Feelgood-Manager
#Work & Life | Team JOBnews

Feelgood-Manager

Unternehmen zum Wohlfühlen

„Because I’m happy“ singen wohl nur die wenigsten an ihrem Arbeitsplatz. Den Ort, wo die meisten 40 Stunden pro Woche verbringen, zu einem „Happy Place“ zu machen, haben sich Feelgood-Manager auf die Fahnen geschrieben. Ihre Mission: Das Team motivieren, gute Laune verbreiten, Mitarbeiter zusammenschweißen. Dafür organisieren sie Sportevents, heißen neue Kollegen im Unternehmen willkommen, planen Office-Parties und verkuppeln Mitarbeiter beim gemeinsamen Mittagessen.

„Der Auftrag von Feelgood-Managern ist, das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu stärken und effizientes Arbeiten zu ermöglichen“, definert das Fraunhofer Institut für Arbeit das neue Berufsbild. „Dazu stehen sie in intensivem Austausch mit den Kollegen, fordern Verbesserungsvorschläge und Anregungen ein. Ihr Erfolg bemisst sich daran, wie gut es Ihnen gelingt, die Unternehmenskultur und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu verbessern.“

Feelgood gegen Fachkräftemangel

Bislang gibt es erst eine Handvoll solcher Feelgood-Manager, hauptsächlich in Deutschland. Zu den Qualifikationen, die in Stellenanzeigen verlangt werden, gehören Gespür im Umgang mit anderen Menschen, Kreativität und manchmal sogar gute Kenntnisse des örtlichen Nachtlebens. Der Arbeitsbereich umfasst vielschichte Aufgaben, die selten in einer Abteilung allein angesiedelt werden können: Neben dem Aufbau eines systematischen Feelgood-Management sind Feelgood-Manager auch für die Schaffung von offenen und transparenten Kommunikationskanäle verantwortlich, analysieren Bedürfnisse der Mitarbeiter und bemühen sich, eine möglichst stressfreie und unterhaltsame Arbeitsumgebung zu schaffen.

Was nach der eierlegenden Wollmilchsau klingt, wird unter dem Motto „Arbeitszeit ist Lebenszeit“ mittlerweile auch am Bildungsmarkt umgesetzt. Organisationstalent, Einfühlungsvermögen, psychologische Kenntnisse und Kreativität stehen auf dem Lehrplan zahlreicher privater Bildungsanbieter, die mit dem bisschen Mehr an „Happy“ werben. Neben klassischem Projekt- und Eventmanagement wird unter anderem in Gesundheitsfragen, Unternehmenskultur, Change Management und Konfliktkompetenz ausgebildet.

Wellness, Spaß-Arbeitsgruppe und Sandwiches

Vor allem junge Unternehmen und Start-Ups setzen auf den Motivationsfaktor Feelgood-Manager. Arbeit soll sich nicht wie Arbeit anfühlen – und so die begehrten Fachkräfte ködern und halten. Zudem sind Feelgood-Manager oft näher an den Mitarbeitern und ihren Bedürfnissen dran als der Chef. „Mitarbeiterbindung durch perfekte Arbeitsbedingungen“, so beschreibt die Spieleentwicklerfirma Goodgame Studios das Konzept. Gerade im IT-Bereich muss man den gesuchten Fachkräften einiges bieten, um im Kampf um die besten Talente die Nase vorn zu haben.

In der Community goodplace versammeln sich jene Unternehmen, die auf gute Laune statt Bierernst setzen. Feelgood-Manager „schaffen Gemeinschaftserlebnisse und darüber Identifikation mit dem Unternehmen“, wirbt die Seite für den Einsatz von Spaßbeauftragten in der Firma. Beim deutschen Softwareanbieter jimdo etwa organisiert „Captain Chaos“ Laura Vogel wellnesstaugliche Großraumbüros. Mit Sitzecken, Schlafkojen und Schalldämpfung will die Feelgood-Managerin eine Atmosphäre kreiern, die sich mehr nach WG und erweitertem Wohnzimmer anfühlt als nach Arbeitsplatz. Der Erfolg gibt der studierten Architektin recht: „Ich fühle mich in der gemütlichen Wohnzimmer-Atmosphäre von Jimdo wie zu Hause. Captain Chaos macht alles so schön“, plaudert einer der Mitarbeiter aus dem Nähkästchen.

Bei der Hamburger Kommunikationsagentur ministry wiederum treffen sich Mitarbeiter einmal wöchentlich zur „Spaß-Arbeitsgruppe“: „Das ist eine tolle Abwechslung zur Programmierarbeit. Total anderer Input. Wichtig finde ich, dass die Geschäftsleitung 100 % hinter der Idee steht, dass Spass an der Arbeit auch gut für die Arbeitsergebnisse ist“, so einer der Spaßarbeiter. Beim Spielesoftwareunternehmen wooga kommen alle Mitarbeiter täglich in der großen Küche zusammen, um bei Kaffee und Sandwiches zu plaudern und die eine oder andere Idee auszuhecken.

Einfach mal die Sau rauslassen

Nicht alle Arbeitnehmer sind angetan von der Feelgood-Idee. Einer Studie der amerikanischen Penn State University zufolge kündigten Mitarbeiter einer Restaurantkette, für die Teambuilding-Events, Partys und Wettbewerbe organisiert wurden, zwar nicht so schnell. Insgesamt waren sie aber unproduktiver als Kollegen, deren Vorgesetzte sich wenig ums Wohlfühlklima scherten. Vor allem ältere Mitarbeiter, auf die zu Hause Partner und Kinder warteten, hatten keine Lust auf gemeinsame Freizeitaktivitäten mit den Kollegen.

Wichtig ist hier, auf die individuellen Vorstellungen der Belegschaft einzugehen. Wer schief angeschaut wird, weil er bei den zahlreichen Team-Events nicht mitmachen möchte, findet sich schnell in der Rolle des Außenseiters wieder – und hat eine dementsprechend verringerte Motivation, sich für das Untenrehmen zu engagieren. Hier sind Unternehmensspitze und Führungskräfte gefordert: Schlechte Arbeitsbedingungen mit Feelgood kaschieren zu wollen, kann und wird nur zu weiteren Frustrationen führen. Wichtig ist daher eine frühe Einbindung der oberen Etage in der Feelgood-Management – und das unbedingte Bekenntnis zum Wohlfühlen am Arbeitsplatz.

Denn auch, wenn der Anspruch, „Feelgood-Atmosphäre“ zu verbreiten, zuweilen recht hohl und oberflächlich klingt – die Arbeitnehmer der Zukunft werden sich nicht mehr allein durch finanzielle Anreize locken lassen. Und ganz abgesehen von den positiven Effekten, die das Wohlfühlen auf das Employer Branding haben kann: Immerhin fast ein Drittel seines Lebens verbringt der moderne Mensch im Büro. Grund genug, auch dort mal den Ernst des Lebens beiseite zu schieben und die Sau rauszulassen.

INFO:
http://www.goodplace.org/



Verwandte Artikel






Team JOBnews
Team JOBnews

Das StepStone Marketingteam schreibt über neue und wichtige Themen sowie Trends im Online-Recruiting. Mit den beiden Jobbörsen www.stepstone.at und www.unijobs.at gehört Stepstone Österreich zu den wichtigsten Jobbörsen in Österreich.