Female Capital
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Weibliche Führungskräfte dringend gesucht!

Die Zukunft ist weiblich: Während viele Unternehmen nach wie vor über Fachkräftemangel und zu wenige Frauen in Führungspositionen jammern, nimmt Manuela Lindlbauer, Gründerin und Geschäftsführerin der Lindlpower Personalagentur, die Dinge lieber selbst in die Hand. Sie hat mit Female Capital der erste Karriereportal nur für weibliche Führungskräfte gegründet und zeigt: Es gibt sie, die hochqualifizierten Frauen. Im Interview mit JOBnews.at erzählt Manuela Lindlbauer, was sie persönlich bewegt und wie Unternehmen die Ressource Frau erschließen können.

JOBnews.at: Frau Lindlbauer, welche Idee steckt hinter der Gründung von Female Capital?

Manuela Lindlbauer: Female Capital ist die erste Plattform in Österreich für Frauen im Topmanagement, also in der ersten und zweiten Ebene. Wir sprechen Frauen mit einem Jahresgehalt von 100.000 Euro plus an, die über mindestens fünf Jahre nachhaltige Führungserfahrung verfügen und sich bereits über der gläsernen Decke befinden. Diese Frauen wissen, wie man sich in Meetings verhält, und haben eine Lösung für ihre Kinderbetreuung gefunden. Bei uns geht es um Fach-Themen und nicht um die klassischen Mann-Frau-Themen.

Welche Voraussetzungen müssen die Frauen  erfüllen?

Es ist wichtig, dass die Frauen sofort einsatzbereit sind und eine Management-Funktion einnehmen können. Leider verschwinden gerade gut ausgebildete Frauen immer wieder irgendwo in der Babypause und haben dann nicht mehr die adäquaten Positionen inne, um schnell wechseln zu können. Vielfach wollen sie es selber auch nicht, weil sie sagen, sie wollen sich den Stress und die Verantwortung nicht antun.

Welche Erfolge konnten Sie mit Ihrem Angebot bislang verbuchen?

Wir sind mit Female Capital seit eineinhalb Jahren am Markt und haben bislang zwei Positionen mit unseren Damen besetzt. Das klingt jetzt zwar wenig, aber es ist auch schwieriger als gedacht, Frauen unterzubringen, weil es in vielen Unternehmen immer noch ein Hygienethema ist.

Woran scheitert es?

Die Firmen sagen oft, sie hätten gerne eine Frau, wenn es leicht geht, aber sobald der Prozess ein bisschen komplizierter wird, muss man sich schon den Mund fusselig reden. Vielfach stellen die Unternehmen auch Bedingungen, die so hoch sind, dass es schon fast keinen Mann dafür gibt. Wenn sie bewusst eine Frau suchen, dann gleich in einer superschwierigen Position. Wenn man den Frauenanteil erhöhen möchte, könnte man ja in den klassischen Bereichen damit anfangen, wo es schon zahlreiche gut ausgebildete Frauen gibt, und nicht gleich die komplexeren Themen mit Frauen besetzen, wo man auch keine Männer findet.

Könnte es sich da auch um Ausflüchte seitens der Unternehmen handeln?

Es kann schon sein, dass es hie und da eine Ausrede ist. Oft scheitert es auch daran, dass man eine bestimmte Position sucht, und für die gibt es einfach viel mehr Männer als Frauen, gerade in den höheren Ebenen. Frauen müssten die Karriereschritte von Anfang an mitgehen, dann gäbe es auch mehr Auswahl in den Spitzenpositionen.

Was haben Unternehmen davon, hoch qualifizierte Frauen zu suchen?

Für die meisten Unternehmen gilt, dass deren Klientel aus Männern und Frauen besteht. Insofern macht es auch Sinn, im Management beide Geschlechter vertreten zu haben. Zahlreiche Studien belegen, dass Diversifizierung sich positiv auf die Unternehmenskultur auswirkt und Firmen dadurch ein dynamisches, jugendlich modernes Image bekommen. Zudem hat weibliches Humankapital allein schon aufgrund des demografischen Wandels einen hohen Stellenwert: Wir wissen, dass es einen Mangel geben wird, wenn die geburtenschwachen Jahrgänge kommen, und wir jede gut qualifizierte Frau in der Wirtschaft brauchen werden, die es gibt.

Welche Probleme können auftreten, wenn ich jetzt vermehrt weibliche Führungskräfte einstelle?

Man muss natürlich bestehende Stukturen ein bisschen aufbrechen. Mit Frauen holt man sich andere Themen ins Unternehmen, und da sagen viele Unternehmen, muss ich mir das überhaupt antun? Da braucht es ein Umdenken, man muss sich auf Neues einlassen und bereit sein, unbekanntes Terrain zu betreten.

Wie setzt man Frauen gezielt im Unternehmen ein?

Man könnte einmal im mittleren Management anfangen und Frauen in strategische Positionen heben. Mit Projektgruppen und Coaches kann ich dann die weitere Vorgangsweise abstecken. Es reicht ja nicht nur aus, eine Frau in den Vorstand zu holen. Das ist ein Thema, das sich durch alle Abteilungen und Hierarchien zieht. Nur zu sagen, ich habe ohnehin eine Vorständin und damit ist das Thema abgehakt, kann es nicht sein. Wenn man eine einzelne Frau als Hygienefaktor platziert, bringt das gar nichts, weil der Mittelstand in der Hinsicht ausgehöhlt ist.

Wer ist hier gefragt?

Grundsätzlich müssen solche Themen von der Geschäftsführung getragen werden. Wenn die Vorstände Geschäftsführer sind, die selbst erfolgreiche, studierte Frauen haben, dann gehen die mit den Frauen im Unternehmen auch anders um. Der alte Herr Vorstand mit der Hausfrau zu Hause hat ein anderes Frauenbild, das er auch im Unternehmen entsprechend weiterträgt.

Welche Rolle spielen Personalabteilungen?

Die HR-Abteilung muss zum Einen Bewusstseinsbildung machen und zum Anderen auch gewisse Rahmenbedingungen anpassen. Wenn ich Frauen mit Kindern einstelle, muss es parallel zu denen auch ein System geben, dass diese Berufstätigkeit erlaubt. Besonders Unternehmen, die stark in der Öffentlichkeit stehen und unter entsprechendem Druck stehen, sind da fortschrittlich: Es schickt sich einfach nicht mehr, ein Board nur aus Männern zu haben. Das wirkt sich auch positiv auf die Arbeitgebermarke aus: Solche Unternehmen sind für Frauen sicherlich attraktiver als Firmen, die sehr männlich dominiert sind. Da können Frauen auch als Markenbotschafterinnen dienen, wenn sie hier Erfolgstories erzählen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Female Capital?

Ich hoffe schon, dass sich die Plattform insgesamt positiv auf die berufliche Situation von Frauen auswirkt. Es sind viele kleine Situationen, auf die man aufmerksam machen muss, aber auch politische Aktivitäten wie eine Quote, die Unternehmen sensibilisieren. Ich würde mir auch wünschen, dass letztendlich die Frauen umdenken und sich mehr zutrauen, damit diese leidigen Frauenthemen von wegen mangelndes Selbstbewusstsein und Mutterrolle endlich einmal vom Tisch sind.

Zuletzt Ihre Einschätzung: Wird sich die Suche nach qualifizierten Frauen langfristig etablieren?

Es zahlt sich auf jeden Fall aus, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. Man bekommt vorab schon mehr qualifizierte Bewerber, und das wird für die Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft ausschlaggebend sein. Das Gleichheits-Prinzip hat schon jetzt einen hohen Stellenwert, und wer diesbezüglich noch nicht umgedacht hat, sollte schleunigst damit anfangen, sich zu überlegen, wie gehe ich mit flexiblen Arbeitszeiten um, mit Frauen und Schwangerschaften etc. In der Zukunft wird es auf jeden Kopf ankommen – egal ob männlich oder weiblich.

 

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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