Fehlerteufel im Job
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Fehlerteufel im Job

25% der jungen Arbeitnehmer haben Angst Fehler zuzugeben

„Wer nie einen Fehler beging, hat nie etwas Neues ausprobiert.“ Albert Einstein

Fehlerteufel im Job – Fehler passieren: zuhause, in Freundschaften, in Beziehungen, auf dem Weg zur Arbeit und natürlich auch in der Arbeit. Personen, alt oder jung, Frau oder Mann, gebildet oder ungebildet, erfahren oder unerfahren – sie alle machen Fehler, überall und zu jeder Zeit. Fehler machen gehört zur menschlichen Entwicklung. Scheitern kann nämlich eine wichtige Erfahrung sein.

„Fehler können wertvolle Hinweise darauf liefern, was wir übersehen haben und was wir noch verbessern können. Das gilt sowohl im Arbeitsalltag als auch für die eigene Karriere“, weiß auch Sophia von Rundstedt, CEO Rundstedt & Partner GmbH. Und tatsächlich: aus Fehlern lernt man. Vor allem junge Mitarbeiter sollten dazu motiviert werden, Fehler zu machen – frei nach dem Motto „mach‘ Fehler und lern‘ daraus!“. Oder zumindest sollte verständlich gemacht werden, dass Fehler machen zu Arbeits- und Entwicklungsprozessen dazugehört. Dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein, wie eine aktuelle Studie von Rundstedt & Partner ergibt.

Fehler zugeben fällt schwer

Jeder macht Fehler, doch die entscheidende Frage ist, wie wir damit umgehen, vor allem auch in der Arbeitswelt. Die Studie ergibt folgendes: 60 Prozent der Befragten sprechen im Team offen an, wenn sie einen Fehler gemacht haben. Bei 17 Prozent werden Fehler unter den Teppich gekehrt. Gut die Hälfte der Arbeitnehmer gibt an Fehler gemeinsam zu analysieren, um daraus zu lernen. Über ein Viertel der Befragten hat erlebt, dass der Chef seine Fehler den Mitarbeitern in die Schuhe geschoben hat – nicht erfreulich. 25 Prozent geben an, dass für Fehler Sündenböcke gesucht werden – auch nicht erfreulich.

Darüber hinaus geben nur 32 Prozent der Befragten an, dass Fehler in ihrem Unternehmen nicht als negativ angesehen werden, da sie zu neuen Ideen und Innovationen führen können. Dies setzt eine positive Fehlerkultur im Unternehmen voraus. Junge Arbeitnehmer, im Alter zwischen 18 bis 34 geben weniger gerne Fehler zu, als ältere Arbeitgeber. Ganze 29 Prozent der Jungen gibt an, dass wenn etwas schief läuft nicht nach Ursachen, sondern Sündenböcken gesucht wird. Tatsächlich haben auch ganze 25 Prozent der jungen Kollegen sogar Angst davor Fehler zuzugeben, da sie die Konsequenzen fürchten. Dabei ist dies der falsche Zugang zum Thema „Fehler machen“, der Meinung sind auch die Studienautoren.

Offene Fehlerkultur stärkt emotionale Bindung zum Arbeitgeber

„Um Ängste und Unsicherheiten zu nehmen, müssen Führungskräfte ihren Mitarbeitern das Gefühl geben, sich frei weiterentwickeln und ausprobieren zu können, auch wenn es bedeutet, Fehler dabei zu machen“, ist Rundstedt überzeugt, denn „Nur so gelingt es ihnen, aus ihren Erfahrungen zu lernen. Eine offene und konstruktive Fehlerkultur stärkt die emotionale Bindung der Mitarbeiter an ihren Arbeitgeber und fördert die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen.“

Die Ergebnisse einer Studie der Universität Wien bestätigen, dass Mitarbeiter, die laufend auf ihre Fehler hingewiesen werden und dauernd negatives Feedback bekommen, weniger Innovation an den Tag legen. Unternehmen und Teams brauchen also eine neue Fehlerkultur. Das bedeutet, dass wir unseren Umgang mit Fehlern und Misslingen überdenken müssen. Fehler sind ein wichtiger Wettbewerbsfaktor, die dazu motivieren können, Dinge das nächste Mal anders und vielleicht sogar besser zu machen. Dies bestätigt auch Rundstedt: „Fehler können Innovationen hervorbringen, die den Erfolg des Unternehmens steigern und Wettbewerbsfähigkeit garantieren.“

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.