus Männern und zur anderen Hälfte aus Frauen bestehen, weitaus besser arbeiten, als jene mit unausgewogenen Geschlechterverhältnissen.

Brain-Drain weiblicher High Potentials

Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren Quotenregelungen für Frauen in Führungspositionen eingeführt. Die Suche nach weiblichen High Potentials wird sehr intensiv betrieben. Lynda Gratton vom Lehman Centre for Women in Business weiß: „Die jungen Leute lassen sich heute weniger bieten und verlassen schneller die Unternehmen, wenn ihnen etwas nicht passt“. Daher sind Unternehmen gut beraten, mehr für qualifizierte Frauen zu tun.

Österreich bleibt jedoch deutlich hinter dem EU-Schnitt von 20 Prozent zurück. Verbindliche Zielvorgaben, wie in anderen Ländern würden dem abhelfen. Experten sind sich einig, dass Frauenförderung nur auf folgendem Maßnahmen-Viereck basieren kann: Rekrutierung, Karriereentwicklung und Weiterbildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Unternehmensführung und -kultur. Zugmann zur Folge sind vor allem demographische Entwicklung und wachsende Diversitätserfordernis kräftige Impulsgeber für weibliche Karrieren.

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.