Familie und Beruf vereinen ist eine Herausforderung. Betriebe müssen familienfreundlicher werden.
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Familie und Beruf vereinen

Betriebe müssen familienfreundlicher werden

Familien- und Berufsleben unter einen Hut bringen – geht das? Mütter und Väter mit Kleinkindern haben es im Berufsleben nach wie vor nicht immer leicht. Auch der Familienministerin Sophie Karmasin ist dieses Thema ein Anliegen. Daher geht sie in einer Studie des Bundesministerium für Familie und Jugend der Frage nach: „Wie gut funktioniert die Vereinbarung von Familie und Beruf in Österreich wirklich?“

Die besten Köpfe

Befragt wurden die Mitglieder des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF) sowie die Partner der Initiative „Unternehmen für Familien“. Sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern ist die Thematik ein Anliegen. Familienfreundliche Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden von 94% der Führungskräfte für ihr Unternehmen als wichtig empfunden. Auch der „Kampf um die besten Köpfe“ ließe sich der Studie zur Folge mit Familienfreundlichkeit gewinnen – dieser Meinung sind 86% der Befragten. „Familienfreundliche Maßnahmen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind eine ‚win-win-Situation‘ für Arbeitgeber und Arbeitnehmer“ so die Familienministerin. Denn: „familienfreundliche Unternehmen haben nicht nur bessere Chancen im Wettbewerb um die besten Köpfe – ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auch motivierter, loyaler und leistungsfähiger“.

Jedoch ist nur für 24% der befragten Arbeitnehmer das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ihren Gunsten gelöst. Demnach gibt es also eine Diskrepanz, die es zu schließen gilt, erklärt Gerhard Zeiner, Vorsitzender des Wirtschaftsforums der Führungskräfte. Die Plattform ‚Unternehmen für Familie‘ bietet Arbeitgebern Anleitungen für best-practise-Modelle, wie Familienfreundlichkeit im Unternehmen leicht umgesetzt werden kann. „Wir brauchen einen Kulturwandel in vielen Betrieben, was Präsenzkultur und Arbeitszeitmodelle betrifft“ meint Karmasin. Unternehmen sollen zukünftig mittels Verhaltensökonomie motiviert werden familienfreundliche Maßnahmen zu setzen.

Diskrepanzen schließen

Die Differenz zwischen den als wichtig empfundenen Maßnahmen und jenen, die laut Umfragen bereits umgesetzt sind, ist laut Familienministerin groß. Flexible Arbeitszeiten werden von 72% der Befragten als familienfreundlich empfunden, jedoch nur bei der Hälfte als im Unternehmen bereits umgesetzt angegeben. Auch das ersehnte Verständnis vom Chef sieht nur die Hälfte der Arbeitnehmer mit Familie als gegeben – und dies obwohl ganze 66% der befragten Arbeitgeber diesen Punkt als sehr wichtig empfinden.

Vor allem auch bei den Punkten punktuelle Kinderbetreuung bei Notfällen oder an Feiertagen und Vereinbarkeit von Pflege von Angehörigen gibt es recht wenige Unternehmen, die dies ihren Mitarbeitern gewähren: Werden diese Punkte jeweils von 47% der Befragten als wichtig empfunden, so sehen jedoch nur 15% der Befragten den Punkte Kinderbetreuung als ideal im eigenen Unternehmen umgesetzt und gar nur 11% sehen die Möglichkeit ihre Angehörigen zu Pflegen mit ihrem Job vereinbart. Ebenfalls wichtig für eine familienfreundliche Tätigkeit werden die Möglichkeit zwischen Voll- und Teilzeit zu wechseln und spezielle Wiedereinstiegsmodelle nach der Karenz betrachtet.

Familienfreundlichkeit bringt Vorteile

Familienfreundliche Unternehmenskultur fördert die Bindung der Schlüsselarbeitskräfte, Abgänge würden somit verhindert. Außerdem steige die Produktivität und Motivation der Mitarbeiter, wenn die Familiensituation ausgeglichen geregelt ist und der Vorgesetzte Verständnis für die veränderte Situation hat.

„Familienfreundlichkeit als Teil der Unternehmenskultur wird in Zukunft mit Sicherheit eine noch größere Rolle spielen, im globalen Wettbewerb bestehen zu können“, ist sich der WdF Geschäftsführer sicher. Bis ins Jahr 2015 soll Österreich das familienfreundlichste Land Europas sein, wünscht sich die Familienministerin.

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.